Durch und durch ein Familienmensch

Tief verwurzelt in Neu-Isenburg: Grünen-Bürgermeisterkandidat Oliver Gröll im Porträt

Familienbande: Oliver Gröll im Kreise seiner Lieben. Auf die Unterstützung des großen Gröll-Clans kann der Kandidat sich verlassen.
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Familienbande: Oliver Gröll im Kreise seiner Lieben. Auf die Unterstützung des großen Gröll-Clans kann der Kandidat sich verlassen.

Greta und Karlsson kommt im Hause Gröll keiner vorbei. So sehr sich der Hausherr auch bemüht, die Oberhand über die beiden kleinen Rauhaardackel zu behalten, so freudig locken die Gäste die herzigen Gesellen zum Streicheln wieder an. Oliver Gröll, dem Bürgermeisterkandidaten der Grünen, bleibt nur ein tiefes Seufzen und die Resignation.

Neu-Isenburg - Neben den Hunden spielen noch weitere Tiere eine Rolle in dem großen Gebäude, in dem ein Teil des Gröll-Clans residiert. Im Garten tummeln sich Schildkröten, bis vor Kurzem wohnten dort auch noch Meerschweinchen. „Sie alle gehören zu unserer Familie“, stellt Gröll fest. Familie, das sind Ehefrau Nicole und die vier Kinder, drei Töchter, ein Sohn und die dazugehörigen Enkel. „Bei uns ist immer was los, es kommen Freunde und man trifft sich hier, das kenne ich aber auch schon aus meinem Elternhaus so“, erzählt der 56-Jährige.

Fast sein ganzes Leben hat Oliver Gröll in Neu-Isenburg verbracht. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, woanders zu sein, höchstens vielleicht in den Bergen oder an der Nordsee“, sagt er. Und schränkt sogleich wieder ein: „Aber nur, wenn alle mitgehen würden.“ Schon die Eltern waren im Ort stark engagiert, Grölls Vater Karlheinz sorgte beim Schwimmclub Neu-Isenburg (SCN) nicht nur für großartige Erfolge, sondern führte den Verein auch lange Zeit. „Unser Leben hat sich zu einem großen Teil beim SCN abgespielt“, erzählt der Kandidat. Das sei nicht immer leicht gewesen, aber doch auch eine gute Erfahrung. „Und immerhin habe ich schon mit elf oder zwölf Jahren im Club meine Frau kennengelernt.“

Auch beruflich folgte Oliver Gröll anfangs seinem Vater, stieg in die Automobilbranche ein und machte eine Ausbildung zum Groß- und Einzelhandelskaufmann. „Aber ich habe schon sehr jung Kontakt zur Trainings- und Coachszene gehabt“, erzählt er. Es folgten Tätigkeiten im IT-Bereich und ein BWL-Studium. Heute ist Gröll als Coach für ein international tätiges Trainings- und Beraterunternehmen unterwegs, eine Aufgabe, die ihn nicht selten durch ganz Deutschland führt. „Das passt schon, ich bin ja eher der aktive Typ, wobei ich auch mal nur da sitzen und in den Himmel gucken kann“, sagt er. Tut er das nicht, widmet er sich dem Haushalt: „Ich bügele gerne, da kann ich in Ruhe nachdenken.“ Im Fokus habe er ebenso die Küche. „Kochen ist meine Leidenschaft und ich versuche mich an allem, an Gerichten aus der sogenannten Sternenküche genauso wie an Bodenständigem.“ Und was gibt es, wenn es mal schnell gehen muss? „Auf keinen Fall Fastfood und lieber ein frisches Omelett als eine Aufbackpizza.“

Wenn Gröll über Kindheit und Jugend nachdenkt und darüber, wer ihn in dieser Zeit besonders geprägt hat, erinnert er sich schnell an seinen Patenonkel. „Der hat mich schließlich auch zur CDU gebracht“, erzählt er. Im vergangenen Jahr machte der ehemalige Christdemokrat, der für seine Partei führende Positionen ausgefüllt hatte, dann einen Schnitt. Gröll trat aus der CDU aus, legte alle seine Ämter nieder und wechselte zu den Grünen. „Ich bereue diesen Wechsel nicht, es war genau richtig so“, sagt er heute. Von grundsätzlichen Überlegungen abgesehen, habe auch da die Familie eine Rolle gespielt. „Wenn ich meine Enkel so anschaue, muss ich über die Zukunft nachdenken und überlegen, ob ich noch die richtige Politik mache.“

Sollte das mit der Bürgermeisterei klappen, würde Oliver Gröll einem fahrradfreundlichen Neu-Isenburg oberste Priorität einräumen. „Dabei geht es mir nicht um irgendwelche Verbote, ich möchte eher sinnvolle Angebote ermöglichen.“ Vorstellbar ist dem Kandidaten auch ein Wiederaufleben der sogenannten Neu-Isenburger Mehr-Wert-Karte“ (NIM), ein von ihm vor Jahren erfundenes Bonussystem mit Einkaufsvorteilen und zugleich einer Förderung für Vereine. „Die Aktion ist sehr zeitaufwändig und lebt von permanenter Beziehungsarbeit, das konnte ich irgendwann nicht mehr alleine leisten“, sagt Gröll. Aber gerade in der jetzigen Zeit mit dem von der Pandemie gebeutelten Einzelhandel sei eine Neuauflage vielleicht sinnvoll.

» Morgen: Michael Adam

Von Barbara Scholze

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