„Alles schützen kann man nicht“

Bündnisgrüne im Gespräch mit einem Schreiner zum Thema Hochwasser

Schutz vor Hochwasser zeigt der Hausener Schreiner Ralf Beck den Politikern der Bündnisgrünen.
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Schutz vor Hochwasser zeigt der Hausener Schreiner Ralf Beck den Politikern der Bündnisgrünen.

Der Klimawandel und dessen Auswirkungen sind ein klassisches Thema der Bündnisgrünen, die sich für viele Maßnahmen dazu engagieren. Eine davon vermittelt der Hausener Schreiner Ralf Beck, den die Politiker ins Vereinslokal Remedy eingeladen haben.

Obertshausen – „Ich komme zu den Kunden, wenn’s zu spät ist“, fasst der Experte zusammen. Denn Betroffene melden sich meist erst, wenn „das Kind schon in den Brunnen gefallen“ ist, also das Wasser schon im Keller steht. Beck baut seit acht Jahren wasserdichte Fenster ein, zudem verkauft er einen mobilen Flutschutz, der vor einem angekündigten Unwetter vor Türen montiert werden kann, wie er mit Fotos vom überschwemmten Markusplatz in Venedig dokumentiert.

Der Handwerker sammelt seit 30 Jahren Erfahrung mit verschiedenen Systemen. Nach der Katastrophe im Ahrtal sei das Interesse an Vorsorge sprunghaft angestiegen, „ich mache seit drei Wochen nichts anderes, bearbeite Anfragen ohne Ende“, erläutert er. Die Produkte eines italienischen Herstellers haben mittlerweile drei Monate Lieferzeit. „Klar, die Rodau ist weit weg, eine Flut wie in den engen Tälern der Eifel werden wir hier nicht haben“, sind sich Beck und die Politiker einig.

Die Kleinstadt queren jedoch unterirdische Bachläufe, die feuchte Auswirkungen haben können. Allein der hohe Grundwasserspiegel verursachte kürzlich die Sperrung des Omega-Tunnels. 2016 standen die Kellerräume des Croatia-Klubs und etliche private Keller in Abwässern. „Viele wissen noch nicht, dass sie mich brauchen“, verweist der Schreinermeister auf die Tiefgaragen unter Neubauten. Heute werden solche Räume in Flussnähe nur mit einem Schotterboden versehen und im Falle eines Falles „bewusst geflutet, damit das Gebäude nicht aufschwimmt“. Das Gewicht des Wasser bilde dann einen Gegendruck zum Hochwasser draußen.

„Alles schützen geht aber nicht“, schränkt der Fachmann ein. Die Keller vieler alter Gebäude lägen vorteilhaft hoch. Stadträtin Christel Wenzel-Saggel plädiert trotzdem für den Bau von Rückhaltebecken, um das Eigentum der Bürger schützen und das Regenwasser zum Gießen nutzen zu können. „Wir lassen die Menschen nicht mit dem Verweis auf Eigenfürsorge durch Sicherheitsventile allein“, betont Dr. Klaus-Uwe Gerhardt, Fraktionsvorsitzender der Grünen. „Die haben die Leute nämlich schon eingebaut, und trotzdem laufen regelmäßig die Keller voll.“ Um gezielt warnen zu können, wollte die Partei 2017 per Antrag Feuerwehr-Einsätze auswerten und eine Starkregenkarte erstellen lassen.

Die Runde erinnert auch an das Gewerbegebiet Samerwiesen, das eine Überschwemmungsfläche sei: Die Verpflichtung zur Dachbegrünung wurde wieder aus dem Bebauungsplan gestrichen. Durch die stark verdichtete Bebauung in der Stadt schieße mehr Wasser durch die Kanäle, sie werden stärker beansprucht.

Als „Schwammstadt“ sollten Flächen entsiegelt, Bäume gepflanzt und Wasser aufgefangen werden, wünscht die Umweltpartei. Auch dieser Antrag wurde abgelehnt, soll aber noch in diesem Jahr erneut auf die Tagesordnung. Grünen-Vorstandsmitglied Katy Walther verwies dabei auch auf die Landesförderung, die Vorhaben von „Klimakommunen“ wie Obertshausen zu 100 Prozent finanziere. (Von Michael Prochnow)

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