Anwohner mit ins Boot holen

Zoom-Konferenz zur Gestaltung des Neu-Isenburger Marktplatzes

So sieht der Vorschlag von Werner Stahl zur Gestaltung des Marktplatzes aus.
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So sieht der Vorschlag von Werner Stahl zur Gestaltung des Marktplatzes aus.

Bei einer Zoom-Konferenz der AG Alter Ort in Neu-Isenburg ging es um das Verkehrskonzept und Vorschläge zur Gestaltung des Marktplatzes.

Neu-Isenburg – Für den Alten Ort von Neu-Isenburg gibt es schon seit vielen Jahren neue Gestaltungsideen. „Endlich diskutieren wir dank des Förderprogramms Stadtumbau konkrete Veränderungen. Das Programm birgt für uns die große Chance, etwas für die Lebensqualität in unserem Ort zu tun“, freut sich Bürgermeister Herbert Hunkel. In einer Zoom-Konferenz diskutieren neben dem Rathauschef Planungsfachleute, Rathaus-Mitarbeiter, Mitglieder des Stadtparlaments sowie engagierte Bürger und Anwohner aus dem Umfeld des Marktplatzes über die Zukunft der alten Ortsmitte.

Kernthema ist zunächst die Verkehrssituation der durch viele parkende Autos sehr belasteten Altstadtgassen.

Bauingenieurin Katalin Saary hat mit ihrem Büro für Mobilitätslösungen mögliche Szenarien erarbeitet. Schon bei der Beratung des Gutachtens im Magistrat wurde schnell klar, dass die derzeitige Verkehrsführung die praktikabelste Lösung darstellt. Alle anderen Varianten beinhalten zu große Konfliktpunkte an den Ein- und Ausfahrten. Diese Auffassung vertritt auch die Bürgerinitiative Alter Ort, berichtet Bürgermeister Herbert Hunkel. Zu überlegen seien Möglichkeiten, den Marktplatz weitgehend vom Verkehr freizuhalten. Eine komplett autofreie Altstadt oder unterschiedliche Einbahnstraßenlösungen wurden als nicht praktikabel bezeichnet. Saary setzt in ihrem Entwurf auf eine verkehrsberuhigte Zone mit gleichberechtigter Nutzung aller Verkehrsteilnehmer. Momentan sei die nicht gegeben – angesichts kleiner Fußpfade entlang der Häuser mit Parkplätzen und der direkt anliegenden Fahrbahn.

Die Stärken des Alten Ortes sieht Saary in dem zentralen Marktplatz mit seiner grünen Aufenthaltsqualität. Die Bauingenieurin zeigt in ihrem Entwurf eine Auflösung der strengen Separierung der Altstadtgassen: „Wir sollten die Parkplätze in den Gassen versetzt anordnen, um so Raum für kleine Plätze zu schaffen. Damit gewinnen wir mehr gemeinsame Fläche, die später gleichberechtigt den Fußgängern, den Radfahrern und den Autofahrern zur Verfügung steht“, schlägt die Bauingenieurin vor. Mit der Neugestaltung können Oberflächen barrierearm gestaltet und die Linearität der Gassen aufgehoben werden und es bleibt Raum für mehr Grün und Aufenthaltsqualität.

Erwartungsgemäß gibt es Kritik an dem Verlust von Parkplätzen. Etliche Anwohner hätten keine Möglichkeit, ihr Auto auf privaten Flächen abzustellen, so die Begründung. Claudia Metzner, Leiterin des Stadtplanungsamtes, erläutert in diesem Zusammenhang die beauftragte stadtweite Parkraumuntersuchung. Katalin Saary stellt klar, dass alternative Konzepte wie Carsharing oder das Parken außerhalb des Alten Ortes in Betracht gezogen werden sollten. Für den Marktplatz schlägt die Fachfrau eine ebenerdige, barrierefreie Gestaltung vor, die eine vielfältige Nutzung ermöglicht.

Bürgermeister Herbert Hunkel lobt die Pläne, die auch bei der Präsentation im Magistrat gut angekommen seien. Letztlich, so der Rathauschef, sei es aber zu diesem Zeitpunkt wichtig, die Anwohner mit ins Boot zu holen. Sobald es wieder möglich ist, solle es Werkstattgespräche zur Gestaltung geben, bei denen die Nachbarn ihre Ideen einbringen können. Claudia Metzner ergänzt, dass die Neufassung der Gestaltungssatzung für den Alten Ort neue Möglichkeit biete. Für die Hauseigentümer sei es die Chance, mit Anreizprogrammen finanzielle Unterstützung für neue Fassaden und Grünflächen zu bekommen.

Das zweite große Thema in der Online-Sitzung war die Präsentation zweier Entwürfe für die Gestaltung des Marktplatzes. Zum einen gibt es das Brunnen-Modell von Werner Stahl (Verein Pour L’Yseboursch), der in der Mitte eine Brunnen- und Sitzkonstruktion vorsieht, die die Umrisse des ehemaligen Hugenotten-Rathauses aufnimmt, das einst an dieser Stelle gestanden hat. Im Brunneninneren glänzt das Hugenottenrathaus als Bronze- oder Kupfer-Modell. Die mögliche Nutzung als Klassenzimmer, Konzertort und Begegnungspunkt für viele Anlässe, mit Platz für ansässige Gastronomie, kommt bei den Teilnehmern gut an.

Der zweite Entwurf, von der Stadt bei Steinmetz Alex Kaufmann in Auftrag gegeben, ist ein kleinerer Brunnen aus Sandstein mit den Wappen und Namen der Gründerväter und mit den alten Straßennamen beschriftet. Dieser Entwurf gibt dem Marktplatz für die verschiedenen Nutzungen mehr Raum.

Herbert Hunkel, Stadtplanerin Brigitte Holz und Bauingenieurin Katalin Saary sind sich einig: Der Marktplatz hat als besonderer Ort der Identifikation mehr Aufmerksamkeit verdient. Aber: Bevor aber in die Details der Platzgestaltung eingestiegen wird, sollte die komplette Planung für die Nutzungen und die verkehrlichen Belange stehen.

Von Nicole Jost

Der von der Stadt vorgeschlagene Brunnen könnte auf dem Marktplatz bei Altstadtfesten genügend Platz zum Feiern bieten. l

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