Auch im Lockdown weiter geöffnet

Autokino Gravenbruch bietet willkommene Abwechslung

Corona bescherte einem fast vergessenen Freizeitvergnügen in diesem Jahr eine Renaissance: Autokinos waren plötzlich in aller Munde, vor allem auch das Älteste des Landes in Gravenbruch.
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Corona bescherte einem fast vergessenen Freizeitvergnügen in diesem Jahr eine Renaissance: Autokinos waren plötzlich in aller Munde, vor allem auch das Älteste des Landes in Gravenbruch.

Eine Renaissance erlebte das Autokino Gravenbruch in diesem Jahr, weil es während der Lockdowns geöffnet bleiben darf. Und viele nehmen das Angebot gerne an, auch wenn es kaum aktuelle Filme gibt.

Neu-Isenburg – Im März, zu Beginn der Corona-Pandemie, sah es noch nicht danach aus, als könnte 2020 zum Jahr des Autokino-Comebacks avancieren. Im Gegenteil: Dem ältesten Autokino Europas in Gravenbruch verdarb das Virus das lang geplante Jubiläum. Eigentlich wollte Theaterleiter Heiko Desch den Sechzigsten angemessen feiern – das Kino schaffte es mit diesem runden Geburtstag sogar bis in die Tagesschau. Das Jubiläum musste dann trotzdem ausfallen – wegen der Pandemie.

„Es war ein merkwürdiges Jahr“, sagt Heiko Desch. Auch er musste kurzzeitig die Pforten seines Kinos schließen, in dem in „normalen Zeiten“ mehr als 1000 Autos Platz finden und in dem auf zwei Leinwänden (540 und 240 Quadratmeter groß) die die neuesten Blockbuster laufen. Schnell war aber klar: Das Autokino kann mit den Kunden in ihren verschlossenen Autos die Hygiene-Regeln hervorragend einhalten. Das führte nach der Wiedereröffnung zu einem regelrechten Ansturm auf die Plätze vor der Leinwand. „Auch wir hatten natürlich Beschränkungen mit verringerten Autozahlen, haben unsere Snackbar geschlossen und bedienen mit Abstand und Masken direkt an den Autos. Aber wir haben deutlich gespürt, dass die Menschen sehr froh sind, überhaupt etwas machen zu können“, weiß Heiko Desch. Das führt zu einem ansehnlichen Wachstum der Besucherzahlen. „Mit annähernd 150 000 Gästen haben wir eine Marke erreicht, die wir seit Jahren nicht mehr hatten. Sonst liegen wir bei knapp 100 000 Besuchern“, so Desch weiter. „Eine goldene Nase“ habe er sich dennoch nicht verdient, denn die Corona-Bestimmungen seien erheblich personalintensiver als ein normaler Betrieb. Es brauche derzeit 18 Ordner auf dem Platz, die die Autos einweisen und viel zusätzliches Personal, die im Verkauf der Snacks aktiv sind. „Aber ich will nicht jammern, ich bin trotzdem sehr zufrieden mit dem Jahr. Dennoch wünsche ich mir, dass endlich wieder Normalität einkehrt und auch die Kollegen ihre Kinos wieder eröffnen können“, sagt Heiko Desch.

Theaterleiter Heiko Desch blickt im Gespräch auf ein turbulentes Jahr zurück.

Denn die Pandemie habe erhebliche Auswirkungen auf die Filmindustrie, es gab kaum Neuerscheinungen, die größte sei der Action-Thriller „Tenet“ von Christopher Nolan gewesen. Desch muss vielmals also auf alte Filme setzen. Ihm ist dabei wichtig, vor allem die Familien zu unterhalten. Wie groß das Bedürfnis danach ist, etwas zu unternehmen, beweist die Tatsache, dass der Weihnachtsfilm „Eine schöne Bescherung“ im Autokino Gravenbruch ausverkauft war, obwohl er fast zeitgleich im Fernsehen lief. Denn auch im zweiten „harten Lockdown“ darf Heiko Desch sein Kino öffnen, während alle anderen Geschäfte, Kinos und Restaurants zubleiben. „Im Januar wollen wir noch ET zeigen, ein echter Klassiker, der viele Fans hat – das wird im Familienprogramm auch funktionieren“, ist der Theaterleiter überzeugt. Ein Publikumsmagnet ist auch Elyas M’Barek, das habe die hohe Nachfrage für „Nightlife“ in den vergangenen Wochen bewiesen.

Für etliche Feierlichkeiten war das Autokino eine geniale Option, um trotz Corona zusammenzukommen. So bekamen die Abiturjahrgänge von drei Schulen ihre Zeugnisse im Autokino Gravenbruch.

„Wir hatten auch einige Firmenfeiern, die mit Film und Goodie-Bag am Auto gefeiert haben. Das freut mich besonders, das gab es nie zuvor und das Konzept kam sehr gut an und ich habe schon Buchungen für 2021.“ Überhaupt hoffe er, dass er einige Menschen in diesen Monaten als neue Stammkunden gewinnen konnte.

Große Planungen macht Heiko Desch aber nicht. „Das Autokino gab es vor Corona, während Corona und es wird es auch nach Corona noch geben“, weiß er. Das Jubiläum hat er im Kopf. Aber ob er den 61. Geburtstag am 31. März 2021 feiern kann, weiß er nicht. „Es wäre irrational, jetzt eine große Feier in die Wege zu leiten, Wir wissen nicht, was kommt. Aber wenn, möchte ich den Geburtstag richtig groß feiern. Ich brauche dazu Partner - das ist jetzt nicht die richtige Zeit, das anzufangen. Aber es geht bestimmt nicht vergessen“, sichert der Kinobetreiber zu. (Nicole Jost)

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