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Verunglückter Habicht kann wieder fliegen

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Zusammenstoß mit einer Scheibe: Der Habicht war am Augenlid verletzt, als er zu Heinz Kapp kam.
Zusammenstoß mit einer Scheibe: Der Habicht war am Augenlid verletzt, als er zu Heinz Kapp kam. © Wolfgang Kral

Bei der Jagd auf Beute hatte er sich verletzt, doch der Habicht hatte Glück im Unglück – und kann inzwischen wieder die Freiheit genießen. Zu verdanken hat er das dem Neu-Isenburger Naturschützer Heinz Kapp.

Neu-Isenburg - Was war passiert? Der Greifvogel war in Zeppelinheim am Dr.-Eckener-Platz einer Taube hinterhergejagt und gegen eine Scheibe geknallt. Die Taube war tot, der Habicht gehirnerschüttert und am Augenlid verletzt. „Ich bekam ihn letztlich von der Feuerwehr gebracht, die ihn nirgendwo abgeben konnte, wegen Vogelgrippe. Andere Pflegetierbestände sollten nicht angesteckt werden“, schildert der renommierte Neu-Isenburger Naturschützer Heinz Kapp. „Ich nahm ihn auf, stellte fest, dass die Flügel, Ständer und Krallen unverletzt waren und versorgte ihn mit Wasser sowie Rinderhackfleisch und rohem Hühnerbein. Leider wurde mir die tote Taube nicht mitgegeben, die hätte der Habicht gut kröpfen können“, so der Nabu-Ortsvorsitzende. „Bei meiner Untersuchung hatte ich die Ständer (Beine) nicht fest genug im Griff, sodass er ein Bein blitzschnell entziehen konnte und durch die dicken Lederhandschuhe bis auf den Knochen in meinen Daumenmuskel greifen konnte“, schildert Kapp ein Malheur. Die Wunde wurde desinfiziert, aber die schmerzliche Erfahrung blieb noch ein paar Tage.

„Zum Glück gab es keine Entzündung und nach drei Tagen der Sicherung und Pflege konnte ich den Habicht an der Fundstelle wieder auswildern“, schildert Kapp das glückliche Ende. „Er war erst verwundert über die Bewegungsfreiheit und saß zunächst im Baum, um die Umgebung zu beobachten. Später ist er dann in sein angestammtes Revier fortgeflogen“, freute sich der Naturschützer über die gelungene Rettungsaktion.

Habichte waren früher Freilandjäger und kamen nur bis an die Ränder der Siedlungen. In die Städte trauten sie sich nicht. Erste Besiedlungen gab es an Friedhöfen. Mittlerweile jagen sie auch in Neu-Isenburg. „Nachweise von Habicht-Vorkommen, auch anhand von Fotos und Rupfungen, gibt es in der Nähe des Isenburg-Zentrums, vom Sportpark, natürlich auch am Naturschutzgebiet Gehspitz sowie am Amphibienschutzgebiet am Sickerbecken Fischer Lucius“, schildert Heinz Kapp seine Sichtungen und Meldungen von Naturfreunden.

Der Habicht ist ein wilder Jäger, der helfen kann, die Stadttauben zu regulieren. „Einen Wanderfalken, der das auch tut, konnten wir trotz Nistplatz leider noch nicht ansiedeln“, bedauert Kapp. Anders als sein „kleiner Bruder, der Sperber – auch „Spatzenhabicht“ genannt – kann der Habicht locker auch Tauben, Elstern, Rabenkrähen, Hasen, Ratten, und gar junge Füchse überwältigen. Er ist ein Grifftöter.

„Da der Habicht von manchem Taubenzüchter gehasst wird, ist er leider illegalen Fängen und Vergiftungen ausgesetzt“, so Kapp. Zusätzlich hätten Störungen in der Brutzeit durch Forstarbeiten, aber auch Mountainbiker erhebliche Auswirkungen auf den Bestand von Habichten.

Dieser brütet meist in größeren, wegefreien Waldstücken und bleibt dem Horst manchmal 20 Jahre lang treu. Außer dem Uhu, gegenüber den Junghabichten auch dem Baummarder und vor allen Dingen dem Menschen hat er keine Feinde. „Wir wünschen dem Zeppelinheimer Habicht ein langes Leben und hoffen, dass er Fensterspiegelungen künftig vermeiden wird“, sagt Heinz Kapp.  lfp

Die Augäpfel stehen bei Greifvögeln weit hervor. Gut für die Jagd, aber gefährlich bei Unfällen.
Die Augäpfel stehen bei Greifvögeln weit hervor. Gut für die Jagd, aber gefährlich bei Unfällen. © Wolfgang Kral

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