Die Ästhetik entscheidet

+
Anton Demmer vom Goldhaus Obertshausen prüft, ob ein Ring aus echtem Silber ist. Das Geschäft an der Heusenstammer Straße hat sich über die Stadtgrenzen hinaus einen Namen gemacht.

Obertshausen ‐ Das hat selbst die Experten vom Fernsehteam überrascht: Fast 7.500 Euro bekam die junge Frau im Goldhaus Obertshausen für die alten Erbstücke ihres Opas. Für türkischen Schmuck, aufbewahrt in kleinen Kisten, gelagert im Keller. Von Stephan Degenhardt

Das ist etwa drei Wochen her. „Der Trödeltrupp“ eines Fernsehsenders besuchte mit der Frau das Goldhaus, verkaufte den Schmuck zum unerwartet hohen Preis. „Viele Kunden sind überrascht, wie viel Geld sie von uns bekommen“, sagt Anton Demmer, einer von drei Eigentümern des Goldhauses. Seit 2007 betreibt er mit seinen Kollegen Holger Honig und Volker Kaster das Geschäft in der Heusenstammer Straße 1.

Die Berufserfahrung des Trios aber reicht fast 30 Jahre zurück. Jeder von ihnen hatte schon eine eigene Firma im Schmuck- oder Antiquitätenbereich. „Wir wollen alles aus einer Hand anbieten“, beschreibt Demmer das Konzept. Neben Schmuck kaufen die Männer vom Goldhaus auch Kerzenständer, Münzen, Porzellan, Tafelsilber oder hochwertige Uhren an. Und selbst Zahngold ist gefragt. Grund: Der Goldpreis ist in den letzten Wochen in die Höhe geschnellt. Aus Angst vor einer Inflation investieren Anleger in das wertbeständige Edelmetall, erklärt Demmer den steigenden Wert. Davon erfahren auch viele Menschen in den Nachrichten. Deshalb sei die Zahl der Kunden, die ihren Goldschmuck veräußern wollen, in der letzten Zeit gestiegen.

Betrüger haben keine Chance

Während viele Goldeinkäufer das Edelmetall nur einschmelzen, wägen Demmer, Honig und Kaster bei jedem Schmuckstück ab. Liegt das Design im Trend und ist die Verarbeitung aufwändig, bieten sie es wieder - natürlich mit Aufpreis - zum Verkauf an. „Wir schmelzen nicht wahllos alles ein“, sagt Demmer. Entscheidend ist, dass die Armbänder, Ketten oder Ringe eine gewisse Ästhetik haben, fügt Holger Honig hinzu. Um diese zu erkennen, brauche man ein geschultes Auge und Feingefühl. Für das erfahrene Trio vom Goldhaus kein Problem mehr.

Auch Betrüger haben bei den Schmuckprofis aus Obertshausen keine Chance. Es gibt ein einfaches Verfahren, mit dem die Profis ermitteln können, ob es sich um echtes Gold oder Silber handelt. Anton Demmer führt es vor: Er nimmt einen kleinen schwarzen Stein, mit einem Silberring wetzt er darüber. Dann träufelt er Prüfsäure über den Abrieb, wartet wenige Augenblicke. Ergebnis: Der Abrieb färbt sich rot, der Ring ist aus echtem Silber gefertigt. Für jedes Edelmetall und jede Karatstufe, also für den Reinheitsgehalt des Metalls, gibt es eine eigene Prüfsäure.

Kontrolle, Sicherheit und Diskretion schreiben die Geschäftspartner im Goldhaus prinzipiell groß. Im Laden ist ein Direktanschluss zur Polizei installiert – bei einem Überfall kann sie schnellstens alarmiert werden. „In drei Minuten ist die Polizei da und kann eingreifen“, sagt Demmer.

„Aus finanzieller Not verkauft keiner.“

Ein weiterer Service, der den Kunden Sicherheit vermitteln soll: Auf Wunsch begleiten Demmer, Honig oder Kaster sie mit ihren Wertsachen vom Parkplatz im Hof bis ins Geschäft. Und im Goldhaus gibt es neben dem Verkaufsraum ein kleines Zimmer. In das können sich die Kunden mit den Schmuck- und Antiquitätenhändlern zurückziehen - die Geschäfte sollen diskret und seriös ablaufen.

Die Kunden verkaufen ihre Kostbarkeiten aus unterschiedlichen Gründen. Meistens sind es Menschen über 40, die geerbt oder ihre Schmuckkästen ausgemistet haben, sagt Holger Honig. Und: „Aus finanzieller Not heraus verkauft keiner bei uns seinen Schmuck“, widerspricht Demmer einem gängigen Vorurteil.

Für alle künftigen Verkäufer hat das Trio vom Goldhaus einen Tipp: Sie sollen immer alle Wertsachen mitbringen, nichts im Vorfeld aussortieren oder gar wegwerfen. „Viele Leute wissen überhaupt nicht, was sie für Schätze haben“, sagt Demmer.

Das Obertshausener Geschäft ist mittlerweile überregional bekannt. Demmer, Honig und Kaster verkaufen bundesweit auf Messen. Und sie können echte Raritäten anbieten. Zum Beispiel eine barocke Kommode - für den stolzen Preis von 7.500 Euro. Die junge Frau aus dem Fernsehen hätte sie sich also leisten können.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare