ALTER ORT Gewobau und Stiftung starten Bauprojekt für Menschen mit erhöhtem Hilfebedarf

Zusammenarbeit schafft Lebensräume

Gewobau-Geschäftsführer Stephan Burbach (links) und Christoph Wutz, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Lebensräume, haben das Bauprojekt gestern vorgestellt.
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Gewobau-Geschäftsführer Stephan Burbach (links) und Christoph Wutz, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Lebensräume, haben das Bauprojekt gestern vorgestellt.

Neu-Isenburg – Angststörung, Depression, Schizophrenie: Die Liste psychischer Erkrankungen ist lang, die Ursachen sind vielfältig. Wer unter einer psychischen Beeinträchtigung leidet, muss damit heutzutage aber nicht mehr alleine fertig werden. Es gibt Helfer – wie die Stiftung Lebensräume, die bereits seit 1997 in Neu-Isenburg in der Löwengasse präsent ist.

Schon seit vielen Jahren betreibt die Stiftung im Alten Ort – im Gebäude des ehemaligen Hotel Kochendörfer – und in einem angrenzenden Wohnhaus für Menschen mit erhöhtem Hilfebedarf Wohnheimplätze. Im ambulanten Dienst kann betreutes Einzelwohnen in Anspruch genommen werden. Ebenfalls ist dort die Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle für die Bürger im gesamten Westkreis Offenbach untergebracht. Ein Team aus Sozialarbeitern, Pflegefachkräften sowie Pädagogen unterstützt in den Bereichen Beschäftigung, Wohnen und Freizeitgestaltung.

„Um dieses wichtige Angebot nachhaltig zu sichern“, wie es Bürgermeister Herbert Hunkel gestern formuliert, haben sich die Stadt, die Stiftung Lebensräume und die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewobau auf ein gemeinsames Bauvorhaben geeinigt: Weil das Haus im Luftgässchen 7 arg in die Jahre gekommen ist, wird es bald abgerissen und durch ein neues Wohnhaus ersetzt. Acht Menschen mit erhöhtem Hilfebedarf soll es künftig in vier Wohngemeinschaften eine Heimat geben.

Für dieses Kooperationsprojekt hat die Stiftung ihr Grundstück im Luftgässchen 7 an die Gewobau verkauft. Im Gegenzug errichtet die Wohnungsbaugesellschaft auf dem Grundstück einen Neubau mit circa 280 Quadratmetern Wohnfläche, den die Stiftung über einen Zeitraum von mindestens 20 Jahren angemietet hat. Der Mietvertrag ist ebenfalls bereits abgeschlossen worden.

Nach den Richtlinien des Sozialamts des Kreises Offenbach darf die Stiftung 528,24 Euro je Person monatlich für die sogenannten Kosten der Unterkunft (Nettokaltmiete und Nebenkosten) aufwenden. Dies sind bei einer Belegung mit acht Personen und einer zugrunde gelegten Vollbelegung ganzjährig maximal zirka 51 000 Euro jährliche Miete. Da dieser Betrag zur Deckung der Kosten der Unterkunft und des Betriebs nicht ausreichen werden, hat sich die Stadt verpflichtet, Fehlbeträge bis maximal 26 500 Euro jährlich auszugleichen. Im Gegenzug erhält die Stadt die Belegungsrechte für die Wohnheimplätze.

„Wir freuen uns über diese Lösung für Neu-Isenburg. In Abstimmung mit der Stiftung Lebenshilfe hat die Stadt das Belegungsrecht. Die acht Wohnplätze werden bevorzugt mit Bürgern aus Neu-Isenburg belegt, die Stadt bekommt dafür ein Vorschlagsrecht eingeräumt“, fasst Hunkel die Vorteile des städtischen Engagements zusammen.

Die Übergabe des Grundstücks an die Gewobau soll Mitte Januar 2021 erfolgen. Gleich darauf, also vermutlich noch Ende Januar, werde mit dem Abriss des alten Hauses begonnen, erläutert Gewobau-Geschäftsführer Stephan Burbach. Baubeginn fürs neue Wohnhaus sei dann voraussichtlich im Frühjahr 2021. Bis zum Sommer 2022 soll der Neubau bezugsfertig sein. Die geschätzten Projektkosten liegen laut Magistrat bei rund 2,1 Millionen Euro.  hov

Planer-Blick in die Zukunft: Dieses Haus in der engen Gasse im Alten Ort zu bauen, dürfte eine ähnlich große Herausforderung werden wie beim Grünen Baum. grafik: p

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