Spende statt Eintrittsgeld

Preisaktion in Städtischen Museen: Zahle, so viel du willst

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Die Frankfurter Würstchen-Abteilung gilt als Prunkstück im Stadtmuseum: Die 1000 Dosen mit Bildern historischer Etiketten der Firmen Wirth, Müller und Luft sind Reproduktionen, verfehlen aber ihre Wirkung nicht. Zusammen erinnern sie an ein Kunstwerk von Andy Warhol.

Neu-Isenburg - Mehr Besucher in die beiden Isenburger Museen locken – das ist das Ziel einer zunächst auf ein Jahr angelegten Preisaktion: Statt eines festen Eintrittsgeldes sollen die Besucher nur so viel zahlen, wie sie wollen. Pay-what-you-want nennt sich das Prinzip. Von Barbara Hoven 

Zahle so viel Eintritt, wie du willst; im Zweifel also sogar nichts. Testläufe im vergangenen Jahr seien bereits erfolgreich verlaufen, berichtet das Kulturbüro. Das Zeppelinmuseum gilt als viel beachtetes Spezialmuseum zur Geschichte der Luftschifffahrt, das Haus zum Löwen ist vor einigen Jahren als Stadtmuseum ganz neu konzipiert worden. Beide Häuser sollen noch mehr ins Bewusstsein der Besucher rücken – mit diversen Angeboten, aber auch mit dem „Zahle was du willst“-Projekt. In Deutschland sei so etwas zwar noch nicht so verbreitet, in englischen und skandinavischen Museen liefen solche Preisaktionen aber erfolgreich, sagt Museumsleiter Christian Kunz. „Wir wollen das jetzt für ein Jahr testen.“

Erste Versuche habe es bereits gegeben, statt Eintritt habe man da mit einem Spendenbembel gearbeitet. Kunz: „Da gab es schon gute Erfolge, die Einnahmen stiegen teils um 25 Prozent.“ Auch der Verkauf im Museumsshop sei an solchen Aktionstagen erfolgreicher gewesen. Bisher haben Erwachsene zwei Euro gezahlt; mit Ermäßigung einen Euro. Schulklassen dürfen sich die Häuser und ihre Exponate und Ausstellungen ohnehin kostenlos ansehen. Der ehrenamtliche Kulturdezernent Theo Wershoven (CDU) hat keine Sorge vor gravierenden Folgen, falls die Zahlungsmoral der Besucher im Probejahr zu wünschen übrig lassen sollte. Die Einnahmen durch Eintritte hätten 2016 bei rund 4 000 Euro gelegen, berichtet Wershoven beim Jahrespressegespräch des städtischen Fachbereichs Sport und Kultur.

Im Dachgeschoss dreht sich alles um den Weltraum, Kinder können zum Beispiel ein Hörspiel über Thomas Reiter anhören. An der Wand prangt ein Zitat des Isenburger Astronauten: „Aus dem All erkennt man keine Ländergrenzen. Da gibt es nur eine Erde, und die ist ungeteilt.“

Zahlreiche Beispiele aus dem In- und Ausland zeigten, dass bei einer solchen Aktion kein kommunales Geld verschwendet werde, berichtet das Kulturbüro. Kostenloser Eintritt lasse die Besucherzahlen steigen – „etwa im Museum Folkwang in Essen gab es eine 200-Prozent-Steigerung, in der Nikolaikirche Berlin gar eine 500-Prozent-Steigerung“. In Schweden habe eine solche Aktion im Jahr 2005 in allen staatlichen Museen im Schnitt 50 Prozent Steigerung gebracht. „Zusätzliche Kosten fallen pro Besucher nicht an, jeder Besucher trägt – sei es durch die Spende beim Verlassen des Museums, einem Einkauf im Museumsshop oder von Getränken – zur Finanzierung des Museumsangebots bei“, so das Kulturbüro. In anderen Bereichen wie der Musikindustrie werde das „Zahle was du willst“-Modell mit Umsatzsteigerungen von 30 bis 100 Prozent erfolgreich eingesetzt.

Doch wieso zahlen Kunden freiwillig, wenn sie etwas gratis haben können? Ju-Young Kim, Wirtschaftswissenschaftlerin an der Goethe-Universität in Frankfurt, und ihre Kollegen fanden laut Kulturbüro in einer Studie heraus, dass bei freier Preiswahl die Normen des sozialen, nicht des ökonomischen Tausches greifen: „Fairness und Gerechtigkeit spielen eine wichtige Rolle.“ Wer sehr wenig oder gar nicht zahle, verletze soziale Tauschnormen – mit negativen Folgen wie einem schlechten Gewissen.

Bilder: „GenussWerk“-Premiere im Regio-Museum

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