Eigentümerin will Firmenstandort neu entwickeln

Abschied von Ymos-Ruinen

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Einst größtes Unternehmen und Stolz der Stadt: Heute sind die seit vielen Jahren leer stehenden Gebäude auf dem Gelände der Ymos AG marode und drohen an vielen Stellen bereits, in sich zusammenzustürzen.

Obertshausen - „Auf Ymos tut sich was“, ist die Botschaft, die die Besitzerin des Geländes, die Cura GmbH, jetzt verkündete. In einer Sondersitzung des Bauausschusses stellte der Investor nun seine Idee vor. Von Thomas Holzamer 

Abriss, Bodensanierung und Neuentwicklung – wenn es nach der Hoffnung von Dr. Heinz Diedrich, Verfahrensbevollmächtigter der Cura GmbH, geht, könnten am ehemaligen Standortgelände des einstigen Obertshausener Automobilzulieferers Ymos nach fast 20 Jahren des Verfalls schon bald die Bagger rollen. Die Cura, Hauptaktionärin der Ymos AG und Eignerin des Geländes, möchte das Areal entwickeln. Wo heute marode und vom Einsturz bedrohte Produktionshallen und Verwaltungsgebäude stehen, könnten in einigen Jahren wieder Menschen wohnen und arbeiten.

Keine einfache Aufgabe, schließlich ist der Boden auf weiten Teilen des rund 50.300 Quadratmeter großen Standortsgeländes mit leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen (LHKW) teils deutlich über dem Grenzwert belastet. Ein Umstand, der eine teuere Sanierung des Bodens notwendig macht und der in den vergangenen Jahren seit der Insolvenz dafür gesorgt hat, dass sich kein Investor für das Gelände fand, der das unüberschaubare Risiko der Altlastensanierung auf sich nehmen wollte.

Seit 2015 beschäftigt sich das Unternehmen, das bundesweit an 75 Standorten Senioren- und Pflegeheime betreibt, mit einer Lösung dieses Problems. Nach der Auswertung vieler Fachgutachten und monatelangen Verhandlungen mit dem Regierungspräsidium Darmstadt, das für das Land die Einhaltung des Bodenschutzgesetzes überwacht, haben sich die Parteien nun auf einen öffentlich-rechtlichen Vertrag geeinigt, der Abriss und Neuentwicklung des Geländes ermögliche, erläuterte Heinz Diedrich den Mitgliedern des Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschusses.

Die Hoffnung sei, informierte Diedrich, bereits im kommenden Jahr mit dem Abbruch der Gebäude beginnen zu können, für den die Genehmigung bereits beantragt sei. Die Kosten für Abriss und Entsorgung beziffere man auf rund vier Millionen Euro, weitere sechs sind für die spätere Sanierung der kontaminierten Bodenflächen angesetzt. Diese Summe könnte jedoch noch steigen, sollten weitere Bodenanalysen, die auf den dann freigelegten Bodenflächen geplant sind, zusätzliche Überraschungen ans Tageslicht bringen. Die geplanten Kosten für das Vorhaben trägt mit 80 Prozent die Cura, die übrigen 20 das Land Hessen.

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Auf die Stadt Obertshausen, die bereits bei Verhandlungen im Vorfeld signalisiert hatte, dass sie sich an den Kosten nicht beteiligen werde, käme in diesem Fall jedoch eine andere Verantwortung zu, erläuterte der Cura-Vertreter. Sie müsse seitens der Politik für die dringend benötigte Planungssicherheit sorgen, warb er. Denn finanzierbar und damit realisierbar sei das Projekt für Cura nur dann, wenn die hohen Investitionen sich auch bezahlt machen, sprich das sanierte Gelände für eine Neubebauung genutzt werden könne. Angedacht seien auf dem Areal nach einem ersten Entwurf unter anderem Gewerbeflächen im Übergangsbereich zum benachbarten Standort von Magna und Decoma. Auch ein Mischgebiet mit Büroflächen und Stellplätzen sowie Flächen mit reiner Wohnbebauung sollen entstehen. Etwa zusätzliche 100 Wohneinheiten würden so in Obertshausen geschaffen. Auch Wohnraum für Senioren – das Kerngeschäft der Cura – sei eine zusätzliche Option.

Voraussetzung für die Realisierung des Vorhabens sei allerdings ein städtebaulicher Vertrag zwischen der Stadt Obertshausen und dem Investor, der die spätere Neunutzung und das dafür notwendige Baurecht zusichere. Demnach müssten die Parlamentarier zunächst mit einem Aufstellungsbeschluss ihre Zustimmung zu dem Projekt geben, für das der Magistrat dann einen Bebauungsplan aufstellen kann. Denn, so erläuterte Dietrich, die mit dem Land Hessen ausgehandelte Vereinbarung erlange erst dann ihre Gültigkeit, wenn ein städtebaulicher Vertrag mit der Stadt existiere. So wird die Stadt auch ohne eine finanzielle Beteiligung letztlich doch zum berühmten Zünglein an der Waage.

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