Symbol der Zusammengehörigkeit

Ein eigenes Wappen für Gravenbruch 

+
Die Optik des Kernstadt-Wappens kennen die meisten Bürger, groß im Stadtbild zu sehen ist es unter anderem am Rathaus und am Alten Stadthaus.

Neu-Isenburg - Im Mittelalter halfen Wappen Rittern im Kampf, Freund und Feind zu unterscheiden. Seit Jahrhunderten dienen sie Städten als Erkennungszeichen. Heute kleben sie oft als Sticker auf Autos – damit der Hintermann weiß, woher der Fahrer kommt. Von Barbara Hoven 

Auch das Wappen der ehemals eigenständigen Gemeinde Zeppelinheim ist eingängig. 

Die FDP wünscht sich, dass auch der Stadtteil Gravenbruch unter einem eigenen Wappen vereint sein soll. Das stärke den Zusammenhalt. Das Isenburger Stadtwappen können wohl die meisten Bürger beschreiben, es taucht ja auch vielerorts im Stadtbild auf. Und auch der Stadtteil Zeppelinheim – da ehemals eigenständige Gemeinde – hat ein eigenes Wappen: Die blaue Weltkugel, über die ein silbernes Zeppelin-Luftschiff fliegt, spricht für sich. Mit einem Antrag setzt sich die FDP im Ortsbeirat Gravenbruch nun dafür ein, dass auch der zweite Isenburger Stadtteil sein eigenes Wappen bekommen soll. Auch einen Vorschlag, wie es aussehen könnte, liefern die Liberalen gleich mit. Der Entwurf stammt aus der Feder von Alexander Jungmann.

Denn der Stadtteil Gravenbruch, so heißt es in der Antragsbegründung, habe „zweifelsohne eine eigene Identität“. Diese sei nicht nur geografisch durch die Entfernung zur Kernstadt, sondern auch aus der Geschichte heraus begründet. „Versäumt wurde jedoch bei Errichtung der Wohnstadt im Walde, der Ansiedlung ein identitätsstiftendes Wappen zu verleihen“, so die FDP. Ein solches „würde den Zusammenhalt im Stadtteil und die Identifikation mit Gravenbruch stärken, einen Verweis auf seine viel ältere Geschichte geben und zudem die Gleichstellung mit dem Stadtteil Zeppelinheim herstellen, der seit seiner Gründung über ein Wappen verfügt“, führt Bettina Löw für die FDP im Ortsbeirat aus.

Auf die Frage, wie er auf die Idee gekommen sei, ein eigenes Wappen für Gravenbruch zu entwerfen, erzählt Jungmann, den Anstoß habe Luka Sinderwald, Geschäftsführer der Neu-Isenburger FDP-Fraktion und Regionalvorsitzender der Junge Liberalen (JuLis), gegeben.

Fundierte Diskussionsgrundlage: Diesen Vorschlag für ein Stadtteil-Wappen hat Alexander Jungmann erarbeitet.

Sinderwald sei während der einen oder anderen Sitzung im Plenarsaal des Rathauses aufgefallen, dass dort vorne im Saal die Wappen unter anderem der Partnerstädte, der Kernstadt und dasjenige von Zeppelinheim abgebildet sind. „Aber ein Platz ist da noch frei, Gravenbruch fehlt“, hat auch Jungmann beobachtet. Und da er sich nicht nur mit Fotografie und Grafikdesign auskennt, sondern auch im elterlichen Betrieb, in dem Fahnen hergestellt werden, mit der Thematik im weiteren Sinne schon Erfahrungen sammeln konnte, habe er einen Vorschlag erarbeitet.

Die Blasonierung, also die Beschreibung des Wappens in seinen Feinheiten, lautet für das von Jungmann entworfene Gravenbruch-Wappen wie folgt: „Vorn (oben links) das Wappen Sebastians von Heusenstamm (geboren 16. März 1508 in Frankfurt; gestorben 18. März 1555 in Eltville), der als Junker Sebastian von Heusenstamm wahrscheinlich vor 1545 im Creyen Bruch einen befestigten Hof anlegen ließ, war Kurfürst und Erzbischof von Mainz sowie Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches; dahinter das Wappen der Grafen von Schönborn, die 1661 Eigentümer des Hofes und der darum liegenden Ländereien wurden und den Besitz bis in die Neuzeit hielten; darunter die umgekehrte Reihenfolge an Wappen.“

Nun darf man also gespannt sein, wie Antrag und Entwurf im Ortsbeirat ankommen, wenn das Gremium sich nach der Sommerpause damit befasst.

Kennen Sie die Wappen aus der Region?

Im Rathaus jedenfalls scheint das Thema auf offene Ohren zu stoßen. „Insgesamt nach meiner Meinung eine gute Idee“, kommentiert Bürgermeister Herbert Hunkel gestern auf Anfrage. Die Gemeinden, so erklärt der Rathauschef, seien nach § 14 der Hessischen Gemeindeordnung frei, neue Wappen anzunehmen oder diese zu ändern. „Wir müssten mit dem Land Hessen klären, ob diese Regelung auch für Stadtteile sinngemäß angewendet werden kann.“ Grundsätzlich findet Hunkel ein Wappen für Gravenbruch „eine gute Idee, die zur Identität fördernd beitragen kann“. Natürlich müsse sich auch der Ortsbeirat mit dem Thema beschäftigen, „und man sollte auch die Gravenbrucher Bürger einbinden“, findet Hunkel. Und ergänzt: „Vorausgesetzt, das Land Hessen macht mit.“

Ein Gravenbrucher Wappen müsste aus Sicht des Bürgermeisters „heraldisch in Ordnung sein, das Hessische Staatsarchiv könnte hier unterstützend mitwirken“. Es müsse auch daran gedacht werden, „dass das Haus der Grafen Schönborn einzubinden ist, weil Gravenbruch seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts den Grafen von Schönborn gehörte“.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.