Volle Kraft gen Himmel

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Countdown zum Raketenstart: Markus Rehberger zeigt den Kindern, was sie vor dem Start beachten müssen, und hilft beim Zünden des Treibsatzes.

Neu-Isenburg - Weißer Qualm, alle treten ein paar Schritte zurück - dann hebt sie ab. Unter lautem Zischen schießt die kleine Rakete gen Himmel. Von Manuel Schubert

Doch als der Treibsatz abgebrannt ist, geht ein Raunen durch die Menge: Der Fallschirm öffnet sich nicht und die Rakete plumpst aus gut 30 Metern auf den Boden. Besser hingegen läuft es beim zehnjährigen Philipp, dessen Modell einen Traumstart hinlegt und sanft zurück auf den Boden gleitet. Er ist einer von 41 Teilnehmern des RaketenWorkshops, den der Verein für Geschichte, Heimatpflege und Kultur (GHK) zum zweiten Mal nach 2010 auf dem TSG-Sportplatz an der Frankfurter Straße anbietet.

Fliegen nur mit „Aufstiegserlaubnis“

Mehr als eine Stunde hat Philipp an seiner Rakete gearbeitet. Stolz hält er sie in den Händen. Durch seine Mutter hatte er von der Veranstaltung erfahren und sich spontan entschieden, teilzunehmen - offensichtlich eine gute Wahl, denn dem jungen Isenburger macht das Bauen und Fliegen lassen der Raketen „voll Spaß“, wie er sagt.

Für einen sicheren Start sorgt Markus Rehberger. Der Jugendleiter des Internationalen Förderkreises für Raumfahrt ist extra aus Nürnberg angereist, um den kleinen Ingenieuren unter die Arme zu greifen. Ohne ihn könnte die Veranstaltung gar nicht stattfinden, denn einfach so darf man derartige Raketen in Deutschland nicht in die Luft befördern. Rehberger allerdings ist Besitzer einer sogenannten Aufstiegserlaubnis. Damit der Fallschirm nicht mit dem Treibsatz verbrennt, müsse man Steinwolle dazwischenschieben, erklärt Rehberger, und die Gruppe folgt seiner Anweisung. Anschließend darf ein Kind nach dem anderen seine Rakete abschießen. Viele haben ihre Eltern mitgebracht, die beim Basteln helfen und sich den Flug nicht entgehen lassen wollen.

Ausstellung über Luftfahrt

Mancher hat eine weite Anreise hinter sich - so etwa Jonas Miserre aus Fulda. Es habe ihn fasziniert, selbst etwas zu bauen, das tatsächlich funktioniert, berichtet er. „Ich habe einiges gelernt und viel Spaß gehabt“, fasst der 20-Jährige den Tag zusammen. Ferdinand Stegbauer, Veranstalter des Raketenworkshops und zweiter Vorsitzender des GHK, betont: „Die Kinder bauen hier keine Silvesterraketen.“ Die fertigen Fluggeräte hätten alle Eigenschaften einer normalen Rakete. Laut Stegbauer sind sie zum Beispiel extra leicht, damit sie möglichst hoch fliegen können. „Vor allem geht es uns um die Motivation der Kinder“, führt er aus. „Sie sollen verstehen, wie die physikalischen Kräfte wirken.“

Während auf dem Sportplatz eine Rakete nach der anderen in luftige Höhen schießt, gibt es im Vereinsheim eine kleine Ausstellung über die Luftfahrt zu begutachten. „Die kommt sehr gut an“, sagt Hanspeter Härtig, Vorsitzender des Vereins für Zeppelin-Luftschifffahrt Zeppelinheim. Es sei wichtig, die Jugend an derartige technische Themen heranzuführen. Härtig: „Wir hoffen, den Raketenworkshop in zwei Jahren wiederholen zu können. Er soll zu einer festen Einrichtung werden.“

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