1. Startseite
  2. Region
  3. Neu-Isenburg

Theaterleiter aus Neu-Isenburg probiert neue Wege aus

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Holger Klemm

Kommentare

Wo sonst der Zuschauerraum des Theaters Alte Brücke ist, hat Alexander Beck einen Tisch mit Mikrofonen aufgebaut. Von dort aus startet am Wochenende ein Programm mit Streaming-Formaten.
Wo sonst der Zuschauerraum des Theaters Alte Brücke ist, hat Alexander Beck einen Tisch mit Mikrofonen aufgebaut. Von dort aus startet am Wochenende ein Programm mit Streaming-Formaten. © strohfeldt

Gute Kontakte nach Neu-Isenburg hatte Alexander Beck schon immer – durch die Footballer der Jets oder das Äppelwoitheater. Doch als Ur-Sachsenhäuser hätte sich der Schauspieler nicht vorstellen können, einmal in Neu-Isenburg zu wohnen. Als er mit seiner Frau auf der Suche nach einem Haus war, wurden beide im Buchenbusch fündig und wohnen seit dreieinhalb Jahren dort: „Uns gefällt es sehr gut“, sagt der 48-Jährige.

Neu-Isenburg - Die Hauptwirkungsstätte des kulturellen Multitalents, der unter anderem auch Ensemblemitglied von Barock am Main, Regisseur und Synchronsprecher ist, liegt aber wenig überraschend in Sachsenhausen, wenngleich das Zufall gewesen ist. Dort findet sich in der Kleinen Brückenstraße das Theater Alte Brücke, mit dem 2015 sein Traum in Erfüllung ging. Zuvor war er mit seiner Theatergruppe an verschiedenen Orten aufgetreten. „Doch damit war immer der Auf- und Abbau verbunden“, erzählt Beck. Nach erneutem Ärger über einen Veranstalter wurde er im Internet auf die alten Gewerberäume aufmerksam. Innerhalb von wenigen Tagen war alles in trockenen Tüchern und der Umbau zu dem schmucken und heimeligen Theater konnte starten.

Beck setzt in dem „kleinsten Off-Broadway-Theater der Welt“, wie er selbst sagt, auf Mundart, Komödien, Klassiker, Musical und Kindertheater. Bei ihm treffen moderne amerikanische Dramatiker auf lokale Produktionen. Der Bezug zu New York kommt nicht von ungefähr. An einer Wand im Theater hängen unzählige Programmhefte von dortigen Produktionen, die Beck alle gesehen hat. „Es sind noch viel mehr.“ Vor Corona war er einmal im Jahr in New York und hat sich an neun von zehn Abenden Theaterstücke angesehen, von denen er auch einige an sein Haus geholt hat.

Sein Theater lief gut, bis Corona kam. „Da hatten wir unsere erste richtig erfolgreiche Saison mit einer Platzausnutzung von 88 Prozent.“ Bis 2020 gab es 400 Vorstellungen, seitdem nur eine einzige. Mit seinen 60 Plätzen und dem fehlenden Foyer sei angesichts der Vorgaben ein Programm nur schwer möglich. „Es lohnt sich nicht, vor 19 Leuten zu spielen“, bedauert er. Im Herbst startete er einen Versuch mit einem Kabarettabend und 2G.

Doch statt durchstarten zu können, machten ihm strengere Vorgaben und erneute Abstandsregeln einen Strich durch die Rechnung.

„Ich war einer der ersten, der geimpft und geboostert war.“ Beck sieht die Notwendigkeit der Maßnahmen, kritisiert aber die Ungleichbehandlung. So könnten Besucher im Restaurant mit 2G-plus an ihren Plätzen ohne Maske sitzen und sich unterhalten. Im Theater, wo die Leute mit Maske sitzen, sich nicht unterhalten und nach vorne auf die Bühne blicken, gebe es strengere Auflagen.

Bislang ist Beck durch die Pandemie gekommen. Die kleine Förderung durch die Stadt sichere die Miete. Zudem konnte er in einem Film von „Bully“ Herbig mitspielen, der 2022 in die Kinos kommt, ist Sprecher für Videospiele wie „Call of Duty“ und leitet die Burgfestspiele Alzenau. Am 4. Juli wird er bei den Burgfestspielen Dreieichenhain mit Barock am Main und „Bleiwe losse“ zu sehen sein. Schwerer getroffen hat es seine freischaffenden Teammitglieder, die sich durchschlagen müssen.

Bis zur Wiedereröffnung will Beck das Theater mit seinem Team anderweitig nutzen. Wer aktuell den Raum betritt, findet mitten im Zuschauerraum einen großen Tisch mit Mikrofonen. Von dort soll es ab diesem Wochenende ein Online-Programm mit Streaming-Formaten geben. „Die Pandemie und damit einhergehende Krise zwingt die Theatermacher generell dazu, neue Wege zu gehen“, meint er.

Als erste Aktion wartet ein sogenanntes „Cold Reading“. Die Schauspieler bekommen vom sogenannten „Playmaster“, bei dem es sich um Beck handelt, ein Stück, das sie zum ersten Mal in der Hand halten. Nach einer kurzen Besprechungsrunde, in der die Mitwirkenden eine kurze Rollenbeschreibung erhalten und Fragen stellen dürfen, müssen sie das Stück „kalt“ lesen beziehungsweise spielen. Im Anschluss können als interaktives Element die Zuschauer, die den Stream über Facebook verfolgen können, darüber abstimmen, ob das Stück im Herbst auf der Bühne zu sehen sein wird.

Vorgesehen ist auch ein regelmäßiger Podcast, bei dem es zum Auftakt um die „Star Wars“-Filme und später um Internas aus Theater und Film gehen soll. „Da haben wir einiges zu sagen“, verspricht Beck.

Bei allen virtuellen Plänen bleibt die Hoffnung, im Herbst wieder auf der Bühne vor dem treuen Stammpublikum spielen zu können. Und für dieses ist er sehr dankbar. Beck spricht von einer großen Unterstützung. Dazu gehört, dass wenige ihre Karten zurückgegeben haben. Es gebe auch einen Gast, der sich sonst alle Produktionen anschaut. Er überweist jeden Monat den Betrag, den er für die Karten und Getränke ausgeben würde. Beck: „Das zeigt mir, dass es richtig war, Schauspieler zu werden.“ Holger Klemm

Die Aktivitäten können über die Facebook-Seite des Theaters verfolgt werden.

Infos im Internet

theater-alte-bruecke.de

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion