Trotz Belastung durch Großbrand

Wassernetz besteht den Stresstest

Neu-Isenburg - Der Großbrand in der Farbenfabrik Dr. Rüger und Günzel in der vergangenen Woche mit einem Millionenschaden beschäftigt die Stadt noch immer. Von Holger Klemm

Dabei war nicht nur der Einsatz der Feuerwehrleute gefordert, der Brand wurde auch zum Stresstest für die Wasserversorgung. Auswirkungen waren auch bei der Straßenbeleuchtung zu spüren. Das Wassernetz mit einer Gesamtlänge von 118 Kilometern und 1100 Hydranten dient nicht nur der Trinkwasser-, sondern an jedem Ort der Stadt einer ausreichenden Löschwasserversorgung. Trotz der extremen Belastung sei es zu keinem Zeitpunkt zu Engpässen gekommen, versichert Stadtwerke-Chef Eberhard Röder. „So etwas kann man nicht proben“, erklärt er. Deshalb werde nun nach dem „Praxis-Test“ geprüft, was vielleicht besser gemacht werden kann.

Röder verweist auf einige interessante Aspekte. So lesen sich die Aufzeichnungen des Wasserwerks in der Siemensstraße wie ein minütliches Protokoll der Löschaktivitäten. Der typische Wasserverbrauch im Oktober zwischen 200 und 300 Kubikmeter pro Stunde sei über den Tag weitgehend konstant gewesen. Üblicherweise wäre der Verbrauch ab 21 Uhr weiter gesunken, um den tiefsten Stand zwischen 3 und 4 Uhr mit etwa 50 Kubikmetern zu erreichen. In dieser Zeit werden die Wasserbehälter langsam auf den Höchststand gefüllt.

Am 21. Oktober stieg dagegen der Verbrauch schlagartig auf rund das Vierfache – bis zur Spitze mit fast 1000 Kubikmetern in der Stunde gegen 23 Uhr. Bis gegen 2 Uhr benötigten die Einsatzkräfte immer noch zwischen 600 und 700 Kubikmeter Wasser pro Stunde. So viel wird laut Röder an einem Sommertag für die sogenannte „Rasensprengerspitze“ benötigt (am 9. Juni waren es zwischen 20 und 21 Uhr 700 Kubikmeter). Während des gesamten Einsatzes wurden etwa 1500 Kubikmeter zusätzlich dem Netz entnommen. Das entspricht mehr als dem zweifachen Inhalt aller Becken im neuen Hallenbad.

Großbrand in zwei Lagerhallen im Industriegebiet

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Sichergestellt wurde die erhöhte Einspeisung durch automatisch anlaufende Einspeisepumpen und die durch den erkennbaren Druckabfall in Betrieb gegangene Feuerlöschpumpe. Die alarmierte Bereitschaft im Wasserwerk hielt durch Nachjustierungen den Normaldruck von etwa fünf Bar aufrecht.

Gleichzeitig nahmen die Stadtwerke zusätzliche Produktionspumpen in den Brunnen in Betrieb, sodass der Wasserstand im Vorratsbehälter praktisch konstant gehalten werden konnte. Selbst ein totaler Stromausfall hätte die Feuerlöschpumpen nicht außer Betrieb gesetzt, da sie vollständig durch Notstrom gesichert seien. Ein Kuriosum am Rand: Wegen des Brandes flackerten teilweise die Straßenlampen. Sensoren, die das Licht steuern, gingen durch die Helligkeit der Feuers davon aus, dass die Nacht bereits vorbei sei.

Hochhausbrand mit mehreren Verletzten

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Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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