Historie – in Stein gemeißelt

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Steinmetz Alex Kaufmann zeigt in seiner Werkstatt den Meilenstein

Neu-Isenburg - Die Aufschrift war völlig verwittert, und all die Jahre lang zierte ein falsches Wappen den imposanten alten Meilenstein. „Das war auf keinen Fall das Original-Wappen von Zeppelinheim, denn der Zeppelin hing unter der Weltkugel“, erzählt Alex Kaufmann.

Gut also, wenn man einen Steinmetz- und Steinbildhauermeister wie ihn im Ort hat. Kaufmann und seine Leute haben die 150 Zentimeter hohe Sandstein-Säule, die viele Jahre lang vor Zeppelinheim an der Ostseite der B44 stand und davon kündete, dass es von dort noch neun Kilometer bis Frankfurt sind, aufgearbeitet. Dabei haben sie aus dem falschen Wappen auch ein richtiges gemacht, „mit der Farbgebung in Blau und Gelb und in Stein gemeißelt, für immer und ewig“, sagt Kaufmann. Vorher seien Wappen und Schrift nur aufgemalt gewesen, und längst kaum noch erkennbar.

Den Auftrag, sich um den 400 Kilo schweren Straßenstein zu kümmern, hatte Kaufmann von der Stadt erhalten. Denn nicht nur mit Vorträgen, Festen und einer Ausstellung wird in diesem Jahr an den 31. Dezember 1937 erinnert, an dem Zeppelinheim offiziell zur selbstständigen Siedlung wurde; auch der Meilenstein profitiert von den Feierlichkeiten zu 75 Jahren Zeppelinheim.

Drei Wochen an dem Stein gearbeitet

Drei Wochen lang haben Kaufmann und seine Leute in der Werkstatt, die direkt neben dem Eingang zum Friedhof an der Friedhofstraße liegt, „in mehreren Etappen“ an dem Stein gearbeitet. Und wäre nicht die eisige Ausnahme-Witterung in die Quere gekommen, würde der Stein inzwischen schon wieder an seinem alten Platz auf einem gewaltigen runden Sockel stehen. So schnell wie möglich wolle man ihn aber wieder aufstellen, sagt der Steinmetzmeister.

Der markante, weiß grundierte Straßenstein taucht in der Denkmaltopographie des Kreises Offenbach als Kulturdenkmal auf. Er wird dort als großherzoglicher-hessischer Meilenstein geführt, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufgestellt worden sein soll. Vermutlich wurde er im Zuge des Chausseebaus 1868/70 aufgestellt, Bauherr könnte dann der Fürst zu Ysenburg gewesen sein. Unter dem Ortswappen gaben aufgemalte Pfeile die Richtung an sowie Zeitangaben – als Wegestunden für reitende Boten. Die Aufschrift „Zeppelinheim“ muss aber jünger sein; zumal der Ort ja erst in den 1930er Jahren entstand (siehe dazu: Sonderheft „Dreieich“ der Hessischen Heimat 1977 „Meilenstein in der Dreieich“ von Karl Bauemerth).

Zwei Grenzsteine historisch belegt

Historisch belegt, so zitiert die Stadt Archivarin Claudia Lack, sind in der Gemarkung Mitteldick allerdings zwei Grenzsteine, der sogenannte Kaiserstein und der Vierherrentischstein, der den südlichsten Punkt des Frankfurter Stadtwalds zum Isenburg-Kelsterbachischen Waldgebiet markiert. Unstrittig ist die Geschichte des Kaisersteins, der zur Erinnerung an die kaiserliche Jagd Karls VII. gesetzt wurde und dessen geglückten Schuss am 30. Juni 1742 auf einen Sechzehnender dokumentiert. Die Bedeutung des vierkantig ausgeführten Vierherrentisch-steins, der auf der einen Seite den Frankfurter Adler zeigt und auf den anderen leere Flächen hat, wird indes unter Fachleuten diskutiert. Eine gängige Interpretation besagt, dass sich an dieser Stelle früher die Vertreter von Mainz (Mönchhof und Gundhof), Hessen (Amt Rüsselsheim), Isenburg (Amt Kelsterbach) und Frankfurt (Stadtwald) zu einem gemeinsamen Mahl anlässlich ihrer großen Grenzbegehungen trafen. Nachdem Hessen im Jahre 1600 den Isenburg-Kelsterbachischen Teil erworben hatte, trafen sich hier nur mehr die Vertreter dreier Herren. Von dieser Zeit an wurde die Bezeichnung Dreiherrnstein gebräuchlich. Sowohl der Vierherrentischstein als auch der Kaiserstein, die beide auf der Strecke des 1975 vom Forstamt der Stadt Frankfurt angelegten Waldlehrpfades zu finden sind, wurden durch originalgetreue Replikate ersetzt. Während der Kaiserstein wohl bereits nach 1945 in die USA gebracht wurde, ist der Verbleib des originalen Vierherrentischsteines unbekannt.

Überhaupt finden sich in den Wäldern rund um Isenburg zahlreiche Zeugnisse der Vergangenheit: Von Hügelgräbern aus Bronze- und Eisenzeit über Grenzsteine bis zum mittelalterlichen Sühnekreuz.  hov

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