Der Traum eines Dezernenten

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Der Stadtbibliothek wird es in den Räumlichkeiten an der Hugenottenhalle zu eng. Der Kulturdezernent schlägt einen Neubau auf dem ehemaligen Güterbahnhofgelände vor.

Neu-Isenburg ‐ Ein Bibliotheks- und Integrationszentrum auf dem Güterbahnhofgelände? Diesen Vorschlag hat Kulturdezernent Theo Wershoven (CDU) ins Gespräch gebracht. „Von Katrin Stassig

Es würde diesem Teil der Stadt gut tun, ein neues architektonisches Gesicht zu bekommen und an Attraktivität zu gewinnen“, sagte Wershoven gestern im Rahmen einer Pressekonferenz des Fachbereichs Sport und Kultur. Anlass für Wershovens Idee war die Diskussion um einen Ausbau der Stadtbibliothek. Dieser wird unter anderem von der FDP immer wieder gefordert. Von dem Vorschlag, die Bibliothek am derzeitigen Standort auszubauen und eventuell aufzustocken, „halte ich überhaupt nichts“, betont Wershoven. Denn damit würden die bestehenden Probleme nicht gelöst.

Die Einrichtung bräuchte dringend mehr Platz für Internet- und PC-Arbeitsplätze sowie eine andere Raumaufteilung, um den verschiedenen Nutzergruppen gerecht zu werden.

Zentraler Standort für die Volkshochschule?

Wershovens Vision umfasst eine moderne Bibliothek in Verbindung mit außerschulischen Bildungsangeboten, zum Beispiel der Volkshochschule (Vhs), und Platz für soziale, berufsfördernde und kulturelle Integrationsprojekte. Als Standort würde sich seiner Meinung nach ein Teil des ehemaligen Güterbahnhofgeländes eignen. Ihm sei bewusst, „dass das vielleicht zunächst mal nur der Traum eines Dezernenten ist“.

In einem zentral gelegenen Gebäude mit unterschiedlichen Trägern könnten sich für alle Beteiligten Synergieeffekte ergeben: etwa Einsparung von Mietkosten, kurze Wege, gute Verkehrsanbindungen und Parkmöglichkeiten. Die Vhs, die derzeit in Dutzenden unterschiedlichen Räumlichkeiten in der Stadt unterkommen müsse, hätte dort einen zentralen Standort. Als dritte Säule sieht Wershoven Projekte zur Förderung der Integration. „Die Stadtbibliothek mit jährlich mehr als 100.000 Besuchern, die Vhs mit mehr als 500 Kursen und etwa 5.000 Teilnehmern und andere Träger für Integrationsmaßnahmen sind Garanten dafür, dass die Räumlichkeiten eines solchen Gebäudes auch permanent ausgelastet sind“, ist der Kulturdezernent überzeugt.

Ten Brinke signalisiert Interesse

„Ein solches Projekt kostet gewiss nicht wenig Geld“, räumt Wershoven ein. Dieses Geld wäre seiner Meinung nach aber gut angelegt. „Ich bin mir im Klaren, dass es nicht einfach ist, dort so etwas zu realisieren.“ Zumal das Gelände an der Carl-Ulrich-Straße nicht im Besitz der Stadt sei. Der holländische Investor Ten Brinke, der auch den Shop West des Isenburg-Zentrums saniert, habe Interesse am Güterbahnhofgelände bekundet und verhandele mit dem Eigentümer.

Er habe über seinen Vorschlag mit dem ein oder anderen gesprochen, so Wershoven, das Thema sei aber noch nicht politisch diskutiert worden. „Es wird vielleicht auch für meine eigene Partei eine kleine Überraschung sein.“

Hugenottenhalle könnte profitieren

Bei Jutta Duchmann, der Leiterin der Stadtbibliothek, rennt der Kulturdezernent mit seinem Vorschlag offene Türen ein. Ein solches Konzept sei seit langem ein Wunsch der Einrichtung. Allerdings, so räumt Duchmann ein, gebe es bundesweit nur wenige Beispiele für solche Bildungszentren. Diese würden oft aus Kostengründen nicht verwirklicht.

Von einem Umzug der Stadtbibliothek könnte indes auch die Hugenottenhalle profitieren, die dann Räume für Tagungen dazu gewinnen würde. In diesem Punkt sei der Kulturtempel „schlecht ausgestattet“, sagt Hallenchef Thomas Leber. Das zeigt ein Vergleich mit 27 Tagungshotels im Raum Frankfurt. Diese verfügen im Durchschnitt über vier Säle und acht Nebenräume. Die Hugenottenhalle kann der Nachfrage lediglich mit einem Saal und einem Nebenraum begegnen. Auch die Bürgerhäuser in der Region sind in dieser Hinsicht besser ausgestattet.

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