Virtuelle Zweigstelle

+
E-Books, Hörbücher oder Videos können Leser mit Bibliotheksausweis über die „Onleihe“ auf ihren Rechner laden.

Neu-Isenburg ‐ Die Stadtbibliothek eröffnet eine vierte Zweigstelle. Mit der „Onleihe“ hat die Bücherei eine virtuelle Dependance im Internet eingerichtet – und ist damit nach eigenen Angaben die erste Bibliothek im Kreis Offenbach mit einem solchen Angebot. Von Katrin Diel

Wer einen gültigen Leseausweis besitzt, kann sich ab sofort E-Books, Hörbücher, Sach- und Reisevideos sowie Zeitungen und Zeitschriften herunterladen. Mit der Onleihe, die von jedem Ort der Welt aus genutzt werden kann, will die Stadtbibliothek neue Benutzergruppen gewinnen: Jugendliche, für die eine Bücherei ein „verstaubtes“ Image hat, Berufstätige mit unregelmäßigen Arbeitszeiten, die viel unterwegs sind, oder auch kranke Menschen, die das Haus nicht verlassen können. „Wir wollen unsere Angebote auch außerhalb der Öffnungszeiten weitergeben“, erklärt Bibliotheksleiterin Jutta Duchmann.

Die Onleihe läuft probeweise seit Ende des Jahres und soll nun einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. Und so funktioniert das Angebot: Auf der Internetseite der Bücherei können Nutzer ihren virtuellen Bibliothekskorb füllen. Für den Download müssen sie sich anschließend mit ihren persönlichen Benutzerdaten anmelden (Ausweisnummer ohne Buchstabe und das achtstellige Geburtsdatum als Passwort). Die heruntergeladenen Bücher stehen nach Ablauf der siebentägigen Ausleihdauer nicht mehr zur Verfügung, werden also quasi automatisch zurückgegeben.

Die Titel können, wie in der „richtigen“ Bibliothek auch, immer nur von einem Benutzer gleichzeitig heruntergeladen werden und sind während dieser Zeit für andere gesperrt. „Das ist ein Zugeständnis an die Verlage und das Copyright“, erläutert Jutta Duchmann. Die Verlage seien da in Deutschland noch etwas zurückhaltend, weil sie eine Konkurrenz der digitalen gegenüber der Print-Ausgabe befürchteten.

Angebot mit 1400 Titeln noch begrenzt

„Viele Verlage wie Suhrkamp oder Rowohlt machen nicht mit“, berichtet die Bibliotheksleiterin. Mit 1400 Titeln sei die Auswahl der Onleihe deshalb noch begrenzt. Neben Zeitungen und Zeitschriften wie dem „Spiegel“ stehen aber durchaus bekannte Titel wie die „Bis(s)“- Reihe von Stephenie Meyer zur Verfügung. Ein kleiner Nachteil: Die Daten sind mit „Apple“ nicht kompatibel.

Mit der Onleihe passt sich die Stadtbibliothek an die Gegebenheiten der modernen Zeit an. Aber auch der klassische Weg in die Bibliothek ist bei den Isenburgern nicht aus der Mode gekommen. Für das vergangene Jahr verzeichnet die Einrichtung eine Ausleihsteigerung von 2,5 Prozent. Gleiches gilt für die Westend-Bibliothek. In der Zweigstelle in Zeppelinheim ist sogar eine Steigerung von über 50 Prozent zu verzeichnen. „Eine solche rege Nutzung der Zweigstellen erreichen andere größere Städte nicht“, meint Jutta Duchmann nicht ohne Stolz. Das Ergebnis übertreffe damit, vor allem in der kleinsten Filiale in Zeppelinheim, alle Erwartungen.

Insgesamt wurden in der Bibliothek und ihren Dependancen 143.000 Besucher gezählt. 810 Kinder nahmen an Klassenführungen teil. Der Medienbestand umfasst aktuell etwa 70.000 Titel. Besonders erfreulich: Speziell auch bei der Kinderliteratur sind die Ausleihzahlen leicht angestiegen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare