Drogen und Waffen im Schlafzimmer

Zwei Neu-Isenburger Dealer müssen in den Knast

In einem Betäubungsmittelprozess wurden am Landgericht Darmstadt zwei Neu-Isenburger zu sechseinhalb- und zweieinhalbjährigen Haftstrafen verurteilt. Eine dritte Angeklagte, die Ex-Freundin einer der Beiden, kam wegen Beihilfe schonender davon. Sie muss „nur“ 7500 Euro Geldstrafe zahlen. Die 15. Strafkammer folgt damit weitestgehend den Forderungen der Staatsanwaltschaft.

Neu-Isenburg/Darmstadt - Eine ganze Weile hatten die Drogenfahnder der Frankfurter Polizei schon eine Tätergruppierung auf dem Schirm, denen ein „gewisser Chinese“ angehören sollte. Nach Telefonüberwachung und Observation nehmen die Beamten am 2. November 2016 zwei Wohnungen in Isenburg unter die Lupe – Volltreffer. Im Zuhause des 36-jährigen Angeklagten und seiner 27-jährigen Freundin finden sich 28 Gramm Kokain, gut ein Kilo Amphetamin und 33 Gramm Ecstasy in diversen Kühlschränken und Behältnissen, außerdem 112 Gramm Haschisch und 215 Gramm Gras, die Ernte einer elfköpfigen Hanfplantage im Schlafzimmer. In einem Schuhkarton und einer Umhängetasche insgesamt 2500 Euro Bargeld. Auf und unter den Sofakissen zwei Schreckschusspistolen, ein Teleskopschlagstock, eine Machete. In der Glasvitrine zwei Schlagringe, ein Butterfly- und ein Einhandmesser. Und Utensilien zum Verkauf und Konsum der Drogen.

Im Wohnzimmer des 41-Jährigen, der wegen seines asiatischen Einschlags „Chinese“ genannt wird (tatsächlich hat er eine koreanische Mutter), findet sich ebenfalls Gras – fast 400 Gramm und zur Hälfte frisch geerntet aus einer Plantage im Keller. 14 Gramm Haschisch, 49 Gramm Kokain, Schlagstock, Pfefferspray und Feinwaage im Schlafzimmer.

Außerdem wird er am 17. August 2018 in Frankfurt mit knapp zehn Gramm Heroin erwischt. Die wollte er gerade für 230 Euro verkaufen. Ein prompt folgender, weiterer polizeilicher Besuch in seiner Wohnung fördert 1135 Euro, 87 Gramm Heroin und Streckmittel zutage. Alles unter laufender Bewährung aus einer früheren Verurteilung.

Denn der Arbeitslose hat bereits 15 Einträge im Bundeszentralregister auf dem Kasten. Darunter genau die gleichen Paragrafen wie im aktuellen Fall: Verbotenes Handeltreiben und Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge – dieses Mal um die fünffache der noch tolerierten. Entsprechend hoch fällt nun die mit nichts zu mindernde Haftstrafe von über sechs Jahren aus.

Gegen beide Männer wird Untersuchungshaft angeordnet, beide kommen im April 2017 wieder auf freien Fuß. Beide sind arbeitslos, mit der Dealerei finanzierten sie hauptsächlich ihren Eigenkonsum, den sie seit früher Jugend mit verschiedenen Substanzen betreiben.

Für den 36-Jährigen war die U-Haft der erste Aufenthalt hinter Gittern. Sein Strafregister ist leer, ebenso das seiner Ex-Freundin. Anwalt Benjamin Düring versucht in seinem Plädoyer, das „richtige“ Einsitzen abzuwenden, fordert eineinhalb Jahre auf Bewährung. Ob er nun in Revision geht, steht noch nicht fest. Doch seinem Mandanten fällt die Sammelwut von Kampfgeräten auf die Füße. Seine Verurteilung enthält ein entscheidendes Attribut mehr als bei seinem Kumpel: „’Bewaffnetes’ verbotenes Handeltreiben und Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge“. Hier die zehnfache Menge.

Er versucht zu relativieren: „Mit den Waffen sollte niemand zu Schaden kommen, die waren nur zum Anschauen. Die Schreckschusspistolen zum Rumballern an Silvester.“ Die Drogen habe er nur im Freundeskreis verkauft, wollte damit niemanden in Gefahr bringen. Eine Zusammenarbeit mit dem Älteren verneint er entschieden. „Wir haben uns nur mal gegenseitig ausgeholfen, die Geschäfte betrieb jeder für sich!“

Seine Ex habe ihn gelegentlich beim Wiegen, Portionieren oder Verpacken unterstützt, wenn Not am Mann war. Die 27-Jährige – ebenfalls bislang strafrechtlich clean – soll erst 2011 durch den Angeklagten mit Drogen in Berührung gekommen sein. „Ich bin mit 17 von zuhause weggelaufen – zu ihm. Da haben sich die Drogen immer weiter eingeschlichen. Seit unserer Trennung vor vier Jahren bin ich abstinent.“ Der Ex habe sie wiederholt geschlagen und bedroht. „Wenn ich ihm nicht geholfen habe oder mich endgültig trennen wollte, wurde er aggressiv.“

Von Silke Gelhausen

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