Vision vom Stadtpark

Susann Guber stellt die Zukunftsvision der FDP vor: Blick vom Stadttor gen Westen in die Carl-Ulrich-Straße.

Neu-Isenburg ‐ Die Isenburger FDP hat es sich zum Ziel gesetzt, recht frei über eine Neugestaltung der Hugenottenstadt nachzudenken, aber auch die Bürger in den Prozess mit einzubeziehen. Von Leo F. Postl

Nachdem bekannt wurde, dass das Ende der Bundesmonopolverwaltung für Branntwein (BfB) absehbar ist, hatte der Ortsverband zum Rundgang auf das Betriebsgelände eingeladen. Am Donnerstagabend stand nun BfB-Präsident Eberhard Haake beim FDP-Stammtisch in der Gaststätte „Porto Seguro“ zu diesem Thema Rede und Antwort. Außerdem stellte die FDP ihre Zukunftsvision für das benachbarte Güterbahnhofgelände vor.

BfB-Präsident Eberhard Haake

„Wir sind eigentlich schon seit den 70er Jahren keine echte Monopolverwaltung mehr, sondern mehr eine Sicherungsinstitution zur rentablen Erzeugung von Alkohol aus Kleinst- und mittelständischen Brennereien“, führte Haake in das Thema ein. Mit der Zeit wurde die Schere zwischen dem von der BfB zugesicherten Ankaufspreis, der vielen Erzeugern das finanzielle Überleben sicherte, und dem auf dem Markt zu erzielenden Verkaufspreis immer größer. Derzeit subventioniert das Bundesfinanzministerium, dem die BfB direkt untersteht, die Behörde mit rund 80 Millionen Euro jährlich, um das Minus auszugleichen. Dies wird in der EU-Verwaltung als „unzulässige Förderung“ angesehen und muss in Zeiten der freien Marktwirtschaft abgebaut werden.

„Dieses Monopol läuft 2013 endgültig aus“, betonte Eberhard Haake. Die Brennereien können ihren Rohalkohol mit etwa 86 Prozent dann im freien Markt abliefern. Der dort zu erzielende Preis liegt aber deutlich unter jenem, den die BfB bisher garantierte. „Die Konkurrenz im Weltmarkt ist riesig, da sind wir in Deutschland ein kleines Licht“, verwies der BfB-Präsident auf den Großerzeuger Frankreich.

Da der Standort Neu-Isenburg nur ein Sammel- und Lagerbetrieb ist, steht er bei der Schließung an vorderster Stelle. „Mit dem Bundesministerium für Finanzen ist die Schließung zum Ende des nächsten Jahres vereinbart worden“, teilte Haake mit. Es werde aber für keinen der zwölf Mitarbeiter – meist Beamte – eine betriebsbedingte Kündigung geben.

Investor könnte Eingang mit Torbogen abreißen

Was mit dem Gelände und den noch funktionierenden Anlagen passiert, steht indes noch nicht fest. „Uns liegen lediglich Interessensbekundungen vor“, bestätigte Eberhard Haake. Das Gelände mit der Immobilie umfasst insgesamt fast 29.000 Quadratmeter Fläche. Würde es an einen meistbietenden Investor verkauft, dann könnte allerdings der markante Eingang mit Torbogen der Abrissbirne zum Opfer fallen.

Dieses „Schmuckstück“ hätte Kulturdezernent Theo Wershoven (CDU) gerne als Paradebeispiel an der Route der Industriekultur erhalten. Auch die FDP präsentierte eine Idee zur Weiterverwendung. „Wir könnten uns dort ein Gründerzentrum vorstellen“, sagte die stellvertretende Ortsverbandsvorsitzende Susann Guber. Wie so etwas funktioniert, zeigte sie am Beispiel des Alten Schlachthofs in Fulda, wo sich ein solches Zentrum etabliert hat.

„Stellen Sie sich vor, Sie kommen über die Carl-Ulrich-Straße oder die Hugenottenallee nach Neu-Isenburg und landen direkt in einem wunderschönen Park“, überraschte Guber die Gäste anschließend mit einer perfekt aufbereiteten Präsentation zur Neugestaltung des Güterbahnhofgeländes. Vom heutigen „Gleis Eins“ bis hin zur Siemensstraße erstreckt sich eine breite Parkanlage, in deren Zentrum der Kreisverkehrsplatz mit dem ehemaligen Stellwerkhäuschen und den beiden Eisenbahnwaggons des Modell-Eisenbahn-Clubs liegt. Verschwunden ist der „schwarze Bau“ der Spielhölle, eine Reihe von Bäumen säumt den lang gezogen Park.

„Man muss auch mal an eine Vision glauben“

Nach dem Motto „Gedanken sind zunächst mal frei“ – insbesondere von finanziellen Belangen – präsentierte Susann Guber ein völlig neues Stadtbild zwischen Schleussnerstraße und Carl-Ulrich-Straße. Rein optisch konnten sich fast alle Gäste im „Porto Seguro“ mit der Idee anfreunden, doch bei der Frage nach der Finanzierung gab es schnell, auch in den eigenen Reihen, berechtigte Zweifel. Gar nicht hinsehen mochte Thorsten Klees, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes. Weniger weil dieser „wirklich toller Vorschlag“ nicht aus den Reihen seiner Parteifreunde kam, sondern in Sorge um den ohnehin angespannten Haushalt.

Für eine rein gewerbliche Nutzung ist der FDP das Gelände der Bundesmonopolverwaltung zu schade. „Dafür gibt es genügend Alternativflächen auf dem ehemaligen Holzmann-Gelände“, meinte Susann Guber. Die Kombination aus Büros und Wohnungen könnte nach FDP-Ansicht für viele Unternehmer interessant sein. Dies würde dann gar einen doppelten finanziellen Effekt nach sich ziehen: Gewerbesteuer und Einkommenssteuer.

Gibt es eine bessere Kombination? „Man muss auch mal an eine Vision glauben, nur dann lässt sie sich realisieren“, schloss Susann Guber ihre Präsentation.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare zu diesem Artikel