Gedenkveranstaltung im Bertha-Pappenheim-Haus

Vortrag über Cellistin von Auschwitz

Neu-Isenburg - Anlässlich des Holocaust-Gedenktages findet am Freitag, 27. Januar, um 19. 30 Uhr eine Gedenkveranstaltung im Bertha-Pappenheim-Haus (Zeppelinstraße 10) statt.

Juliane Orth, Redakteurin bei hr-Info, wird über ihre Begegnung mit Anita Lasker-Wallfisch, Cellistin des Mädchenorchesters von Auschwitz, berichten und lässt sie in Tondokumenten zu Wort kommen. Ebenso spricht sie über Alma Rosé, die Dirigentin des Mädchenorchesters. Alma Rosé war die Nichte Gustav Mahlers. Der Abend wird musikalisch von Nathalia Steinwachs am Cello begleitet. Sie ist Musikpädagogin und Dozentin für Cello an der Isenburger Musikschule.

Die Cellistin Anita Lasker-Wallfisch hat die Konzentrationslager Auschwitz und Bergen-Belsen überlebt. In Auschwitz war sie Mitglied des Mädchenorchesters, in dem sie als einzige Cello gespielt hat. In Bergen-Belsen gelang es ihr irgendwie, bis zur Befreiung des Lagers durch britische Soldaten durchzuhalten. Fast ein weiteres Jahr hat sie als „Displaced Person“ darum gekämpft, nach England auswandern zu dürfen und dort Cellistin zu werden. Bis heute lebt sie in London. Das Orchester hatte unter anderem die Aufgabe, Märsche zu spielen, wenn die Inhaftierten zur Arbeit getrieben wurden. Die Befreiung des KZ Auschwitz am 27. Januar 1945 bedeutete für Anita noch nicht das Ende der Tortur: Während die Rote Armee näher rückte, verlegten die Nationalsozialisten das Orchester nach Bergen-Belsen in der Nähe von Celle. „In Belsen ist man einfach krepiert“, erinnert sich Lasker-Wallfisch. Am 15. April befreiten britische Soldaten auch dieses Lager.

Jahrzehntelang hat Anita Lasker-Wallfisch es nicht über sich gebracht, Deutsch zu sprechen oder gar nach Deutschland zu reisen. Erst 1994 kam sie wieder in ihre ehemalige Heimat, im Rahmen einer Konzertreise mit ihrem Orchester, dem „English Chamber Orchestra“. Dabei hat sie erfahren, welche Bemühungen es inzwischen gibt, über den Holocaust zu informieren und aufzuklären und dass es dafür dringend Zeitzeugen braucht, die aus eigener Erfahrung berichten können. Seither besucht sie Deutschland regelmäßig zu Vortragsreisen und spricht viel mit Schülern.

Juliane Orth konnte Anita Lasker-Wallfisch treffen und war beeindruckt von dieser Frau, die trotz ihrer 90 Jahre schier unermüdlich Fragen beantwortet und dazu beiträgt, dass die Geschichte nicht vergessen wird.  (hov)

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Rubriklistenbild: © Symbolfoto dpa

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