Ausstellung mit Pokal aus dem Ersten Weltkrieg

Worüber er nie sprach

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Teil der Ausstellung: der Ehrenpokal für den Abschuss eines feindlichen Flugzeuges.

Obertshausen - Vor hundert Jahren brach der Erste Weltkrieg aus. Mitten drin der Flugmaat Konrad Stratemann. Ein Pokal, den er bekam, steht nun im Karl-Mayer-Haus. Von Lena Marie Jörger 

Auf den ersten Blick sieht er aus wie ein normaler Pokal. Zwei Adler, die scheinbar miteinander kämpfen, schwarzer Sockel, Gravur. Erst bei genauerem Hinsehen offenbart sich dem Betrachter, welche grausame Geschichte die Trophäe hat. Sie wurde im Ersten Weltkrieg verliehen. Für den Abschuss eines feindlichen Flugzeuges. Der Pokal steht derzeit in einer Vitrine im Werkstatt-Museum „Karl-Mayer-Haus“, wo morgen Abend die Sonderausstellung „100 Jahre Erster Weltkrieg“ eröffnet wird. Dr. Alexander Schüller, Beisitzer im Vorstand des Heimat- und Geschichtsvereins und Organisator der Ausstellung, ist stolz auf die besondere Leihgabe. „Der Pokal wurde nur sehr selten verliehen“, erläutert er. „Ursprünglich gab es ihn für den Erstabschuss, in späteren Kriegsjahren auch für weitere Abschüsse.“ Dass der Pokal Teil der Schau ist, hat Schüller Angelika Bruckhoff zu verdanken. Die gebürtige Frankfurterin, die seit einigen Jahren in Obertshausen lebt, hat ihn zur Verfügung gestellt. Der Pokal gehörte Konrad Stratemann, einem Freund von Bruckhoffs Vater.

Stratemann war 1916 in den Krieg eingezogen worden. Damals war er 18 Jahre alt. Zwei Jahre später, schoss er zum ersten Mal ein Flugzeug ab. Im Gegenzug gab’s den Pokal, der Jahre später auf einem Schrank im Wohnzimmer der Stratemanns stand. „Schon als Kind hat mich diese Trophäe auf dem Schrank fasziniert“, erinnert sich Angelika Bruckhoff. „Gedanken darüber habe ich mir damals aber noch keine gemacht.“ Erst später, mit etwa 14 Jahren, erzählte ihr Vater ihr, was es damit auf sich hatte. Von ihrem Vater, denn für „Konny“, der in beiden Weltkriegen kämpfte, war das Thema ein Tabu. „Er hat nie darüber gesprochen, was er erlebt hat.“ Als Konrad Stratemann Anfang der 80er Jahre starb, bekam Angelika Bruckhoffs Vater den Pokal. „Später war mein Sohn daran interessiert“, erzählt Bruckhoff. „So kam der Pokal dann zu mir.“ Durch einen Bericht unserer Zeitung erfährt sie im Juli von der Ausstellung des Heimat- und Geschichtsvereins. Und liest, dass Schüller noch Leihgaben von Obertshausener Bürgern sucht. „Da habe ich mich an den Pokal erinnert und erst mal den ganzen Keller danach durchsucht.“ 

Von Pokal über Fotografien bis hin zu Granatensplittern

Bei einer Tasse Kaffee berichtete sie Schüller von ihrem Fund. „Er war hin und weg“, resümiert sie. Neben dem Pokal stellte Angelika Bruckhoff ihm auch zwei Fotografien aus dem Ersten Weltkrieg zur Verfügung, die abgeschossene Flugzeuge zeigen. Sie werden ab Ende Oktober zu sehen sein, wenn einige der Ausstellungsstücke ausgetauscht werden. Ein drittes Foto hat Alexander Schüller bewusst abgelehnt. Darauf ist eine Leiche zu sehen, die neben einem einem Flugzeugwrack liegt. „Das kann man Besuchern nicht zumuten“, sagt er. Der Rest der Ausstellung ist schon erschütternd genug. Unter anderem sind Granatensplitter, eine Beinprothese und Bajonette zu sehen. „Die sind alle echt“, macht Schüller deutlich. Der Großteil der Ausstellungsstücke stammt von zwei Sammlern aus Seligenstadt. Den Rest stellten Obertshausener zur Verfügung. In einem Schaukasten liegen mehrere Orden. „Eigentlich ist das nur bunt bemaltes Blech, aber damals waren diese Auszeichnung etwas wert“, informiert Schüller. Von der Resonanz auf seinen Sammelaufruf war er überrascht. „Man muss sich schon wundern, was manche Leute nach 100 Jahren noch zuhause haben.“

Der Erste Weltkrieg auf Feldpostkarten

Der Erste Weltkrieg auf Feldpostkarten

Zwei Tage lang durchforsteten Alexander Schüller, Vereinsvorsitzende Melitta Matthes und ihr Vorgänger Professor Dr. Klaus Werner zudem das Stadtarchiv nach Informationen. Dort fanden sie unter anderem Rekrutierungslisten aus Obertshausen und Hausen, die damals noch unabhängig voneinander waren. Konrad Stratemanns Pokal steht in einer Vitrine mit Stahlhelmen, Trinkflaschen und Patronen. Die einst goldene Schrift ist nicht mehr besonders gut zu lesen. „Wir mussten eine Lupe zu Hilfe nehmen, um sie zu entziffern“, gibt Schüller zu. Er schätzt, dass der Pokal heute zwischen 2000 und 3000 Euro wert ist. „Ich gebe ihn aber nicht her“, stellt Angelika Bruckhoff klar. „Der wird weitervererbt.“ Die Ausstellung „100 Jahre Erster Weltkrieg“, deren Schwerpunkt auf Obertshausen und Hausen liegt, wird am morgigen Freitag, 12. September, um 19 Uhr im Werkstatt-Museum in der Karl-Mayer-Straße 10 eröffnet. Dr. Alexander Schüller gibt zu Beginn eine kurze Einführung. Das Museum ist an jedem zweiten und vierten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr für Besucher geöffnet.

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