14 Stolpersteine gegen das Vergessen

Neu-Isenburg - Viel Zeit hat die fünfköpfige Initiative, die sich mit der Umsetzung des Projekts „Stolpertsteine“ in Neu-Isenburg beschäftigt, investiert. Die Arbeit hat sich gelohnt: Statt der ursprünglich geplanten elf, werden am Mittwoch, 18. Februar, 14 Steine in der Hugenottenstadt verlegt.Von Christina Schäfer

Die Steine - nach einer Idee des Kölner Künstlers Gunter Demnig - sollen an Menschen erinnern, die von den Nationalsozialisten vertrieben, verschleppt oder ermordet wurden. Dazu lässt der Künstler Steine mit den entsprechenden Namen der Opfer in den Fußweg vor dem jeweiligen Wohnhaus ein.

Im Zuge der Vorbereitungen und Recherchen hatte sich die Neu-Isenburger Initiative in Absprache mit Gunter Demnig dazu entschieden, im Sinne der Familienzusammenführung auch zwei Steine für Personen zu verlegen, die vor den Nationalsozialisten geflohen sind. Dies teilte Christa Ziller von der Neu-Isenburger Initiative mit.

Einer dieser beiden zusätzlichen Steine wird vor dem Haus in der Frankfurter Straße 45 an die Tochter der Witwe Jonas erinnern. Während ihre Mutter und Schwester dem Nazi-Regime zum Opfer fielen, floh sie über England in die USA und rettete so ihr Leben. Insgesamt lässt der Künstler drei Steine vor Ort ins Pflaster ein.

Ein weiterer Stein zur Familienzusammenführung wird vor dem Haus in der Taunusstraße 32 zu finden sein. Dort lebte seinerzeit die Familie Schlamm, bevor die Eltern mit zwei Kindern in eine Notwohnung in der Ludwigstraße 63 umsiedelten. Die jüngere Tochter des Ehepaars konnte sich in Sicherheit bringen und floh in die USA. Dies beweise auch eine Schiffspassage, so Christa Ziller. Ab dem 18. Februar sollen insgesamt vier Steine an das Schicksal der Familie erinnern.

Auch vor den Häusern in der Frankfurter Straße 32 (fünf Steine) und in der Stolzestraße 8 (ein Stein) werden bald Stolpersteine den Gehweg ergänzen.

Vor allem die Recherchen hätten viel Zeit in Anspruch genommen, sagt Ziller. Hand in Hand arbeitete das Team, das sich innerhalb der Bertha-Pappenheim-Initiative gebildet hatte. Vom Fachwissen der Historikerin Dr. Heidi Fogel profitierte das Team bei der Akteneinsicht. Leider hätten oftmals nur wenige Daten über die Schicksale der jüdischen Bürger in Neu-Isenburg zur Verfügung gestanden.

Anfragen beim Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen, welcher die Schicksale von zivilen Opfern des nationalsozialistischen Regimes dokumentiert, nach Angehörigen der Opfer laufen.

Wenig schwierig gestaltete sich hingegen die Suche nach Paten für die Stolpersteine. „Es war gar kein Problem, Paten zu finden - wir hatten mehr Anfragen als Steine“, sagt Christa Ziller. Sogar zwei Kirchengemeinde hätten bei der Initiative - bestehend aus Christa Ziller, Heidi Fogel, Ursula Grau, Marlene Adamczick und Jutta Loesch - nachgefragt, doch das Projekt sehe ausschließlich Privatpersonen als Paten vor, die die Kosten von 95 Euro pro Stein übernehmen. Einige hätten aus persönlichen Gründen - etwa einen besonderen Bezug zum Wohnhaus - Wünsche für ihre Patenschaft geäußert.

Die Initiative arbeitet beim Projekt Stolpersteine eng mit der Stadt Neu-Isenburg zusammen. „Es ist eine außerordentliche Kooperation“, lobt Ziller.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare