Wannabes müssen noch Hürden nehmen

Hayner Weiber und viele Isenburger unterstützen den Kinder- und Jugendzirkus beim Umzug

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Hayner Weiber und viele Isenburger unterstützen den Kinder- und Jugendzirkus beim Umzug (Symbolbild)

In der sonnengeschützten, dennoch reichlich heißen Manege üben Clown Kolja und die Jungen und Mädchen um ihn herum das Stapeln der Umzugskisten.

Neu-Isenburg –Die Gesichter mit den roten Nasen richten ausdrucksvoll den Blick auf das wackelnde Konstrukt: Immer wieder fällt einer der Pappkartons hinab, wie konzentriert sie es auch versuchen.

Das Publikum, an diesem Nachmittag sind es die Damen der Hayner Weiber, muss bei diesen lustigen Versuchen lachen. Dass Theaterpädagoge Kolja Kaldun den Nachwuchsclowns im Zirkus Wannabe auf der großen Wiese an der Offenbacher Straße zeigen kann, wie sie sich am besten bewegen, damit es lustig aussieht, ist dem Team aus Dreieich zu verdanken. Die Hayner Weiber haben Zirkus-Chefin Elfi Elliot eine Spende in Höhe von 2400 Euro überbracht. „Die Hälfte des Geldes ist für die Finanzierung des Camps gedacht, die andere Hälfte soll dem Umzug und Wiederaufbau des Vereinsgeländes an der B 46 dienen“, erklärt Dagmar zur Brügge-Vellen bei ihrem Besuch im Sommercamp.

Bei den Weibern steht in diesem Jahr bei der Investition der Spenden aus den Einnahmen der Weiberkerb und des Töpfermarktes im Dreieichenhainer Burggarten alles im Zeichen der Kinder. Und unter den 32 Camp-Besuchern, die noch bis Sonntag, 4. August, mit den Tieren arbeiten, am Trapez Kunststücke einstudieren und Artistik-Einlagen proben, sind auch Dreieicher Kinder. „Wir unterstützen regelmäßig die Dreieichhörnchen, wie haben schon an den Waldkindergarten gespendet und jetzt ist der Zirkus Wannabe dran, weil Elfi Elliott und ihr Team hier so eine hervorragende Arbeit leisten“, so zur Brügge-Vellen. Die Damen schätzen, dass die jungen Artisten, Dompteure und Clowns im Zirkus ihre Kreativität ausleben können und auch lernen, dass Erfolg nur durch Anstrengung und viel Übung zu erreichen ist. „Die Kinder übernehmen Verantwortung für sich und ihr Tun, aber auch für andere Menschen und die Tiere. Diese Form der Erlebnispädagogik ist hier in der Region einzigartig“, bedankt sich Dagmar zur Brügge-Vellen bei Elliot für deren Engagement für den Zirkus.

Die „Finanzministerin“ des Zirkus kann den warmen Geldregen sehr gut gebrauchen, denn das Camp trägt sich über die Beiträge, die die Eltern bezahlen, und auch über den Eintritt der Zuschauer, die zur großen Zirkusshow kommen. „Wegen der großen Hitze waren wir im vergangenen Jahr nicht so gut besucht. Dann wurde es finanziell sehr eng und ich konnte die Trainer kaum bezahlen“, sagt Elliot. Denn der Zirkus Wannabe probt mit Profis, die von Kunst und Artistik leben. „Da ist es sehr schön, dass wir jetzt einen großen Posten schon gesichert bezahlen können. Toll, dass es die Hayner Weiber gibt, die uns so unverhofft freundlich unterstützen“, ist Elliot glücklich.

Wie geht es mit dem Zirkus Wannabe weiter? Die katholische Jugend hatte bei der 72-Stunden-Aktion Ende Mai schon wichtige Vorbereitungen für den Umzug auf das neue Gelände getroffen. Mit vielen Spendenaktionen haben viele Isenburger und Menschen aus der ganzen Region für die Zukunft des Zirkus Geld gesammelt. „Sicher ist, wir müssen bis zum 31. Oktober das Gelände hier an der Offenbacher Straße verlassen“, kündigt Elliot an. Bei der kirchlichen Aktion seien an der B 46 ein Paddock für die Tiere, ein Hasenhotel für die 15 Kaninchen, das Materiallager und 90 Prozent des Außenzauns entstanden. Rund 30 000 Euro sind schon von dem eingesammelten Spenden verbraucht. Jetzt muss noch eine interne Zufahrt auf das Gelände entstehen und ein Stall für die sechs Pferde, zwei Ziegen, zwei Lamas, das Schaf und Schwein Amy gebaut werden. „Es wird knapp mit der Zeit, aber es muss irgendwie zu schaffen sein“, sagt Elfi Elliot.

Sie ist ganz ehrlich: Sie wäre mit dem Zirkus lieber an der Offenbacher Straße geblieben. Das Gelände sei weitläufig und vielfältig nutzbar. Aber auch der neue Standort werde „wunderschön“, ist sie überzeugt. Alles bleibe beim Alten, die Vereinsnachmittage – dienstags und freitags – haben Bestand, Kindergruppen aus den umliegenden Schulen können den Zirkus weiterhin besuchen. „Es wird eben alles eine Nummer kleiner. Wir können dort auch kein Camp mehr mit 40 Kindern machen, der Platz reicht höchstens noch für die Hälfte“, so Elliot. Dann gebe es eben zwei mal zwei Wochen Zirkuscamp, an einem passenden Konzept wird noch gearbeitet.

Leider kann auch das große Zirkuszelt nicht mit umziehen – ebenfalls aus Platzgründen. Ein neues, kleineres Zelt werde aber erst bei einer nächsten Spendenaktion beworben, derzeit gebe es noch wichtigere Kosten zu decken, beispielsweise für den Stall. „Mir graut ein bisschen vor dem Umzug – und vor dem Rückbau hier“, gibt die inzwischen mit ihrem Mann und Wannabe-Gründer Bodhi Elliot in Isenburg lebende Elliot zu. Aber auch das wird das große Team aus Ehrenamtlichen meistern.

VON NICOLE JOST

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