Resonanz bleibt hinter Erwartungen

RTW und Verkehr: Bürger planen die Zukunft

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„In Neu-Isenburg verändert sich das Mobilitätsverhalten bis zum Jahr 2030 spürbar“: Wie sie über diese These denken, zeigen die Teilnehmer, indem sie sich entweder bei „Ja“ oder „Nein“ auf der auf dem Boden gezogenen Meinungslinie positionieren. Links stehen in diesem Fall die positiv Denkenden, rechts die Zweifler.

Neu-Isenburg - Die Regionaltangente West (RTW) und der zunehmende Verkehr sind derzeit Gegenstand vieler Debatten in der Stadt.

Um die Bevölkerung mitzunehmen bei der Frage, wie die Straßen aussehen könnten, wenn einmal die RTW durch die Stadt fährt, ging am Samstag die erste Planungswerkstatt mit großem Besteck über die Bühne. Rund 70 Bürger wollten mitreden und mehr über das Großprojekt wissen, teils wurde sehr kontrovers diskutiert.

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Die Ausgangslage ist bekannt: Die Stadt wirbt intensiv für das Vorzeigeprojekt Regionaltangente West (RTW). Für die geplante Schienenstrecke von Bad Homburg über den Frankfurter Flughafen nach Neu-Isenburg und Dreieich-Buchschlag wünscht sich Bürgermeister Herbert Hunkel eine Anbindung an das Neubaugebiet Birkengewann und damit eine 2,3 Kilometer lange Schienenstrecke durch die Hugenottenstadt. Doch gerade diese Verlängerung ist umstritten; Gegner befürchten Lärm und Behinderungen in der Friedhofstraße und bezweifeln den Nutzen. Mit entsprechend großer Spannung hatten die Initiatoren der Planungswerkstatt auf den Samstag geblickt.

Denn die ganze Sache ist weder schon beschlossen und schon gar nicht gebaut. Und der Bürgermeister betont, die Stadt wolle mit der Planungswerkstatt die Bürger weit stärker an der Planung beteiligen als gesetzlich vorgeschrieben. „Wir wollen nichts durchsetzen, sondern gemeinsam mit den Menschen eine Lösung finden, mit der unsere Kinder und Enkelkinder noch gut leben können“, so Hunkel. Ein in Auftrag gegebenes Mobilitätskonzept sieht derzeit die Verlängerung der RTW vom Güterbahnhof bis ans westliche Ende der Kernstadt als „Vorzugsvariante“ an.

Professor Jürgen Follmann, der Moderator der Werkstatt, nimmt die Bedenken von Susanne Schmidt auf.

Dass etwas unternommen werden muss, um einen verkehrliche Kollaps bis zum Planungszeitraum 2030 zu vermeiden, ist unstrittig. Über das mögliche Bündel von Maßnahmen soll auch am Samstag diskutiert werden. Für die erste Planungswerkstatt hat die Stadt diverse Fachleute in die Huha geholt, die etwas zu den Hintergründen beitragen können. Da ist Horst Amann, Geschäftsführer der RTW GmbH, der den Besuchern die vorliegende Machbarkeitsstudie zur RTW für Neu-Isenburg vorstellt. Oder Edwin Mayer vom Planungsbüro, das für die Stadt das Mobilitätskonzept erstellt. In einen ganz anderen Zusammenhang stellt Verbandsdirektor Thomas Horn vom Planungsverband FrankfurtRheinMain die Thematik. Er stellt die großräumige Planung für die Metropolregion vor, die einen geschlossenen „Schienenring“ um Frankfurt herum vorsieht. Horn verweist insbesondere auf die jetzt in die Machbarkeitsstudie genommene Schienenneubaustrecke RTW Ost, die von Heusenstamm in einem Bogen gen Norden geführt werden soll. „Da bietet sich doch ein Anschluss der RTW vom Osten Isenburgs geradezu an“, meint er.

Nach den Impulsvorträgen mit vielen bereits bekannten, aber auch neuen Infos weist Professor Jürgen Follmann, der die Werkstatt moderiert und dessen Studenten die Anwesenden betreuen, noch einmal darauf hin, dass man nicht für das Jetzt, sondern für die Zukunft plane.

An einer Meinungslinien sollen sich dann alle dort positionieren, wo sie glauben, dass sich etwas bis 2030 in Neu-Isenburg verändert. Klar, die Protagonisten stehen fast alle bei „Ja“, die Mitte bleibt leer, ein kleines Grüppchen positioniert sich bei „Nein“. „Ich stehe hier, weil ich nicht an eine Veränderung prinzipiell glaube, sondern dass sich durch den Egoismus der Menschen nichts ändern kann“, sagt Susanne Schmidt. Für Stefan Niedfeld liegt der Zweifel an den viel zu langen Planungszeiträumen. „Bis ein größeres Projekt umgesetzt ist vergehen doch 20 und mehr Jahre“, so Niedfeld.

An verschiedenen Stationen mit den Themenschwerpunkten „Fußwege und Barrierefreiheit“, „Wirtschaftsverkehr und Parken“, „Straßenraum und Kfz-Verkehr“ oder „Radverkehr“ finden sich Bürger dann zusammen. Und weil keiner sein Ohr überall haben kann, werden die Ergebnisse der Diskussionen am Ende vorgestellt.

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Wie dem Ergebnis zu entnehmen ist, bezogen sich die meisten Punkte in der Debatte jedoch nicht auf das ursprüngliche „Werkstatt-Thema“ RTW und die Frage, wie die Carl-Ulrich- und die Friedhofstraße aussehen könnten, sondern auf die allgemeine Verkehrssituation in der Hugenottenstadt und deren Aufenthaltsqualität. Von zu langen Taktzeiten der Buslinien über stetig verstopfte oder blockierte Straßen und die prekäre Parkraumsituation reicht das Spektrum. „Das kann nur der Anfang einer Auseinandersetzung sein, die noch lange dauern wird“, meint Martina Walke, die in der Straße Am Trieb wohnt.

„Ich habe darauf gewartet, dass es endlich mal neue Informationen gibt, doch das, was ich gehört habe, ist doch längst bekannt“, ist FDP-Mann Jörg Müller nicht sonderlich angetan von der Werkstatt. Er habe auf eine Diskussion über die Gestaltung der Friedhofstraße gehofft, „aber da ist ja nichts passiert. Da hätte man mehr draus machen müssen“.

Bürgermeister Herbert Hunkel hingegen zeigt sich „sehr zufrieden“ mit der Veranstaltung. „Wir werden alle Ihre Wünsche aufnehmen und an die entsprechenden Stellen weitergeben“, kündigt der Rathauschef an. (lfp)

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