„Wir haben keine Angst vor Frauen“

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„Die Prinzen“ mit Tobias Künzel (v.r.).

Neu-Isenburg - „Die neuen Männer“ heißt die aktuelle Tour und das neue Album der Band „Die Prinzen“. Zurzeit ist das Septett - A-cappella-Kern plus Bass und Schlagzeug - auf Tour und macht am Mittwoch, 25. März, um 20 Uhr in der Hugenottenhalle Station. Sänger Tobias Künzel unterhielt sich mit unserem Mitarbeiter Enrico Sauda über Frauen, Musik und CD-Verkäufe

Herr Künzel, „Frauen sind die neuen Männer“ heißt der Titelsong Ihres neuen Albums. Haben Sie Angst vor dem schwachen Geschlecht?

Nein, wir haben keine Angst vor Frauen. Sie haben ja auch keine vor uns. Die Zeiten, in denen Frauen Angst vor Männern hatten, sind zum Glück lange vorbei. Aber diese gesellschaftliche Wandlung ist ein Thema, über das derzeit jeder spricht.

Und darum dreht es sich also bei Ihrer Tour un d der CD?

Es geht einfach darum, dass sich die Geschlechterrollen immer mehr vermischen. Davon handelt der Titelsong und das Motiv zieht sich durch die ganze CD. Wenn eine Frau heute Bundeskanzlerin werden will, kann sie das. Und wenn ein Mann Elternzeit nehmen will, kann er das. Beides wäre vor 20 Jahren undenkbar gewesen.

Das scheint ein Trend zu sein. Wie wichtig sind Trends für Sie?

Es gibt ja immer so Sinuskurven. Wenn einer sich Schlaghosen kauft, dann kaufen plötzlich alle welche. Doch es gibt einen Unterschied zwischen Mode-Erscheinungen - Trends - und gesellschaftlichen Entwicklungen: Das Frauenbild ist keine Modeerscheinung. Klar muss man als Popband genau hinschauen, registrieren, was passiert, was grade Mode ist oder was sie bewegt. Danach muss man schauen, ob man sich selbst damit arrangieren kann und sich das rausziehen, was zu einem passt. Die wenigsten Künstler können es sich leisten, mit Scheuklappen durch die Gegend zu laufen.

Und in der Musik?

Künstlerisch ist es so, dass ich in Sachen Popmusik mitkriege, dass in England - ich lebe in London - der Text zweitrangig ist. Es geht erstmal um die Musik. In Deutschland ist der Text wesentlich wichtiger als die Musik. Hier sind es 80 Prozent Text, 20 Prozent Musik. Die Gesamtentwicklung ist natürlich so, dass die Frauen überhaupt im Kommen sind.

Welchen Einfluss haben Frauen auf Ihre Kompositionen?

Die Motivation, Musik zu machen und sich auf die Bühne zu stellen, ist doch, dass man gefallen möchte. Und zwar dem Geschlecht, auf das man orientiert ist. Deshalb schreibt man für die Menschen, und hofft, dass ihnen die Songs gefallen.

Das bedeutet, dass Sie für Frauen schreiben.

Nein, ich versuche Emotionen zu wecken.

Übernehmen in der Musik die Frauen auch immer mehr die Oberhand?

Unsere ersten vier Platten wurden von Annette Humpe produziert, und sie ist nachweislich eine Frau. Wir sind es also gewohnt, dass eine Frau die Hosen an hat und sagt, wo‘s lang geht. Das war auch sehr gut. Es war für uns nie ein Problem, sondern eine gute Sache.

Wie entstehen ihre Songs?

Das ist ganz unterschiedlich. Wir sind schon gemeinsam weggefahren und haben geschrieben. Beim jüngsten Album haben Sebastian (Krumbiegel, d. Red.) und ich die Songs komponiert und sie den anderen und den Produzenten vorgespielt. Die haben dann gemeinsam mit uns überlegt, was aus den Liedern werden könnte, oder ob wir sie lieber vergessen sollten,

Das kommt wirklich vor?

Ja, klar. Wir haben mehr als 60 Songs gehabt. Schließlich waren auch Co-Autoren an der Entstehung beteiligt. Ich schrieb mit Annette Humpe noch ein Lied. Aber am Ende hat das Produzententeam die Richtung vorgegeben. Das Loslassen und das Beachten, womit man Menschen erreicht, das ist das Schwerste.

Was erwartet die Isenburger Fans?

Wir spielen selbstverständlich unsere Hits, aber es gibt auch viele Songs vom neuen Album sowie einige jüngere Werke. Die Hits haben wir übrigens einer Verjüngungskur unterzogen. Sie werden also anders klingen, als die Zuhörer es gewohnt sind. Wir haben eine Grundreihenfolge an Liedern. Aber es gibt innerhalb des Popkonzerts einen A-cappella-Block. In diesem kann alles mögliche passieren.

Sie haben keine Vorgruppe?

Wir hatten mal eine, aber das hat nicht funktioniert. Das Publikum hat höflich zurückhaltend reagiert und wir haben gedacht, dass Vorgruppen in unserem Fall nicht besonders gut sind.

Die rückläufigen CD-Verkaufzahlen strapazieren Musiker und Manager. Viele Gruppen touren, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Wie ist das bei Ihnen?

Die Umsätze sind natürlich prinzipiell zurück gegangen, aber wir können nicht klagen. Wir bringen eine große Band-Geschichte mit und haben immer schon sehr viel live gespielt. Das war immer ein wichtiger Bestandteil der Band. Uns geht‘s schon nach ganz gut.

Für uns Zuhörer haben die geringeren Verkaufszahlen auch Vorteile: Die Bands zeigen sich öfter live. Ist es für sie sehr anstrengend, viel mehr zu spielen?

Nein, eine Band gehört auf die Bühne. Man darf die Leute aber nicht überstrapazieren. Es soll doch etwas Besonderes bleiben, so ein Prinzen-Auftritt.

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