Wohnraum für 55 Flüchtlinge

Trafostation als Heim für Flüchtlinge

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Im zentral gelegenen einstigen Trafo-Haus wird derzeit durch einen aufwändigen Umbau Wohnraum für 55 Flüchtlinge in insgesamt 26 Appartements geschaffen. Das Bild zeigt Arbeiten im Schlaf- und Wohnraum von einem der 23 Zwei-Personen-Appartements.

Neu-Isenburg - Noch herrscht eisige Kälte in leeren Raumhülsen, die Wände sind unverputzt, einige Räume wirken schon fast fertig, andere hingegen sehen noch nach Rohbau aus. Von Barbara Hoven

Doch was da in dem in der Stadt als ehemaliges Trafohäuschen bekannten Gebäude an der Hugenottenallee 88 entsteht, ist aus mehreren Gründen schon jetzt recht eindrucksvoll. Ende Juni will die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewobau das fertig umgebaute Haus an die Stadt übergeben, in dem dann ab Juli Wohnraum für 55 Flüchtlinge zur Verfügung stehen soll. Zurzeit entstehen 23 Appartements für je zwei Personen, die neben einem Schlaf- und Aufenthaltsraum auch eine Küchenzeile und ein kleines Duschbad enthalten. Außerdem baut man drei geräumigere Appartements, die Platz für drei Bewohner bieten. Dafür wurde auch eine neue Zwischendecke eingezogen, aus ursprünglich zwei Stockwerken sind drei geworden. Türen und neue Fenster sind mittlerweile drin, drinnen stehen fast alle Wände, bald ist der Putz dran.

Die Wohnungen werden voll möbliert übergeben, erläutert Gewobau-Geschäftsführer Stephan Burbach den Presseleuten, die gestern über die Baustelle streifen dürfen. Bemerkenswert, zum Ersten: Die Gewobau baut billiger als gedacht. 2,11 Millionen Euro habe man für den Umbau angesetzt, sagt Burbach, „doch aktuell liegen wir unter diesen Kosten“. Vermutlich werde das Gebäude für einen geringeren Preis fertig, „ich denke wir landen bei etwa zwei Millionen“. Moderner und wohnlicher als die meisten Unterkünfte im Land, in denen Flüchtlinge eine neue Bleibe finden, dürfte das Ex-Trafo-Haus in jedem Fall werden, darüber herrscht Einigkeit beim Rundgang.

Auch außen sind die Handwerker zugange. Die großen braunen Tore sind bereits verschwunden und neue Wände eingezogen, aus ursprünglich zwei Stockwerken sind mittlerweile drei geworden.

Bemerkenswert, zum Zweiten: Beim Umbau hat man die Zukunft bereits im Visier. Die Appartement-Konzeption sei so angelegt, erklärt Bürgermeister Herbert Hunkel, dass die Wohnungen problemlos auch an Studenten vermietet werden könnten, wenn die Flüchtlingsproblematik in einigen Jahren nicht mehr akut sein sollte. Vor allem aber hat Hunkel eine Neuigkeit zu vermelden, die all jene freuen dürfte, die sich in der im vergangenen Jahr hitzig geführten Debatte um eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge vehement gegen die Idee ge-stemmt hatten, eine solche am Stadtrand im Birkengewann zu bauen, wo sich einst der Kompostplatz befand.

Zumindest für dieses Jahr scheint diese Idee vom Tisch. Denn weiterer Wohnraum für Flüchtlinge entstehe derzeit durch den Umbau eines leerstehenden Bürogebäudes in der Dornhofstraße. Der Eigentümer kümmere sich um den Umbau, die Stadt miete dann die Wohnungen an, erläutert Hunkel. „Damit werden wir den Bedarf für dieses Jahr erfüllen können.“ 2014 hat Neu-Isenburg 116 Flüchtlinge aufgenommen, für 2015 wird mit der gleichen Anzahl gerechnet. Bislang mussten in der Hugenottenstadt noch keine Flüchtlinge in Wohncontainer ausweichen, viele wurden in den Wohnungen der Gewobau untergebracht. Auch in dem Mehrfamilienhaus in der Beethovenstraße 91 leben seit einigen Wochen 18 Asylbewerber.

Illegale Flüchtlinge am Hauptbahnhof Frankfurt

Illegale Flüchtlinge am Hauptbahnhof Frankfurt

Um die Anwohner von Anfang an mit ins Boot zu holen, hatte der Rathauschef für vergangenen Freitag alte und neue Nachbarn rund um die Beethoven- und Friedrichstraße zu einem Treffen geladen, um über die Situation zu berichten. Hunkels Fazit: „Die Resonanz auf die neuen Nachbarn ist durchweg positiv, die Anwohner waren zu 90 Prozent sehr offen und tolerant.“ Eine Sache, bekennt Hunkel, habe ihn gar schmunzeln lassen – „als wir hörten, dass die Flüchtlinge von neuen Nachbarn bei einer urdeutschen Tugend beobachtet wurden: dem samstäglichen Straße kehren“.

Überhaupt sei er froh, wie viele Ehrenamtliche und Mitstreiter der Flüchtlingshilfe sich vorbildlich darum bemühten, dass sich die Neuankömmlinge in Isenburg zu Hause fühlen können. Und auch mit den Nachbarn laufe es allgemein sehr gut. Er höre ja alle möglichen Beschwerden, sagt Hunkel, über den Tannenwald, Rewe, das Anwohnerparken – „aber über Flüchtlinge hat sich noch nie jemand beschwert“. Vordringliche Aufgabe sei nun neben dem Finden von Unterkünften, die Integration der Flüchtlinge durch die Vermittlung von Praktika zu fördern. „Denn die jungen Leute wollen etwas tun, wollen die Sprache lernen und sich einbringen in diese Gesellschaft, die sie aufgenommen hat“, so Hunkel. Erste Plätze habe man bereits vermitteln können, zum Beispiel beim DLB. Der Bürgermeister hofft, dass sich Unternehmen bei der Stadt melden und Plätze anbieten.

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