Auf Hybridantrieb setzen

Feintool System Parts Obertshausen baut um für neue Maschinen

Zehn Meter in die Tiefe ragen die Stahlträger, die als Stütze für die Umformpresse dienen. Werksleiter André Gansen (links) und der neue Geschäftsführer Winfried Blümel besichtigen die Baustelle in der Produktionshalle.
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Zehn Meter in die Tiefe ragen die Stahlträger, die als Stütze für die Umformpresse dienen. Werksleiter André Gansen (links) und der neue Geschäftsführer Winfried Blümel besichtigen die Baustelle in der Produktionshalle.

Neun Meter in die Höhe ragen die riesigen Maschinen. „Die sind fast so groß wie ein kleines Einfamilienhaus“, vergleicht Winfried Blümel die Dimension. Zusammen mit André Gansen führte der Geschäftsführer von Feintool System Parts Obertshausen uns durch die Produktionshallen, die teils erweitert werden, um neuen Maschinen Platz zu bieten.

Obertshausen – Sieben Meter in die Tiefe und neun Meter in die Höhe – die Pressen, die zum Umformen von Metall benötigt werden, brauchen viel Platz. Die alten Hallen bieten nicht mehr genug dafür. Einer der Riesen passt gerade so unter einem der gelben Kräne, die an der Decke zum Transport von Materialien da sind. Mehr als elf Umformpressen, Laserschweißanlagen sowie 13 Kaltwalz- und Drückmaschinen befinden sich in den Produktionshallen. Was viel klingt, reicht aber auch nicht mehr aus.

Feintool erweitert die Produktion

Denn das Unternehmen liefert nicht nur Teile für Autos mit Verbrennungsmotoren, sondern erweitert die Produktion für Komponenten an Hybridantrieben. Wie Geschäftsführer Blümel erläutert, haben Umfragen von unabhängigen Instituten ergeben, dass der Marktanteil von Hybridantrieben bis 2023 auf 35,9 Prozent wachsen werde. Das bedeute auch, dass reine Verbrennungsmotoren nur noch in etwas mehr als der Hälfte aller produzierten Fahrzeuge stecken. Zwar steige das Interesse an Elektromotoren, aber im Vergleich in einem wesentlich geringeren Maß. Man rede viel über reine E-Autos, vergesse dabei aber die Hybriden, die Elektro- und Verbrennungsmotoren vereinen, erläutern Gansen und Blümel.

Fehlende Strukturen zum Aufladen von Elektromotoren seien ein großer Schwachpunkt, weswegen Auftraggeber aus der Automobilbranche und deren Kunden eher zu einem Hybridantrieb tendieren. Dieser sei mit dem strombetriebenen Teil gerade innerorts ideal. Für längere Strecken könne der Kunde ohne Probleme auf den Verbrennungsmotoren-Teil setzen.

Um auch Aufträge in diesem Markt annehmen zu können, investiert das Unternehmen rund 35 Millionen Euro in den Standort an der Ringstraße. Die bisher größte Investition des Unternehmens in das Obertshausener Werk.

Ein Teil der Investition wird dafür verwendet, eine der Produktionshallen an die großen Maschinen anzupassen: Das Dach wurde angehoben, während die Produktion weiterläuft. Die Maschinen können nicht einfach versetzt werden, erläutert Werksleiter André Gansen, die Herstellung müsse aber auch weiterlaufen. Daher verstecken sich hinter Planen und Holzwänden die wichtigen Anlagen.

Schräg gegenüber einer solchen geschützten Maschine geht es tief nach unten. Die Grube ist für den Pressenkeller ausgehoben, der sieben Meter in die Tiefe geht. Die Stahlträger, die die Presse stützen, reichen sogar ganze zehn Meter in den Boden hinein. „Das ist nur für eine einzige Presse“, sagt André Gansen und zeigt den Weg zur neu errichteten Lagerhalle auf dem hinteren Teil des Geländes.

Mehr als 3000 Stellplätze für halb-fertige und fertige Teile

In dieser werden bis zur Inbetriebnahme im Januar mehr als 3000 Stellplätze für halb-fertige und fertige Teile errichtet. Die Arbeit, diese einzusortieren oder herauszuholen, erfolgt automatisch. „Es kommt zusätzliche Intelligenz ins Lagersystem“, sagt Blümel. Denn bei solch großen Lagern seien Fehler beim Aktualisieren des Bestands von Menschenhand nicht ausgeschlossen.

Außerdem optimiere das computergesteuerte Lagersystem die Arbeitsprozesse: Pausiert die Produktion am Sonntag, organisiert das System das Lager neu, sodass häufig gebrauchte Teile, sogenannte „High Runner“, kürzere Zugriffszeiten erhalten.

Während die Lagerhalle bereits im Januar in Betrieb gehen soll, ist die Fertigstellung der Produktionshalle für den Mai kommenden Jahres geplant. „Wir liegen im Zeitplan“, berichtet Gansen. Auch die grassierende Pandemie habe die Erweiterungsarbeiten bisher noch nicht gestört. (Yvonne Fitzenberger)

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