„(Un-)vergessen“

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An den Forschungsreisenden Karl-Ludwig Koch erinnert dieser Rahmen, den (von links) Heidelore Kretschmann, Claudia Lack und Herlinde Jacobi halten. Koch war der älteste Bruder der Mutter von Herlinde Jacobi.

Neu-Isenburg - In jeder Stadt gibt es viele, die Zeit ihres Lebens ihrer Heimatkommune den Stempel aufgedrückt und Spuren hinterlassen haben. Doch nach ihrem Tod sind sie in Vergessenheit geraten. Das ist in Neu-Isenburg nicht anders. Um diesem Trend entgegenzuwirken, zeigt das Stadtarchiv nun den zweiten Teil der Ausstellungsreihe „(Un-)vergessene Isenburger“. Von Holger Klemm

Leiterin Claudia R. Lack hat mit Heidelore Kretschmann Material über Isenburger mit ganz unterschiedlichen Lebensläufen aufgearbeitet. Erinnert wird an einen Architekten, eine KPD-Landtagsabgeordnete, einen Künstler, einen Forschungsreisenden und einen Geologen.

Von sich reden gemacht hat der in Neu-Isenburg geborene Architekt Ernst Balser (1893 bis 1964). Mit eindrucksvollen Bauten wie dem AOK-Gebäude am Main, das später von der AEG genutzt wurde, einem Kaufhaus mit grüner Glasfassade sowie einem markanten Verwaltungsgebäude hat er das Bild vom Nachkriegs-Frankfurt mitgeprägt. In Neu-Isenburg stammt von ihm das Haus Dr. Bäck. Doch viele seiner Gebäude sind bereits verschwunden.

Die Ausstellung ist bis Mitte November dienstags von 13 bis 17 Uhr und freitags von 10 bis 17 Uhr im Stadtarchiv zu sehen.

Die 1905 geborene KPD-Landtagsabgeordnete Marie Schmidt, die 1971 in Neu-Isenburg starb, gehörte zu jenen zwölf Frauen, die während der Weimarer Republik dem Landesparlament angehörten. Während der NS-Zeit leistete sie Widerstand im Untergrund und wurde vorübergehend inhaftiert. Auch nach dem Krieg engagierte sie sich für Bedürftige und in der Arbeiterwohlfahrt.

Der gebürtige Neu-Isenburger Karl Rödel (1907 bis 1983) machte sich als vielseitiger Künstler einen Namen. Er war Maler, Bildhauer, Lithograf, Holzschneider und Lehrer an der eigenen Kunstschule in Mannheim. Von ihm stammen der Stier vor und zahlreiche Kunstwerke in der Hugenottenhalle.

An zahlreichen Forschungsreisen unter anderem nach Madagaskar und Borneo nahm der in Neu-Isenburg geborene Karl-Ludwig Koch (Ludwig Koch-Isenburg, 1906 bis 1994) teil. Er wirkte beratend am Aufbau des Darmstädter Vivariums mit und veröffentlichte zahlreiche Bücher. In Neu-Isenburg geboren und gestorben ist der Geologe Ernst Wittich (1871 bis 1952), der sich ebenfalls an zahlreichen Expeditionen beteiligte und wissenschaftliche Arbeiten veröffentlichte.

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