Jahresbericht zeigt Auswirkungen der Corona-Krise

Streetworker in Neu-Isenburg immer im Einsatz

Streetwork via Facebook und Instagram: Zu den neuen Aufgaben des Teams während der Pandemie gehört es auch, für die Einhaltung der AHA-Regeln zu werben.
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Streetwork via Facebook und Instagram: Zu den neuen Aufgaben des Teams während der Pandemie gehört es auch, für die Einhaltung der AHA-Regeln zu werben.

Streetworker wollen den Kontakt zur Jugend halten. In einer Zeit, in der Kontaktbeschränkungen das Gebot der Stunde sind, ist das nicht immer einfach. Und auch für die anderen Bausteine der mobilen Jugendarbeit in Neu-Isenburg – das Café Zukunft als Anlaufstelle und das Bundesprogramm „Jugend stärken im Quartier“ – hat die Pandemie vieles verändert.

Neu-Isenburg - Unverändert ist indes das gemeinsame Ziel: soziale Probleme zu lösen, Stolpersteine aus dem Weg zu rollen und die Lebenssituation der Jugendlichen nachhaltig zu verbessern. Was dafür getan wird in der Stadt, zeigt der Blick auf die Jahresberichte 2019 und 2020 des Vereins „Mobile Jugendarbeit/Streetwork Neu-Isenburg“, die nun den Gremien vorliegen.

Die mobile Jugendhilfe ist aufsuchende Jugendarbeit. Zwei Mitarbeiter, Selahattin Gülsel und Alexej Rytschagow, sind regelmäßig auf den Straßen in Neu-Isenburg, Gravenbruch und Zeppelinheim unterwegs, um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Sie suchen die Jugendlichen an ihren Treffpunkten auf, kontrollieren Spielplätze, Parks, Tiefgaragen oder reagieren unmittelbar auf Hinweise aus der Bevölkerung. Sie sind aktuell zwischen 15 und 23 Uhr erreichbar unter z 0151 47685625. In den letzten Jahren waren die Streetworker vor allem häufiger auf den Spielplätzen vor dem Quartier IV und an der Rosenstraße, im Bansapark, am Wilhelmsplatz oder rund ums Stadtteilzentrum West im Einsatz.

Allein: „Im Berichtszeit-raum hat sich aufgrund der Pandemie viel geändert. Wo zu Anfang noch vor allem Spielplätze und der Sportpark Treffpunkte für Jugendliche und somit zu Brennpunkten wurden, haben sich die Aufenthaltsorte nach Schließung der öffentlichen Plätze in den Wald verlegt. Dadurch wurde es immer schwieriger, Jugendliche anzutreffen und den Kontakt aufrecht zu erhalten“, ist im 2020er-Jahresbericht zu lesen. Die kontinuierliche präventive Arbeit habe sich insgesamt dann aber erneut sehr positiv ausgewirkt, „da die Kontaktmöglichkeiten bekannt waren und somit im Laufe des Jahres immer häufiger genutzt wurden“.

Denn die Streetworker sind verlässliche Kontaktpersonen für die Jugendlichen und vermitteln bei Konflikten. „Die kontinuierliche, präventive Arbeit der Streetworker sowie der Einsatz der Freiwilligen Polizeihelfer tragen dazu bei, das subjektive Sicherheitsempfinden der Bevölkerung zu erhöhen“, sagen Bürgermeister Herbert Hunkel und Erster Stadtrat Stefan Schmitt. Beides sind Maß-nahmen, die zum KOMPASS-Sicherheits-Programm gehören, an dem die Stadt teilnimmt. „Regelmäßig bekommen wir von der Polizei und aus der Bevölkerung dazu positive Rückmeldungen.“

Seit Beginn der Pandemie kamen noch weitere Aufgaben für die Streetworker dazu: Sie verteilten Masken, erinnern die Jugendlichen an die Abstands- und Hygieneregeln und klären allgemein über die Pandemie auf. Auch auf Instagram und Facebook sowie in Anzeigenmotiven warben sie für die Einhaltung der AHA-Regeln. „Gerade in den vergangenen Monaten war es wichtig, den Kontakt zu den Jugendlichen aufrecht zu erhalten, da die Jugendeinrichtungen geschlossen waren“, betont die Stadt. Bei Bedarf wird das Team personell von Burak Karaca unterstützt.

Zur präventiven Arbeit gehört auch, den Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine Anlaufstelle zu bieten. Diese ist das Café Zukunft in der Hugenottenallee 88. Bis vor der Corona-Pandemie trafen sich dort an sechs Tagen in der Woche rund 30 bis 40 Jugendliche, die zum großen Teil noch in die Schule gehen, in einem Arbeits- oder Ausbildungsverhältnis stehen, studieren, arbeitslos oder arbeitssuchend sind. Die Besucher sind überwiegend männlich und im Alter zwischen 16 und 27 Jahren. Gemeinsam wird an der Playstation gezockt oder es werden Filme geschaut. Vor Ort finden die Jugendlichen aber auch die drei Mitarbeiter des Café Zukunft, die immer ein offenes Ohr für die Probleme der Jugendlichen haben. Bei Bedarf beraten und helfen sie, beispielsweise in allen Bereichen der schulischen und beruflichen Weiterbildung, in schwierigen Lebenssituationen, bei Drogenmissbrauch oder Schulden.

Wichtig ist, dass das Team bestens vernetzt mit den anderen Jugendeinrichtungen der Stadt zusammenarbeitet, insbesondere dem Jugendbüro. So erhalten die Jugendlichen Unterstützung beim Übergang von der Schule ins Berufsleben und werden bei der Suche nach Ausbildungsplätzen unterstützt. Das Ziel des Cafés Zukunft ist, die Lebenssituation der Jugendliche zu verbessern. Oberstes Prinzip der Angebote ist jedoch die Freiwilligkeit.

Um Jugendliche wieder „Back on Track“ zu bringen, also zurück auf die Spur, hat das JUSTiQ-Team (Bundesprojekt „Jugend Stärken im Quartier“) in Kooperation mit der Mobilen Jugendarbeit (MoJa) und dem Jugendbüro der Stadt ein neues Konzept entwickelt. Mit verschiedenen Veranstaltungen und in Einzelgesprächen wird geholfen, den „inneren Schweinehund“ zu überwinden. Seit 2018 ist Anne Zettler im Rahmen des Bundesprogramms beschäftigt. Bis 2022 läuft das Projekt. Das Folgeprojekt ist in Planung.

Gleichzeitig ist Anne Zettler die Geschäftsführerin des Vereins MoJa. Dieser hat 23 Mitglieder, der Vorsitzende ist Edgar Fischer. Die Stadt zahlt dem Verein einen jährlichen Zuschuss von 156 000 Euro. Das Mitarbeiterinnenhonorar des JUSTIQ-Programms wird zu 75 Prozent aus Mitteln von Bund Europäischen Sozialfonds finanziert.  hov

Das Café Zukunft ist wieder geöffnet, allerdings nur nach Anmeldung unter Telefon 0157 30814627 oder 06102 365440 oder per E-Mail an moja.ni@mail.de. Informationen gibt es auch auf Instagram (mojacafezukunft).

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