Auch als Kriegsbeute begehrt

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Gudrun Borck von der Deutschen Spitzengilde und Eddy Schneider vom Heimat- und GeschichtsvereinObertshausen laden zum Besuch der neuen Ausstellung im Werkstatt-Museum ein. Foto: Otterbein

Obertshausen - Der Heimat- und Geschichtsverein Obertshausen und dieDeutsche Spitzengilde setzen auch in diesem Jahr eine lieb gewordene Tradition fort: Seit mehr als zehn Jahren veranstalten die beiden Vereine am Jahresbeginn im Werkstatt-Museum „Karl-Mayer-Haus“ eine gemeinsame Ausstellung. Von Karl-Heinz Otterbein

„Klöppelspitzen zwischen Tradition und Moderne“ lautet der Titel der neuen Schau, die am kommenden Freitag, 13. Januar, um 19 Uhr in dem Museum offiziell eröffnet wird.

„Anlässlich des Jubiläums 450 Jahre Spitzenklöppeln im Erzgebirge präsentiert der Sächsisch-Erzgebirgische Klöppelverband in der Sonderausstellung Klöppelarbeiten aus mehreren Zeitepochen“, erläuterte Gudrun Borck von der Deutschen Spitzengilde und bei der Organisation zuständig für Ausstellungen und geschichtliche Aufarbeitung, gestern bei einem Ortstermin. „Für die Sonderausstellung, die aus Leihgaben von historischen Spitzen, Entwurfsarbeiten von Klöppellehrerinnen und Zirkelleiterinnen, Gemeinschaftsarbeiten von Kinder- und Erwachsenen-Gruppen, zeitaktuellen Belegen und Klöppelbriefen besteht, haben viele Mitglieder des Verbandes ihre Klöppelarbeiten und andere Materialien zur Verfügung gestellt.“

Laut Gudrun Borck, die auch dem Vorstand des Heimat- und Geschichtsvereins Obertshausen angehört, hat die Ausstellung mehrere Schwerpunkte. So seien im historischen Bereich unter anderem Kirchenspitze und Musterblätter von Spitzenhändlern zu sehen, zudem würden Klöppelspitzenentwürfe von der Staatlichen Zeichenschule für Textilindustrie zu Schneeberg/Sachsen aus dem Jahr 1930 und aus privatem Nachlass von 1948 gezeigt.

Basis für die Entstehung anderer Gewerbszweige im Erzgebirge

Präsentiert würden auch Klöppelarbeiten von Klöppellehrerinnen, die von 1956 bis 1959 die Fachschule für Angewandte Kunst in Schneeberg absolvierten, Gemeinschaftsarbeiten von Kindergruppen aus den Klöppelschulen Annaberg, Schwarzenberg und Schneeberg aus den 1980er Jahren und Belege und Arbeiten aus der Produktionsgenossenschaft für Erzgebirgisches Spitzenklöppeln.

Zu den mehr als 100 Exponaten gehören auch Arbeiten der Diplom-Designerinnen Steffi Schmat und Birgit Härtel sowie Abschlussarbeiten von Zirkelleiterausbildungen aus den Jahren 1986, 1990 und 2011.

Zur Ausstellungeröffnung kommen Gudrun Borck zufolge am Freitag auch Mitglieder des Sächsisch-Erzgebirgischen Klöppelverbands, die zum einen die Arbeiten erläutern, zum anderen auch einen historischen Abriss über 450 Jahre Spitzenklöppeln im Erzgebirge geben.

„Die Besucher erfahren unter anderem, dass das „Klöppelwerk“ bereits 1561 in der Annaberger Chronik von Paulus Jenisius erwähnt wurde und Klöppelspitzen im Dreißigjährigen Krieg für die Heerscharen, die das Erzgebirge verwüsteten, begehrte Kriegsbeute waren“, so Gudrun Borck. „Sie erfahren auch, dass das Klöppelgewerbe die Basis für die Entstehung und Entwicklung anderer Gewerbszweige im Erzgebirge bildete.“

Angeboten wird auch ein Katalog, der anlässlich der Sonderausstellung erstellt wurde und eine Menge Informationen bietet.

Die Ausstellung ist bis zum 25. März an den Sonntagen 15. und 29. Januar, 12. und 26. Februar und 11. und 25. März jeweils zu den Öffnungszeiten von 14 bis 17 Uhr im Werkstatt-Museum zu sehen. Sachkundige Informationen erteilen jeweils Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins Obertshausen und der Deutschen Spitzengilde.

Gruppenführungen sind nach telefonischer Absprache mit Gudrun Borck, die unter der Rufnummer s 06103/22138 zu erreichen ist, auch außerhalb der üblichen Öffnungszeiten des Museums möglich.

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