Rohbau auf dem Grundstücksensemble „Grüner Baum“ steht

Wohnen am Hugenottencarré

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Die Gerüchte, der Grüne Baum würde doch noch abgerissen, dürften nun Geschichte sein: Rund um das Traditionshaus, das äußerlich zum Marktplatz hin fast unverändert dasteht, innen aber komplett entkernt wurde, hat sich viel getan. Die Rohbauten für Wohnraum in der Hirtengasse (links im Bild hinter den grauen Containern) sowie im Nollgässchen sind fertig. Nun geht’s mit dem Tiefbau für die Bebauung auf der Freifläche (rechts) weiter. Wie das Ensemble am Ende aussehen wird, zeigt das Transparent.

Neu-Isenburg - Gut ein Jahr nach dem Startschuss der Bau-Operation am Herzen des Alten Orts ist der Rohbau auf dem Grundstücksensemble „Grünen Baum“ fertig. Erfreulich: Der Investor ist sich so gut wie einig mit einer Pächterin für den traditionsreichen Gastronomiebetrieb. Von Barbara Hoven

Auf dem benachbarten, schon seit dem Krieg freien Grundstück „Marktplatz 3“ beginnen nun die Tiefbauarbeiten; auch dort kommt bekanntlich Wohnbebauung hin. Es ist zwar derzeit nicht die größte Baustelle. Aber wohl eine derjenigen, die das größte Interesse auf sich ziehen: Seit vor einem Jahr die Bagger anrückten und die BGV GmbH, eine Investorengesellschaft aus Eschborn, damit begann, den traditionsreichen Grünen Baum zu sanieren und drumherum neuen Wohnraum hochzuziehen, hat sich viel getan. Das Areal zwischen Hirtengasse und Nollgässchen hat sein Gesicht bereits grundlegend verändert. Mittlerweile steht der Rohbau für das Bauvorhaben „Grüner Baum“, die Vermarktung für den Wohnraum auf dem Areal, dem der neue Eigentümer den klangvollen Namen „Hugenottencarré“ verpasst hat, hat jüngst begonnen. Noch Ende dieses Jahres, so berichtet es Investor und Projektsteuerer Sasa Gnjatovic gestern, soll dieser erste Teil des neuen Ensemble im Alten Ort fertig sein.

Im ersten Quartal 2019 soll dann auch die seit mehr als fünf Jahren geschlossene Traditionsgaststätte zu neuem Leben erwachen. Das jedenfalls kündigt Gnjatovic gestern in der Magistratspressekonferenz an. „Die gute Nachricht nicht nur für alle alteingesessenen Isenburger ist, dass das Hauptgebäude mit seiner charakteristischen Fassade zum Marktplatz erhalten und renoviert wird und dass eine Pächterin für den traditionsreichen Gastronomiebetrieb Zum Grünen Baum gefunden wurde“, ist im Rathaus zu erfahren. „Die Vertragsverhandlungen stehen kurz vor dem Abschluss“, sagt Gnjatovic. Es handele sich um eine erfahrene Neu-Isenburger Gastronomin; deren Namen er noch nicht nennt. „Das werden wir dann zu gegebener Zeit vorstellen.“

Der Turm der Marktplatzkirche lugt zwischen den Bauzäunen und Gerüsten hervor: Blick vom Nollgässchen aus in Richtung Marktplatz, rechts wird an den Rohbauten gearbeitet.

Entsprechend gut gelaunt ist gestern Bürgermeister Herbert Hunkel – und zwar nicht nur, weil das Stadtoberhaupt da seinen 73. Geburtstag feiert. Denn die Botschaft von der Zukunft für den Grünen Baum, die der gesunde Menschenverstand als Selbstverständlichkeit werten will, muss gerade mit Blick auf jüngst zu beobachtende Entwicklungen rund um ein anderes Traditionshaus als Glücksfall verkauft werden: Ähnlich wie das Deutsche Haus in der Bahnhofstraße, dessen Abriss derzeit läuft, steht nämlich der Grüne Baum nicht unter Denkmalschutz.

Und schon mehrere Male hatte es Bestrebungen von vorherigen Eigentümern gegeben, die Traditionsimmobilie im Alten Ort platt zu machen. Immer wieder mal war über die Jahre ein Abriss im Gespräch gewesen – der vor rund 15 Jahren sogar mal mit Protesten einer Bürgerinitiative verhindert worden war. Als dann mit dem Baubeginn 2017 die immer riesiger werdende Baulücke im Alten Ort klaffte, da hatten viele Isenburger die Sorge, der eigentliche Grüne Baum werde doch noch fallen – das Haus, oder mindestens der namensgebende Baum.

Insofern ist Hunkel, wie viele Isenburger, heilfroh, dass es anders gekommen ist und mit Gnjatovic ein Käufer kam, der vom Thema Abriss abließ. „Dass wir den Bestand nun erhalten können und jetzt sogar eine bekannte Pächterin das Haus übernimmt, ist vor allem auch der Verdienst von Sasa Gnjatovic“, betont Hunkel. Der Projektsteuerer sei während der gesamten Phase immer gesprächsbereit geblieben „und hat mit seinen guten Ideen dazu beigetragen, dass sich der Neubau nun harmonisch einfügt“. Hunkel ergänzt noch, es sei ihm immer „ein Herzensanliegen“ gewesen, diese Traditionsgaststätte zu erhalten. Auch draußen soll man dann künftig wieder sitzen und essen können: Für den Außenbetrieb der Gaststätte soll ein kleiner Innenhof angelegt werden – wie eh und je überschattet von dem großen Baum, der die Bauarbeiten laut Stadt „gut geschützt überstanden hat“.

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Die Hülle des Gasthauses sieht fast unverändert aus, drinnen wurde aber laut Gnjatovic alles entkernt und soll dann auf insgesamt drei Etagen wieder auch Raum für Feiern bieten. Was den Pächter betrifft, so habe man lange und gründlich gesucht und viele Gespräche über ein tragfähiges Konzept geführt – schließlich gehe es darum, das schmucke Lokal endlich wieder mit Leben zu füllen.

Die Vermarktung für die sich anschließende Wohnbebauung hat begonnen. „Auch wenn die Fenster und Türen noch nicht gesetzt sind, lässt sich doch schon jetzt erkennen, dass der Charakter des Alten Ortes gelungen aufgegriffen wurde und modern interpretiert wird“, findet Hunkel. Insgesamt entstehen zwei Stadthäuser (zwei Wohneinheiten) im Nollgässchen sowie ein Wohnhaus mit sechs Wohneinheiten in der Hirtengasse 5. Um die erforderlichen Stellplätze zu schaffen, wurde eine Tiefgarage gebaut. Dort sollen dann auch die künftigen Bewohner des Areals „Marktplatzes 3“ parken. Dort, auf „der letzten Kriegslücke“ (Hunkel), entstehen vom selben Planungsbüro noch einmal drei Wohnungen. Die Tiefbauarbeiten sind angelaufen. Dies sei erst nach Abschluss der Arbeiten im Nollgässchen und der Hirtengasse möglich gewesen – denn auf der bislang freien Fläche stand der Kran, der für die Bauarbeiten in der ersten Bauphase nötig war. Jene erwies sich teils als knifflig, „baggergroßes Gestein, extrem felsig“ fand sich im Untergrund.

Mitte nächsten Jahres soll dann auch der zweite Teil des Bauprojekts vollzogen sein. Wer das schicke Exposé fürs Hugenottencarré durchblättert, dem wird schnell klar, dass eine Eigentumswohnung dort nichts für den schmalen Geldbeutel sein wird. „Wir befinden uns im hochpreisigen Segment“, sagt Gnjatovic. Um die 5000 Euro koste der Quadratmeter.

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