Türkisch-Islamische Gemeinde zieht Bilanz

„Besser vernetzt als vorher“

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Der Gebetsraum der Selimiye Moschee in der Ludwigstraße.

Neu-Isenburg - Neu-Isenburgs Türkisch-Islamische Gemeinde nimmt an einem Modellprojekt zur interkulturellen Öffnung teil. Nach zwei Jahren ziehen Stadt und Moschee nun gemeinsam eine positive Bilanz. Von Barbara Hoven 

Die Selimiye Moschee der Türkisch-Islamischen Gemeinde hatte vor zwei Jahren einen starken Schub erhalten für den Wunsch nach mehr Miteinander mit anderen Vereinen und Institutionen der Stadt, nach mehr Öffnung und Vernetzung: Als eine von fünf muslimischen Gemeinden in Hessen wurde die Isenburger Ditib-Gemeinde von der Türkisch-Deutschen Gesundheitsstiftung fürs Modellprojekt „Unsere Moschee in der Mitte unserer Stadt“ ausgewählt. Nun haben Vertreter von Gemeinde und Stadt gemeinsam eine positive Bilanz gezogen: Die Gemeinde sei nun noch besser in der Stadt vernetzt als vorher, der Verein habe sich gegenüber den Nachbarn noch mehr geöffnet, auch das soziale Engagement der Mitglieder sei gestärkt worden, fasst Aysel Aydin zusammen.

Die 31-jährige Studentin der Islamischen Religionswissenschaften kümmert sich als Koordinatorin um das Projekt. Dabei geht es der Gemeinde auch um eine Stärkung des Moscheevereins und um eine bessere Präsentation nach Außen hin. Wobei der Dialog zwischen Stadt und Verein ohnehin seit Jahren „sehr solide und vertrauensvoll funktioniert“, wie beide Seiten beim Ortstermin in der Moschee betonen.

1700 Türken leben in Neu-Isenburg

Etwa 1 700 Türken leben in Neu-Isenburg, der Moscheeverein zählt aktuell 104 Mitglieder, „wobei meist nur ein Mitglied pro Familie verzeichnet ist“, weshalb der Verein deutlich Menschen zusammenbringe, wie der neue Vorsitzende Salih Özkan erklärt. Vor allem das Freitagsgebet werde rege genutzt, „da kommen bis zu 300 Menschen“. Bereits seit 1974 gibt es den Verein in der Stadt, nach anderen Standorten bezog die Gemeinde vor etwa 15 Jahren die eigenen Räume in der Ludwigstraße. Seither liegt die Moschee zwar mitten im Stadtkern, gleich nebenan hört man die Kinder der Kita St. Josef spielen – dennoch war der Verein etwas versteckt, von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Dies sollte sich mit der Teilnahme am Modellprojekt ändern. Und hat es auch, wie Aysel Aydin berichtet.

Das Bild zeigt (von links) Projektkoordinatorin Aysel Aydin, die Integrationsbeauftragte Paola Fabbri Lipsch, Bürgermeister Herbert Hunkel, den Vorsitzenden Salih Özkan und Ersten Stadtrat Stefan Schmitt im neu gestalteten Jugendraum

So gebe es nicht nur intern Veranstaltungen, etwa Sprachkurse oder Bewerbungstraining für Jugendliche, sondern Gemeindemitglieder haben die Feuerwehr besucht oder regelmäßig den Nachmittagskaffee im benachbarten Seniorenheim, mit dessen Bewohnern es zudem eine gemeinsame Strickstunde gibt. Bei Festen oder am Weltkindertag war die Türkisch-Islamische Gemeinde mit von der Partie, auch durch Veranstaltungen wie den Tag der offenen Tür oder Moschee-Besuche für Schüler sei das gegenseitige Kennenlernen gefördert worden. Auch Goetheschüler oder die Bewohnerrunde des Quartiers West schauten sich die Moschee an. Aydin gehört außerdem einem „Vermittlerpool“ an und ist als „Sprach- und Kulturvermittlerin“ bei Elterngesprächen in Schulen oder Kitas dabei.

„Vielversprechende Zeichen“

„Das sind alles wichtige, integrationsfördernde Ziele“, sagt die städtische Integrationsbeauftragen Paola Fabbri Lipsch. Deshalb setzt sie sich gemeinsam mit Bürgermeister Herbert Hunkel für eine Verlägerung des Projekts ein, das im September ausläuft. Eine Fortführung um drei weitere Jahre ist das Ziel. Dies sei wünschenswert, um das Erreichte zu festigen, meint auch Salih Özkan. Der 48-Jährige kennt die Gemeinde von Kindesbeinen an, sein Vater war Gründungsmitglied. „Ich bin also hier groß geworden“, sagt der Vorsitzende, der als Service-Manager bei einem Mobilfunkunternehmen arbeitet.

Nach personellen Umstrukturierungen in der Gemeinde war er im Mai zu deren Vorsitzendem gewählt worden. Auch jüngere Leute im Vorstand sowie mehr Frauen unter den Mitgliedern seien „vielversprechende Zeichen“, heißt es in der Bilanz. Viel getan hat sich aber nicht nur personell, auch den Umbau der Räumlichkeiten treibt man derzeit voran. So ist in der ersten Etage ein neuer Jugendraum entstanden, die sanitären Anlagen wurden saniert. Weiteren Schwung für die Vernetzung erhofft sich die Gemeinde auch von einem Termin am heutigen Freitag: Für die Muslime hat der Fastenmonat Ramadan begonnen, für heute, 21 Uhr, haben sie Nachbarn und Neugierige zum Fastenbrechen eingeladen – bei großem Andrang auf der Ludwigstraße, ansonsten im Hof. Kosten entstehen der Stadt durch das Projekt übrigens nicht, denn es wird unterstützt vom Europäischen Integrationsfonds, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und dem Bundesministerium des Innern.

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