Basteln, spielen und löschen

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Trubel in der Fahrzeughalle: Rund 40 Mädchen und Jungen kamen zur Gründung der Kinderfeuerwehr.

Obertshausen ‐ Diesen Ausflug werden sie nicht so rasch vergessen. Einmal am Steuer des Drehleiterfahrzeugs sitzen, eine Feuerwehrspritze in die Hand nehmen oder einen Helm überstülpen: Rund 40 Kinder tummelten sich am Samstagnachmittag im Stützpunkt an der Waldstraße. Von Michael Prochnow

Anlass des Gewimmels war die Gründung einer Kinderfeuerwehr. Doch mit einem solch großen Ansturm hatten weder Stadtbrandinspektor Markus Widzcisk noch der am Vorabend gewählte Wehrführer Leith Aissa oder gar die frisch gebackene Kinderfeuerwehrwartin Sandra Müller gerechnet. Ein Dutzend Brandschützer hatte das erste Treffen generalstabsmäßig vorbereitet, eifrig Kuchen gebacken, Kaffee gekocht und Faltblätter gestaltet. Von den 70 Mädchen und Jungen, Müttern und Vätern in der Floriansstube waren die Aktiven in den dunkelblauen Ausgeh-Uniformen dennoch überrascht. Ein Problem stellte der unerwartete Anklang jedoch nicht dar, ein achtköpfiges Team bezog vor den Vitrinen mit Vereinsfahne und historischen Zeugnissen Aufstellung.

Neben Leiterin Müller sitzen mit Sandra Keibel, Sabine Widczisk und Sabrina Fornauf drei weitere Mütter im Boot. Letztere werde außerdem ihre Erfahrung als Erzieherin einbringen, informierte Kinderfeuerwehrwartin Müller. 1994 zählte sie zu den Mitbegründern der Jugendfeuerwehr in Seligenstadt-Klein Welzheim, wo sie später als Ausbilderin tätig war, bevor sie 1998 nach Obertshausen zog. Ihr Mann und zwei der drei Kinder gehören ebenfalls der Wehr an.

Der einzige Mann ist ein Schornsteinfeger-Lehrling

Einmal hinter dem Steuer eines Feuerwehrautos sitzen! Für viele Kinder ging am Samstagnachmittag ein Traum in Erfüllung.

Zum Team zählen auch die 19-jährigen Schülerinnen Isabelle Wenzel, Jeannine Grolig und Christina Wecker, die bei dem Brandschützern ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert. Der einzige Mann der Runde ist bislang der gleichaltrige Schornsteinfeger-Lehrling Tobias Gottlieb. Allen gemein ist eine umfassende und intensive Vorbereitung auf ihre neue Aufgabe. Der Stadtbrandinspektor erinnerte eingangs daran, dass der Feuerwehrdienst in hessischen Kommunen mit weniger als 100 000 Einwohner als Ehrenamt organisiert ist. Das sei vor allem für viele Bewohner mit einem Migrationshintergrund fremd, zeigte er im Gespräch mit unserer Zeitung Verständnis für die Zurückhaltung in der ausländischen Bevölkerung. Das vor einigen Jahren ergänzte Brandschutzgesetz erlaube nun auch, Kinder von sechs bis neun Jahren zu betreuen.

Terminplan fürs erste Halbjahr steht

„Sie sind so durch die Feuerwehr und eine zusätzliche Versicherung geschützt, die die Stadt Obertshausen für ihre Brandschützer abgeschlossen hat“, erläuterte Widczisk. Sandra Müller informierte zur Praxis, dass sich die Gruppe an den Samstagen ungerader Kalenderwochen, also alle 14 Tage treffen werde. Das etwa zweistündige Programm findet wechselweise in den Häusern in Hausen und Obertshausen statt, wobei die Helfer einen Fahrdienst zum Veranstaltungsort einrichten werden.

Die Aktivitäten für das erste Halbjahr stehen schon. Am 5. Februar geht‘s mit dem gegenseitigen Kennenlernen los, am 19. steigt eine Schnitzeljagd im Feuerwehrhaus. Nach Faschingsparty und der Teilnahme am „Tag der sauberen Umwelt“ üben sie das Verhalten im Straßenverkehr sowie Brandfall und Grundlagen in Erster Hilfe. Dazu soll viel gespielt und gebastelt werden, Ausflüge zur Berufsfeuerwehr und zum Rettungshubschrauber sind geplant. Ein Übergang in die Jugendfeuerwehr mit zehn Jahren sei natürlich erwünscht, aber keine Voraussetzung, betonte Müller.

Geschenke brachten Florian Warnecke, der Zweite Vorsitzende des Feuerwehrvereins Hausen, und Stephan Bechstein, Vorsitzender des Fördervereins der Feuerwehr Obertshausen mit. Auch Parlamentschefin Heide Heß und weitere Politiker grüßten.

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