Utensil mit Tradition

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Jörg Knitter vermisst die jüngste Ausgabe der Lumpenmontagsplakette.

Neu-Isenburg ‐ Sie ist zwar nur 30 mal 40 Millimeter groß, spielt aber bei der Iseborjer Fastnacht eine immense Rolle: die Lumpenmontagsplakette. Von Enrico Sauda

Die neueste Ausgabe dieses traditionsreichen Fastnachtsutensils ziert das alte Posthaus an der Hugenottenallee. 1,50 Euro kostet das Schmuckstück, von dem momentan gut 1800 im Umlauf sind.

„Der Rest wird wohl bei den Sitzungen verkauft“, hofft Jörg Knitter, Kassierer und langjähriges Mitglied beim Förderverein zur Brauchtumspflege des Isenburger Karnevals (FBIK). Er geht davon aus, dass die Vereine diese Plaketten gemeinsam mit den Eintrittskarten verkaufen.

Ohne dieses karnevalistische Ornament würde es die Linsensuppe, die die Isenburger Narren am Lumpenmontag in der Fußgängerzone verteilen, nicht geben. „Zumindest war das bis vor etwa fünf Jahren so“, weiß Knitter. Er kümmert sich um alles rund um die Plakette, die den Karneval in der Hugenottenstadt seit Anfang der 80er Jahre prägt.

Die Idee zur Plakette, die seit 1999 aus Metall ist, hatte Erwin Frank, damals Oberlump. „Aus den Einnahmen wurden die Zutaten für die Linsensuppe gekauft, und es hat sich gerechnet, solange es noch die Firma Wirth gab, bei der wir sie zubereiteten“, sagt Knitter. Wo die Linsemäusche – die Frauen, die die Suppe zubereiten – zurzeit zu Werke gehen, wollen die Karnevalisten nicht verraten.
Die Wagenbauer erhielten anfangs das Isenburger Nationalgericht, doch weil die Suppe so gut schmeckte, sprach sich das schnell herum. Sie wurde zum Renner und gehört zum Lumpenmontag wie Watz und Oberlump zur Iseborjer Fasnacht.

2500 Plaketten hat der FBIK im fernen Osten herstellen lassen – „sonst könnten wir uns das nicht mehr leisten“. Erhältlich ist sie unter anderem bei Schreibwaren Baumann, bei Castrians, bei Brillen-Richter, der Volksbank, der Sparkasse Langen-Seligenstadt sowie bei der Sparkasse 1822 und bei Blumen Malkemus.

 „Und bei allen Vereinen, die sie verkaufen“, ergänzt Knitter. Von den 1,50 Euro pro Plakette behalten die Vereine 50 Cent. Die Herstellungskosten betragen 50 Cent pro Plakette.

Somit wird die Plakette ihrem ursprünglichen Sinn und Zweck, den höchsten Feiertag in Großwatzenhausen, den Lumpenmontagszug, und die Herstellung der Linsensuppe mitzufinanzieren, nicht mehr gerecht. Sie gerät sogar zum Verlustgeschäft. Aber der FBIK hält an der Plakette fest, „weil sie eine alte Tradition ist“.

Die Finanzquellen sprudeln nicht mehr so wie früher, deshalb hat sich der FBIK auf die Fahnen geschrieben, „wieder mehr an die in Neu-Isenburg ansässigen Firmen heranzutreten“. Jörg Knitters Traum ist es, „irgendwann vielleicht 10.000 Plaketten zu verkaufen“. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Derweil gelte es zu versuchen, die Fastnacht zu verjüngen. „Bei den jungen Leuten hat sie nicht mehr diesen hohen Stellenwert wie bei uns. Deshalb wollen wir in die Schulen gehen und dort Projekte rund um die Fastnacht anregen.“

Seit drei Jahren hat die Plakette eine zusätzliche Funktion: nämlich eine dekorative. „Damals haben wir angefangen, sie so herstellen zu lassen, dass vier davon eine große ergeben, die in einer Passform Platz finden“, erklärt Knitter.

In dieser Kampagne erschien der dritte Teil und in der nächsten, wenn der FBIK sein närrisches Jubiläum feiert – er wird elf Jahre alt –, kommt der vierte und letzte.

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