DIGITALE INFOTAFELN Bürger ärgern sich über Service-Verlust / KVG kündigt Reparatur an

Warum Bus-Nutzer schwarz sehen

Komplett abgeschaltet sind derzeit die insgesamt sechs dynamischen Fahrgastinfo-Tafeln am Bahnhof und am Isenburg-Zentrum, wo dieses Bild entstand. Bis Ende Oktober soll aber laut KVG die Reparatur erledigt sein.
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Komplett abgeschaltet sind derzeit die insgesamt sechs dynamischen Fahrgastinfo-Tafeln am Bahnhof und am Isenburg-Zentrum, wo dieses Bild entstand. Bis Ende Oktober soll aber laut KVG die Reparatur erledigt sein.

Neu-Isenburg – Es ist ärgerlich für die Nutzer des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs (ÖPNV): Seit fast einem halben Jahr bleiben die insgesamt sechs dynamischen Fahrgastinformationen am Isenburg-Zentrum und am Bahnhof schwarz. Eigentlich sollten hier die Anschluss-Busse und S-Bahnen in Echtzeit angezeigt werden. Wer also auf dem Weg zur S-Bahn aus dem Bus aussteigt, kann nicht mehr durch einen kurzen Blick erfassen, ob er den Anschluss an die S-Bahn noch schafft.

Leser unserer Zeitung wandten sich mit dieser Beschwerde an die Redaktion, auch bei der Stadt Neu-Isenburg sind schon Anrufe von Bürgern eingegangen, die sich über den Verlust dieses Service beklagten. „Wir als Stadtwerke sind über die Situation ebenfalls sehr unglücklich, da uns häufig Beschwerden erreichen“, lässt Eva Franziska Kressel, Marketingreferentin der Stadtwerke, mitteilen. Sie erklärt auch: „Wir können jedoch keine Verbesserung der Situation herbeiführen, da die Mobilitätstafeln im Zuständigkeitsbereich der Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach (KVG) liegen.“

Rainer Kröger, Leiter für Qualität, Betrieb und Vergabe bei der KVG, bringt Licht in die Angelegenheit. „Das System unserer dynamischen Fahrgastinformationen in Neu-Isenburg ist Teil einer ganzen Strecke von Anlagen, die wir als KVG im Westkreis Offenbach betreiben. Die Tafeln sind seit 2012 in Betrieb und haben zuletzt erhebliche Schwierigkeiten bereitet. Sie haben nicht, unvollständig oder falsch angezeigt und boten weder den Busfahrern noch den Fahrgästen verlässliche Informationen“, erläutert Kröger.

Damit die Kunden des ÖPNV keine falschen oder nicht lesbare Anzeigen bekommen, hat sich das Unternehmen dazu entschlossen, alle Tafeln abzuschalten. Es sind also nicht nur die Kunden in Isenburg betroffen, auch Nutzer des ÖPNV an den Bushaltestellen in Dreieich, Langen, Egelsbach und eine weitere Tafel in Mühlheim sind seit mehreren Monaten vom Strom genommen. „Es gibt Probleme mit Hard- und Software, die Tafeln und ihr technisches Innenleben sind jedem Wetter ausgesetzt und immer wieder wurden sie auch Opfer von Vandalismus“, erläutert Kröger. Den Mast am IZ habe vermutlich ein Fahrzeug angefahren, dort ist aus Sicherheitsgründen inzwischen sogar die ganze Tafel abmontiert. Es sei auch vorgekommen, dass Unbekannte die Tafeln aufgeschraubt haben.

Für die Stadtwerke ist die Lösung, ganz auf die Tafeln zu verzichten, bis sie repariert sind, in Ordnung: „Sie blieben ohnehin schwarz, haben nur noch die Uhrzeit angezeigt und die Uhr ging auch noch vier Minuten vor“, sagt Andreas Ganster, Sachbearbeiter der Stadtwerke und dort zuständig für den ÖPNV.

2012 hat die KVG in das „System mit Basisausstattung“ investiert, teilt Kröger mit. An Dinge wie technischen Support habe man damals nicht gedacht – obwohl klar war, dass die Informationssysteme aufgrund einer Landesförderung bis 2029 im Dienst bleiben müssen.

„Inzwischen ist es so, dass Hard- und Software im Durchschnitt nach drei Jahren schon ausgetauscht werden. Diese Systeme aber sind so speziell, dass wir keinen Techniker vor Ort einfach beauftragen können, sie zu reparieren. Wir sind jetzt im Gespräch über einen Wartungsvertrag mit dem Systemlieferanten“, erklärt der KVG-Bereichsleiter.

Aber es ist ein Ende der dunkel bleibenden Tafeln in Sicht: Die Sanierung der Anlage sei inzwischen vom Aufsichtsratder KVG genehmigt und bereits beauftragt. Eigentlich sollten die Reparaturen schon im September starten. Es gab beim Hersteller aber eine Verzögerung wegen nicht gelieferter Ersatzteile. Kröger hofft, dass die Tafeln bis Ende Oktober wieder funktionieren. Gleichzeitig wird weiter in die Technik der Busse investiert, damit die Datenübertragungparallel zur Daten-Drehscheibe des RMV auch direkt die Anlagen mit Abfahrtzeiten ansteuern können. „Das hat dann den Vorteil, dass die Ankunftszeiten noch genauer übermittelt werden können“, verspricht sich Kröger mehr Zuverlässigkeit. Die Nachrüstungen an den Bussen werden aber voraussichtlich noch bis Mitte 2021 andauern. Darüber hinaus bekommen die Anzeigentafel eigene Schlösser, damit sie nicht mehr aufschraubbar sind und damit hoffentlich weniger Opfer von Vandalismus werden. Bis die dynamischen Fahrgastinformationen wieder funktionieren, empfiehlt Rainer Kröger die RMV-App. Dort können auch alle aktuellen Bus- und Bahnfahrten in Echtzeit abgerufen werden.

Die Kreisverkehrsgesellschaft investiert nicht nur in die Fahrgastinformation, derzeit gebe es auch einige Veränderungen zum Thema Fahrgastsicherheit. Auf einer Buslinie (OF-99 Langen, Dreieich, Dietzenbach, Jügesheim, Seligenstadt) sei eine antivirale, keimtötende Beschichtung in acht Fahrzeugen probeweise im Einsatz. Und auch über das Thema Luftfilterung über UV zur Erhöhung der Hygiene in den Bussen werde derzeit diskutiert. „Wir werden alles tun, um das Vertrauen unserer Kunden in den ÖPNV zu stärken“, sagt Kröger.

Von Nicole Jost

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