Kult mit großen Kulleraugen

Tricks von der Manga-Meisterin

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Strich für Strich zum eigenen Manga: Wie das geht, zeigte die bekannte Zeichnerin Christina Plaka Isenburgs Nachwuchs gestern in der Bibliothek. Links ein charmantes Beispiel für eine Arbeit der Offenbacherin.

Neu-Isenburg - Kinder lesen gern Comics. Noch spannender ist es, selbst Figuren zu erfinden und zu zeichnen. Wie das geht, zeigt ein echter Profi dem Nachwuchs gestern in Neu-Isenburg. Von Barbara Hoven

Die in Manga-Kreisen berühmte Zeichnerin Christina Plaka, die diese Comic-Kunst sogar in Japan studiert hat, verrät, worauf es bei den gezeichneten Abenteuern in kurzen Strichen ankommt. Der Andrang ist groß. Es sind diese riesigen Kulleraugen, die man als erstes wahrnimmt. Überhaupt: die ausdrucksstarken Gesichter. Also konzentriert sich Christina Plaka gestern voll auf dieses Thema. Die 23 Jungen und Mädchen, die einen Platz im Manga-Workshop in der Westend-Bibliothek ergattert haben, erfahren mit Erstaunen, dass ein gelungenes, ausdrucksstarkes Gesicht mit einem simplen Kreis beginnt. Dem wird dann die Kinnpartie durch wenige leichte Bleistiftstriche hinzugefügt, dann die Augen, Nase, Mund, zuletzt Haare und Hals.

Mit Seelenruhe zeigt Christina Plaka dem Nachwuchs, wie man einen Manga mit einfachen Grundregeln zeichnet – und die Kinder sind hellauf begeistert und lassen die Bleistifte auf dem Papier tanzen. Schließlich kommt’s ja auch nicht alle Tage vor, dass man Tipps von einer echten Manga-Meisterin abgreifen kann. Von Kind an, so erzählt die heute 31-jährige Offenbacherin Plaka, habe sie sich für Comics und auch für Japan interessiert. Nach der Schule schaute sie begeistert zu, wie die Figuren mit den großen Augen im Fernsehen Abenteuer erlebten. Von Serien wie der in den 1990ern bekannten „Mila Superstar“ inspiriert, begann sie mit elf Jahren nicht nur, Manga-Figuren selbst zu zeichnen. Sondern auch schon als Jugendliche damit, auf eigene Faust Japanisch zu lernen.

2002 nahm sie am Zeichenwettbewerb „Manga-Talente“ teil – Deutschlands erstem Manga-Zeichnenwettbewerb, der vom Carlsen Verlag zusammen mit der Leipziger Buchmesse organisiert wurde. Sie gewann mit ihrer Geschichte „Vampire 1776“ einen Buchpreis – und die Aufmerksamkeit des Verlags. So folgte kurz nach dem Abi 2002 an der Offenbacher Marienschule bereits der Vertrag beim Verlag – und Erfolge mit eigenen Manga-Comic-Bänden wie „Prussian Blue“ und später „Yonen Buzz“. Einige ihrer Arbeiten wurden Bestseller, große Nachrichtenmagazine nannten sie einen „Manga-Star“. Christina Plaka hat inzwischen ihr Japanologiestudium in Frankfurt ebenso abgeschlossen wie einen Master in Japan, wo sie zeitweise gelebt hat. Bis 2012 hat sie „Manga Studies“ an der Seika University in Kyoto studiert. „Vermutlich war ich die erste Europäerin, die den Master gemacht hat“, erwähnt die freundliche Frau, die bei allem Ruhm sehr bodenständig geblieben ist, nur ganz am Rande. Und widmet sich gleich wieder dem Nachwuchs im Work- shop. Trotz der knapp berechneten Zeit – schließlich steht nachmittags ein zweiter Kurs in der Hauptstelle der Stadtbibliothek an – nimmt sie sich für jeden einzelnen Teilnehmer am Vormittag in der Westend-Bibliothek immer wieder einen Moment, um zu loben, Tipps zu geben und grundlegende Arbeitsschritte zu verraten.

Mangafans bei der Connichi-Messe

Mangafans bei der Connichi-Messe

Es sind knappe Striche und Formen – doch das Ergebnis ist beeindruckend. „Meins sieht wie ein Teufel aus“, freut sich ein Junge. „Meins eher wie eine Hexe“, ruft’s vom Tisch gegenüber, während die Kinder Schritt für Schritt, Strich für Strich zum eigenen Meisterwerk finden. „Wenn ihr ein Mädchen malen wollt achtet auf elegante, große und funkelnde Augen“, rät Plaka. Und zeigt mit flinker Hand, wie man den Augen Leben einhaucht. Auch das Bibliotheks-Team ist angetan von der Kursleiterin, „und es ist toll zu sehen, was da für Ergebnisse rauskommen“, sagt Katja Harjes, die Leiterin der Kinder- und Jugendbibliothek. Weil Kinder es nun mal lieben, wilde Geschichten über Freunde und Heldentaten zu erfinden, davon zu hören oder sie eben auch mal zu zeichnen, deshalb fördern die Stadtbibliothek und ihre Außenstellen diese Kreativität immer wieder mit speziellen Aktionen. Nicht nur in den Schulferien natürlich – daran soll sich auch im neuen Jahr nichts ändern.

Weitere Infos: 

www.chrisplaka.com

Für Christina Plaka, die trotz der Tatsache, dass sie Vorreiterin in ihrem Gebiet war, derzeit von der Arbeit als Zeichnerin allein nicht leben kann, bringt 2015 ebenfalls neue Projekte. Momentan arbeitet die Offenbacherin neben Illustrationsaufträgen und Kinderbuchprojekten an zwei Manga: Zum einen „Ciao Bibi“, das monatlich im Magazin Comix erscheint, und an „Go for it“, einem Jugendmanga, der im Sommer auf den Markt kommt. Außerdem unterrichtet sie Deutsch im Japanischen Kulturzentrum in Frankfurt und bietet unter dem Motto „Chris on demand“ Manga-Workshops an.

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