Auch bei Firma Karl Mayer bangen Mitarbeiter um Existenzgrundlage

Krisenstimmung: Bei der Karl Mayer Textilmaschinenfabrik in Obertshausen fürchten die Mitarbeiter um ihre Jobs. Foto: Simon

Obertshausen -

Sabine Simon

Getrübte Stimmung herrscht auch bei der Karl Mayer Textilmaschinenfabrik GmbH in Obertshausen. Nachdem am Donnerstag bekannt wurde, dass das Unternehmen an seinen Standorten in Hausen sowie Büdingen 385 Stellen abbauen wird, fürchtet nun die Belegsschaft um ihre Arbeitsplätze. Denn nach Auftragsrückgängen, verschärfter Konkurrenzsituation durch Firmen aus Asien, nach monatelanger Kurzarbeit hat die internationale Wirtschaftskrise nun auch den Textilmaschinenbauer schwer getroffen.

Produktionsleiter Dr. Armin Funck spricht von der schwersten Krise des Unternehmens seit Bestehen. „Wir müssen in Obertshausen von insgesamt 1500 350 Stellen streichen. Das haben wir uns natürlich nicht ausgesucht, aber leider gibt es keinen anderen Ausweg. Seit Monaten schon haben wir Kurzarbeit“, sagt Funck. Er habe die Mitarbeiter in einer Betriebsversammlung bereits darüber informiert, ebenso über die bevorstehende Aufstellung eines Sozialplans.

Dieser wird darüber entscheiden, wer bald das Unternehmen verlassen muss. Und schon jetzt sind die Auswirkungen der Finanzkrise sichtbar. In fast allen Werkshallen gespenstische Stille, von 600 Mitarbeitern sind am gestrigen Freitag gerade mal 60 anwesend – die Auftragslage lässt nichts anderes zu. Industriemeister Harald Gotta ist seit drei Jahrzehnten im Unternehmen tätig. Auch der 46-Jährige fürchtet um seinen Arbeitsplatz. „Alle haben Angst um ihre Existenz. Die Auftragslage ist schlecht. Und die Finanzkrise tut ihr Übriges dazu“, sagt er. Insbesondere seine jungen Kollegen täten ihm leid, denn viele hätten ein Haus gebaut oder seien gerade Vater geworden. „Wer vom Stellenabbau betroffen ist, wissen wir noch nicht. Das ist eine schwere Situation“, so Gotta.

Dreher Winfried Schleich, 41 Jahre alt und seit 25 Jahren bei Karl Mayer beschäftigt, hat die Neuigkeit wie ein Schlag getroffen. „Ich habe große Angst um meine Existenz. Mein Sohn ist erst drei, vor zwei Jahren haben wir ein Haus gebaut. Aber was soll man machen, wenn die gesamte Produktion wegbricht?“, sagt der Familienvater. Ihn belaste vor allem die Ungewissheit. „Meine Frau wird wieder arbeiten. Und doch habe ich Hoffnung, dass es wieder aufwärts geht“, meint Schleich.

Auch Drazen Matijasevic spricht von einer großen Ungewissheit in den Reihen seiner Kollegen. Seit 1988 ist der 35-Jährige in der Textilmaschinenfabrik beschäftigt. „Wir wissen ja nicht, ob wir morgen noch hier sind“, sagt er.

„Ich bin sehr geschockt. Ich bin mit Karl Mayer aufgewachsen. Meine Eltern waren schon hier. Wir haben alle Kinder und Familie“, sagt Domenico Spataro. Seit 1986 arbeitet der 39-Jährige bei Karl Mayer. Andreas Hentsch, 41 Jahre alt und seit 1990 im Unternehmen tätig, fürchtet ebenfalls um seine Existenz: „manroland baut Stellen ab, wir müssen Mitarbeiter entlassen. Wo soll man denn in Offenbach oder der Region noch einen neuen Job finden?“

Auch Maschinenschlosser Klaus Skoda blickt mir Sorge in eine ungewisse Zukunft. Die allgemeine Lage sei bekannt, man könne es leider nicht beeinflussen, meint der 41-Jährige, der seit 1988 im Unternehmen tätig ist. „Natürlich habe ich Angst um meinen Arbeitsplatz. Diesen Monat habe ich nur vier Tage gearbeitet“, sagt er. Dennoch will Skoda gelassen bleiben. Denn nach Regen komme auch wieder Sonnenschein. Das hofft er für sich - und spricht damit sicher der Belegschaft der Karl Mayer Textilmaschinenfabrik aus der Seele.

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