Den Traditionen nachspüren

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Der Vorstand (von links): Gerhard Badouin (Beisitzer), Ute Raband (Beisitzerin), Herbert Temme (Beisitzer), Werner Henle (stellvertretender Vorsitzender), Herbert Hunkel (Vorsitzender), Renate Buchenauer (Koordinatorin), Wolfgang M. Trautz (zweiter Stellvertreter), Dieter Schmidt (Schriftführer) und Dorothe Römer (Beisitzerin). Es fehlt Kassenwart Georg Czesanne. 

Neu-Isenburg - Am 24. Juli jährt sich zum 310. Mal der Tag, an dem die Hugenotten dem Grafen Johann Philipp von Isenburg-Offenbach einen Eid schworen und sich in ihrer neuen Stadt niederlassen konnten. Das historische Kulturerbe der Glaubensflüchtlinge am Leben erhalten – das ist eines der Ziele des neu gegründeten Vereins „Hugenotten- und Waldenserpfad“ mit Sitz in Neu-Isenburg. Von Katrin Diel

Der geplante Kulturfernwanderweg soll außerdem daran erinnern, dass Flucht, Exil, Toleranz und Integration auch heute einen Schwerpunkt gesellschaftlicher und politischer Fragestellungen in Europa bilden.

Weitere Informationen zum Kulturfernwanderweg finden Sie hier.

Etwa 50 Personen aus Städten, Kreisen und Vereinen in Hessen und Badem-Württemberg hatten sich zur Vereinsgründung im Rathaus der Hugenottenstadt eingefunden. Aus Isenburg war unter anderem die Marktplatzgemeinde vertreten. 32 stimmberechtigte Mitglieder wählten Ersten Stadtrat Herbert Hunkel zu ihrem Vorsitzenden. Der gebürtige Isenburger kann auf einen hugenottischen Stammbaum der Linie Delrieux zurückblicken.

Koordinatorin Dr. Renate Buchenauer aus Marburg erläuterte die Ziele und Aufgaben des Vereins. Dessen Wirkungskreis erstreckt sich vom kleinen Heimat- und Geschichtsverein vor Ort bis auf die internationale Ebene. Die 1800 Kilometer Wegstrecke des Hugenotten- und Waldenserpfades von Frankreich und Italien bis nach Nordhessen können nicht innerhalb eines Jahres erschlossen werden. Deshalb sei unter anderem ein GPS-System für Wanderer geplant, für jene Stellen ohne Karten und Markierung.

Professor Barbara Dölemeyer vom Max-Planck-Institut in Frankfurt referierte über die äußeren und inneren Spuren der Hugenotten in Deutschland und in der Region. „In Neu-Isenburg kann man im Alten Ort den Grundriss der Hugenottensiedlung nachgehen“, so Dölemeyer. In Offenbach trage die barocke Hugenottenkirche als eine der wenigen noch die Inschrift „französisch-reformierte Kirche“. Und in Hanau konnten im 16. Jahrhundert die Ratsherren und Bürgermeister der Neustadt lange Zeit nur aus Repräsentanten der Kirche gewählt werden.

Was die geistigen Spuren angehe, so sei der Hugenottenpfad zwar kein Pilgerweg wie der Jakobsweg. Das Pilgern sei keine protestantische Tradition. „Aber wer auf dem Weg wandert, sollte auch die Gelegenheit wahrnehmen, den geistigen und geistlichen Traditionen nachzuspüren.“

Aus der Flucht der Hugenotten und Waldenser wurde Schritt für Schritt und oft über Jahre andauernd die Suche nach einer neuen Heimat. Dabei brachten sie neue Techniken und Fertigkeiten mit, zum Beispiel in Textilverarbeitung, Uhrmacherhandwerk, Spargelanbau und Buchdruckerkunst.

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