Ärger über Entscheidung zu Autobahn-Ausbau

Große Einigkeit gegen Lärm

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Vier Sekunden warten und Lichtfäden spannen sich über die Autobahn. Die Langzeitbelichtung zeigt: Auch nachts herrscht auf der A3 Hochbetrieb. 

Obertshausen - Streitthema im Kommunalwahlkampf, jetzt aggressive Einigkeit: Obertshausens Politiker schäumen gemeinsam über den Entwurf zum Bundesverkehrswegeplan. Von Eva-Maria Lill 

Die verringerte Priorität des A3-Ausbaus sei „eine schallende Ohrfeige“, motzt nicht nur Grünen-Fraktionschef Klaus-Uwe Gerhardt. Politik lebt vom Konflikt. Selten spucken Parteien aus dem gleichen Rachen Feuer gegen eine Entscheidung von ganz oben. Wenn’s um die verringerte Dringlichkeit des Autobahn-3-Ausbaus geht, herrscht Einigkeit im Zorn. „Großes Bedauern“, drückt die SPD aus, „nicht glücklich“ ist die CDU. „Leider“ sagt die FDP, „enttäuscht“ zucken die Bürger für Obertshausen (BfO) die Schultern. Denn im Entwurf zum Bundesverkehrswegeplan steht hinter dem Ausbau nur noch „weiterer Bedarf mit Planungsrecht“, nicht mehr „vordringlicher Bedarf“ – eine Umsetzung bis 2030 scheint somit unwahrscheinlich.

Problem: Nur bei acht Spuren könnte der Partei-Wunsch in Erfüllung gehen, Lärm in der Stadt zu verringern. Kein Ausbau, keine nächtliche Geschwindigkeitsbegrenzung auf der A3. „Das ist ja das Fatale“, seufzt Grünen Fraktionschef Klaus-Uwe Gerhardt.

Die Entscheidung des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft und Verkehr sei eine Kombipackung. Zum einen gehe es um den Ausbau zwischen Offenbacher Kreuz und Hanau auf acht Spuren, zum anderen um die Anschlussstelle Obertshausen. „An der L3117 könnten wir uns zum Beispiel eine leichte Fahrbahnverbreiterung vorstellen“, führt Gerhardt aus. Die Straße sei so schmal, dass Autos mit einem Reifen auf dem Acker landeten. Auch wünschenswert wäre eine Verlängerung der Beschleunigungsstreifen auf der A3.

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Ablehnend stehen die Grünen der Möglichkeit gegenüber, am Rembrücker Weg einen Knotenpunkt mit Anbindung an die Umgehungsstraße zu bauen. Diese Idee geistert schon eine Weile umher, bereits in den Achtzigern hatte sich eine Bürgerinitiative dagegen gegründet. „Wir brauchen aber Entlastung, spätestens, wenn das DHL-Zentrum im Sommer eröffnet“, sagt Gerhardt.

So einig sich die Parteien hinsichtlich des Lärmproblems sind, so gehen die Meinungen auseinander, ob die acht Spuren abseits davon wirklich wünschenswert wären. „Ja“, sagt CDU-Vorsitzender Björn Simon. Denn mehr Platz erleichtere das Pendeln. „Wir brauchen den Ausbau auch, damit der Verkehr besser abfließt“, verdeutlicht der Christdemokrat.

„Nein“, entgegnet Gerhardt. Flächen in Obertshausen seien ohnehin knapp, mehr Spuren würden mehr Verkehr und somit mehr Schadstoffe bedeuten. „Wir wollen nicht, dass Autofahren durch den Ausbau attraktiver wird, lieber sollen die Leute auf die Bahn umsteigen“, sagt Gerhardt. „Die Zeit des eigentlichen Umbaus würde uns sehr belasten“, gibt BfO-Kopf Rudolf Schulz zu bedenken.

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SPD-Chef Helmut Hiepe erhofft sich Hilfe von oben: Landtagsabgeordneter Ismail Tipi und Bundestagsabgeordneter Peter Wichtel sollten sich dafür einsetzen, die Priorität des Ausbaus wieder zu erhöhen. „Wir müssen zeitnahe tätig werden – die Lärmbelastung ist zu hoch“, sagt der SPD-Vorsitzende. Er fordert alle Bürger auf, sich auf www.bvwp2030.de zu melden und dort ihr Unverständnis kundzutun: „So können wir noch was bewegen“, sagt Hiepe. Auch das Stadtparlament soll seiner Meinung nach bald tätig werden.

„Der Entwurf hat noch keinen Gesetzescharakter“, beruhigt CDU-Fraktionsvositzender Anthony Giordano. „Nach der Öffentlichkeitsbeteiligung wird darüber entschieden, welche Verkehrsprojekte mit welcher Dringlichkeit finanziert werden. Bis dahin können noch Änderungen eingebracht werden.“

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