Schleussnerstraße/Carl-Ulrich-Straße/Hugenottenallee

Neues Steuerungsmodell am umstrittenen Ampel-Kreisel

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Die Idee für die neue Variante zur Signalsteuerung am Ampel-Ei beruht auf einer Untersuchung von Kristin Follmann: Die Studentin der Hochschule Darmstadt hat für ihre Bachelorarbeit den von vielen Verkehrsteilnehmern ungeliebten Knotenpunkt unter die Lupe genommen.

Neu-Isenburg - Dass der Kreisel an der Schleussnerstraße/Carl-Ulrich-Straße/Hugenottenallee nach Ostern bald ein neues Steuerungsmodell bekommen soll, damit der Verkehr dort endlich besser fließt, ist bereits bekannt.

Die Pläne dafür stammen aus der Bachelorarbeit der Darmstädter Hochschulabsolventin Kristin Follmann. Seit dem Umbau dieses viel befahrenen Knotenpunktes zu einem kreisverkehrsähnlichen Ablauf gab es zwar schon mehrfach Änderungen, doch nach wie vor sorgt die Verkehrsregelung mit den vielen Ampeln regelmäßig für Verwirrung und die Rückstaus vor allem im Feierabendverkehr für Unmut. Viel wurde darüber diskutiert, viele Fachleute haben sich viele Gedanken gemacht – und nun also hat das Stadtparlament bekanntlich grünes Licht gegeben für einen weiteren Anlauf zur Optimierung des Verkehrsflusses. Nach Ostern sollen dafür nun, wie berichtet, eine zusätzliche Ampel, eine geänderte Verkehrsführung und eine neue Signalsteuerung her.

Die Idee dazu beruht auf einer Untersuchung von Kristin Follmann von der Hochschule Darmstadt, deren Vater sich für das Büro Habermehl und Follmann mit der Umgestaltung des Knotenpunktes beschäftigt. Die Studentin des Bauingenieurwesens brauchte noch ein Thema für ihre Bachelorarbeit. „Als man mich gefragt hat, ob ich das machen möchte, war ich sofort begeistert. Als ich jedoch das erste Mal das Ding hier sah, kamen mir so manche Bedenken“, beschreibt die 23-Jährige ehrlich ihren ersten Eindruck. Nach dem Motto: Probleme sind dazu da, um sie zu lösen, machte sie sich mit Kommilitonen ans Werk. Über drei Monate hat sie sich mit dem Kreisel befasst. „Wir sind mehrmals als Fußgänger über alle möglichen Querungen gegangen und haben uns die Verweilzeiten notiert, dann das alles mit dem Rad“, schildert Follmann. „Aber am interessantesten war es, mal als Beifahrer mit im Auto zu sitzen und die Reaktionen des Fahrer zu sehen, der das erste Mal hier durchfährt“, verweist Follman auf so manches „Huch, da darf man links abbiegen“ bei der Fahrt aus der Hugenottenallee in Richtung Innenstadt. Hier hat sie auch gleich die größte Gefahrenstelle ausgemacht – und die fällt künftig auch weg. Die Ampeln einfach weg zu machen, das sei keine Lösung. Zum einen bräuchten die Fußgänger sichere Querungsmöglichkeiten, zudem lägen die Kreuzungsstellen für die Autofahrer so nah beieinander, dass Zu- und Abfahrt eben mit Signalen geregelt werden müssten.

Vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen des Mobilitätsverhaltens hat Follmann schließlich für den Knotenpunkt eine Lösung erarbeitet, „die den derzeitigen Nutzungsanforderungen gerecht wird und gleichzeitig die Möglichkeiten der Anpassung an zukünftig geänderte Strukturen erlauben“, wie Edwin Mayer vom Büro Habermehl und Follmann gestern erklärt. Denn auch die neue Verkehrsführung wird wohl nicht endgültig sein; in einigen Jahren wird das Areal schon wegen RTW und Quartier Süd neu geordnet werden.

Mayer erklärte gestern, dass es zu bestimmten Verkehrszeiten eine entsprechende Überlastung des Knotenpunktes gibt – mit der Folge von längeren Wartezeiten für die Verkehrsteilnehmer. Kristin Follmann ließ per Computersimulation entsprechende „Verkehrsmengen“ durch den Kreisel fahren und änderte immer wieder die Ampelphasen. „Ich habe das so lange gemacht, bis ich keine Optimierung mehr erreichen konnte“, so Follmann.

Derzeit liegt die Auslastung bei rund 90 Prozent, nach der Überarbeitung des Ampelsteuerungsprogrammes soll sie nur noch bei 76 Prozent liegen. Für Follmann war die Vorgabe, keine teuren baulichen Veränderungen mit einzuplanen. Ganz umsonst ist die Optimierung aber natürlich auch nicht zu haben: Die Umprogrammierung der Ampeln und was sonst noch zur Umstellung gehört wird mit rund 25.000 Euro zu Buche schlagen. „Mir war es aber am Wichtigsten, dass die Verkehrsteilnehmer es merken, dass sich etwas verbessert hat“, freut sich die angehende Master-Studentin auf die Umsetzung.

So sehen die neuen Bediensysteme im Auto aus

Bürgermeister Herbert Hunkel bedankt sich gestern bei der Studentin. „Kristin Follmann hat mit ihrer Arbeit den entscheidenden Anstoß zur Optimierung der Signalsteuerung gegeben. Die Leistungsfähigkeit des Knotenpunktes wird verbessert, Staus weitgehend reduziert“, zeigt sich der Rathauschef optimistisch. Dazu gehöre eben auch, das direkte Linkseinbiegen von der nördlichen Hugenottenallee in die Carl-Ulrich-Straße zu unterbinden.

Das entworfene Signalprogramm für den Kreisel wurde mit einer Simulationssoftware in eine virtuelle Realität überführt und geprüft. Die Simulationen machen die sperrige und wenige greifbare Materie der Änderungen im Verkehrsablauf auch für „Nicht“-Fachleute ganz gut sichtbar. Gerne sei er bereit, die Simulationen auch unserer Zeitung für eine Veröffentlichung zur Verfügung zu stellen, sagt Mayer gestern: „Dann können die Bürger das gerne im Vorher-Nachher-Vergleich anschauen und uns auf den Prüfstand stellen.“ Das Angebot nehmen wir natürlich gerne an. (lfp/hov)

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