80-jährige Obertshausenerin arbeitet in Minijob

Sie wollte nicht den ganzen Tag fernsehen

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Spaß an der Arbeit, trotz Rentenalters: Die 80-jährige Karin K. schafft drei Mal in der Woche bei der Firma Mühle in Obertshausen. 

Obertshausen – Es sieht ganz einfach aus: die platt gedrückte Schachtel aufrichten, den flachen Plastikbeutel mit den Wärmepflastern reinlegen, dazu das Faltblatt mit dem Beipackzettel und aufs schmale Fließband damit.  Von Michael Prochnow 

Karin K. – die ihren vollen Namen nicht in der Zeitung nennen möchte – und ihre Kolleginnen konzentrieren sich auf die Abläufe, tauschen zwischendurch immer wieder ein paar heitere Worte aus.

So sieht der Alltag in vielen Produktionsstätten im Land aus. Das Besondere am Band bei der „Mühle Verpackungs- und Dienstleistungs-GmbH“: Karin K. feierte in der vergangenen Woche ihren 80. Geburtstag. Auch viele ihrer Nachbarinnen an der „Pharma-Linie“ kamen zum Gratulieren. „Ich habe sehr nette Kolleginnen“, sagt die die Seniorin und strahlt: „Wir sind eine gute Gemeinschaft.“

Karin K. erblickte in Liebenau bei Reichenberg im Sudetenland das Licht der Welt. Nach dem Krieg strandete die Familie in Aachen, wo der Vater beim Zoll arbeitete. Die Behörde versetzte ihn 1954 nach Offenbach. Die Tochter erlernte in einem Frankfurter Fachgeschäft für Oberbekleidung den Beruf der Verkäuferin.

Dort lernte Karin K. einen charmanten Hanauer kennen, den sie 1972 heiratete. Sie zogen nach Bieber und führten bis vor einigen Jahren einen Obst- und Gemüseladen in Darmstadt. Aktuell lebt Karin K. am Landgrafenring mit ihrer 90-jährigen Schwester unter einem Dach. Doch – „den ganzen Tag zu Hause vorm Fernseher zu sitzen – das kann ich mir nicht vorstellen“, betont sie.

Die Firmen-Urgesteine: Jahrzehnte beim selben Arbeitgeber

Also bewarb sich die Rentnerin 2014 auf eine Annonce der Firma Mühle. Sie hat sich bei Cornelia Weiland vorgestellt. „Sie können morgen kommen“, lautete die Reaktion der Leiterin von Personalabteilung und Qualitätsmanagement nach einem kurzen Dialog. Seitdem arbeitet Karin K. an drei Tagen in der Woche je eine komplette Schicht. „Klar, das Geld kann man auch ganz gut gebrauchen“, sagt sie. Nicht, ohne noch einmal das gute Klima in „ihrer“ Firma hervorzuheben: „Woanders ist das furchtbar.“ Etwa zehn Prozent der Belegschaft bei Mühle haben das Renteneintrittsalter bereits überschritten, zitiert Weiland die Statistik.

Die meisten von ihnen haben sich für einen Mini-Job neu beworben, manche bleiben einfach – bei eingeschränkter Arbeitszeit. „Viele Tätigkeiten bei uns können von älteren Menschen ausgeführt werden“, erläutert die Personalchefin. Es handle sich um leichte Verpackungsarbeit, die Älteren packen mehrere Teile in eine Tüte oder kleben an bestimmten Stellen Etiketten. „Wir haben mit diesen Mitarbeitern nur positive Erfahrungen gemacht“, schwärmt Leiterin Weiland. „Ihre Bereitschaft, die Einstellung und die Arbeitsmoral – da merkt man noch die ,alte Schule’.“ Die Senioren seien froh, dass sie noch arbeiten dürfen. Einige seien bereits mehr als zehn Jahre auf Mini-Job-Basis im Haus beschäftigt.

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