Angst um Lebensqualität

Mieter gegen geplante Aufstockung städtischer Häuser an der Bachstraße

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Kleingartenidylle hinterm Haus: Bodo Riemer und Maria Höschele fürchten um ihr grünes Kleinod. 

Tomaten, Zucchini, Brombeeren und dazwischen die ein oder andere Blühpflanze – auf ihre kleinen Gartenparzellen in der Grünanlage des Mehrfamilienhauses in der Bachstraße 19-21 sind die Mieter stolz. 

Obertshausen – Besonders viele Tomaten, aber auch Brombeeren haben sie und ihr Mann in diesem Jahr ernten können, erzählt Maria Höschele im Gespräch mit Nachbar Bodo Riemer. Der hatte mit seinen Tomaten zwar etwas weniger Glück, doch dafür haben die Zucchini gute Erträge gebracht. „Um die Gärten wurden wir von vielen beneidet“, erzählt Riemer, der seit mittlerweile 47 Jahren dort wohnt und neben seinem Job am Flughafen auch die Hausmeistertätigkeiten im Haus übernommen hatte.

Doch nun fürchten die Nachbarn um ihre jeweils rund 12 Quadratmeter großen Schollen, die sie seit Jahrzehnten liebevoll pflegen. Denn das inzwischen in die Jahre gekommene stadteigene Mietshaus soll aufgestockt werden, das haben die Stadtverordneten mit der Aufstellung des derzeit laufenden Doppelhaushaltes bereits 2017 beschlossen. Zu den bestehenden drei sollen demnach zwei weitere Stockwerke hinzukommen und damit zehn zusätzliche Wohnungen entstehen.

Wohnungen, für die natürlich auch zusätzliche Kfz-Stellplätze geschaffen werden müssen. Und zwar, so wurde es ihnen mitgeteilt, auf der Grünanlage hinter dem Haus, die dann zum überwiegenden Teil wegfalle. Doch das kommt bei den Hausbewohnern gar nicht gut an. „Das würde ja bedeuten, dass wir dann gar kein Grün mehr rund ums Haus haben“, fürchtet Riemer. „Wir reden immer von Umweltschutz und der zunehmenden Versiegelung von Flächen und dann tun wir genau das“, ergänzt Maria Höschele. Schließlich sorgten die auch schon Jahrzehnte alten Bäume vor allem in den heißen Sommermonaten für Schatten und Abkühlung sowie Lebensqualität. „Außerdem ist in den letzten 30 Jahren abgesehen von einem neuen Anstrich an beiden Häusern nichts gemacht worden“, bemängelt Riemer. „Bei uns oben ist die Heizung so schwach, dass man es im Winter kaum warm bekommt und an der Seitenwand im Keller drückt es bei starkem Regen das Wasser durch die Wand, weil der Putz außen total kaputt ist“, pflichtet ihm Nachbarin Höschele bei.

Die Fassade des in die Jahre gekommenen Mietshauses hat schon bessere Tage gesehen.

Von den Plänen haben die Bewohner nach eigenen Angaben erst vor rund zwei Wochen durch ein Schreiben der Stadt erfahren. Details zu den geplanten Arbeiten habe es darin jedoch nicht gegeben, worauf Riemer stellvertretend für die Hausgemeinschaft im Rathaus vorstellig wurde, um mehr zu erfahren. „Das war aber alles nur vage und ich danach nicht schlauer als vorher“, sagt er.

Das habe seinen Grund, wie Erster Stadtrat Michael Möser auf Anfrage erläutert. Denn bei dem Schreiben habe es sich zunächst nur um eine erste Information gehandelt, da Details zu den Arbeiten noch nicht feststehen. Klar dürfte allerdings schon jetzt sein, dass diese so schnell nicht beginnen können: „Aktuell liegen die Pläne erst mal auf Eis“, berichtet Möser. Bei einer vorbereitenden Prüfung für die mögliche Aufstockung hatte die Stadt nämlich festgestellt, dass in den Rohrleitungsschächten des Gebäudes asbesthaltige Materialien verbaut sind. Zwar gehe davon keine Gefahr aus, da die Schächte geschlossen sind, allerdings komme man für eine Aufstockung und die notwendige Verlängerung der Leitungen nach oben nicht um eine Asbest-Sanierung herum. Doch die dürfte nicht billig werden, sodass die im aktuellen Haushalt bereitgestellten Mittel nicht ausreichen würden. Im neuen Doppelhaushalt müssten erst weitere Mittel eingeplant werden, um die Pläne doch noch zu verwirklichen. Die Bewertung, ob angesichts der höheren Kosten eine Aufstockung der Gebäude noch gewünscht wird, liege dann bei den Stadtverordneten, die die erforderlichen Mittel beschließen müssen.

Zumindest teilweise kann der erste Stadtrat die Mieter schon jetzt beruhigen: „Generell müssen wir bei einer Aufstockung natürlich auch nach der Fassade und dem Rest des Hauses schauen und etwas machen.“ Und auch die Grünfläche werde in keinem Fall komplett wegfallen. Zu den Details lasse sich aber zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts sagen, zumal das Projekt nun ohnehin erst mal auf dem Prüfstand stehe.

Mit ihren Befürchtungen haben sich die Mieter aus der Bachstraße bereits an Bürgermeisterkandidat Rudolf Schulz gewandt, der die Unterstützung der Bürger für Obertshausen zugesichert hat. „Wir halten die Kosten für das Ergebnis von gerade einmal zehn Wohnungen für zu hoch“, hatte dieser bei einem Treffen mit der Hausgemeinschaft festgestellt. Die „Bürger“ würden stattdessen den Bau von Wohnungen durch einen Investor vorziehen, vertraglich verbunden mit einem festen Anteil an bezahlbarem Wohnraum.

VON THOMAS HOLZAMER

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