Beide Büchereien biegen sich pickepackevoll

Sprachkurs und James Bond

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Garantiert Leseratten (von links): Roger Winter, Heide Ottenroth, Christina Hellemann und Praktikantin Anastasia Heimfeld.

Obertshausen - Wenn sich Kultur und Bildung in Zahlen messen lassen, ist’s Zeit für den Jahresbericht der beiden Stadtbüchereien. Ein Blick zwischen bunte Schmökerrücken zeigt: Bürgermeister Roger Winter hat Grund zur Freude. Von Peter Back 

Denn die Kapazitäten der vollbepackten Regale sind erschöpft – und das gedruckte Wort noch immer beliebt. Wort ist Wort – ob gedruckt oder hinter Bildschirmglas. Immer mehr Bürger nutzen die Online-Ausleihe, aber auch die beiden Büchereien in Hausen und Obertshausen können sich nicht über leere Regale und Lesefaulheit beklagen. An der Tempelhofer Straße begrüßte Bürgermeister Roger Winter zur Präsentation des Jahresberichtes.

„Mit 74 072 verliehen Medien an beiden Standorten bewegt sich die Zahl auf dem Niveau des Vorjahres“, informiert Christina Hellemann, Leiterin der Stadtbücherei Obertshausen an der Kirchstraße. Bei näherer Betrachtung lasse sich allerdings ein Trend ausmachen, ergänzt Heide Ottenroth, die das Pendant in Hausen leitet: „Die im Sommer 2013 eingeführte Online-Ausleihe, kurz Onleihe, über die neben E-Books auch Zeitungen und Zeitschriften einsehbar sind, wird immer stärker angenommen.“ Allein im zurückliegenden Jahr haben sich die Klicks um 47 Prozent gesteigert. Mittlerweile laufen fast 13 Prozent der Ausleihe über diese Online-Plattform. Dies übertreffe den hessenweiten Schnitt um rund vier Prozentpunkte.

„Während früher viele Kinder um 15 Uhr an die Tür klopften, beginnt nun der Ansturm um 16.30 Uhr oder später“, beobachtet Hellemann eine Veränderung im Nutzerverhalten. Vor allem Grundschüler, die in großer Zahl die Nachmittagsbetreuung in Anspruch nähmen, seien davon betroffen. Die Öffnungszeiten bis 19 Uhr und am Montag in Obertshausen bis 20 Uhr kämen dem entgegen. Durch die Schulbetreuung bliebe außerdem weniger Zeit zum Lesen. Immerhin sei der Anteil von Kindern und Jugendlichen, die vorbeikommen, weiterhin sehr hoch. Allerdings verbrächten sie mehr Zeit beim Schmökern und Lesen in den Büchereien und würden weniger ausleihen, so Hellemann.

Mit Zuschüssen des Landes Hessen in Höhe von 12.500 Euro wurden an beiden Standorten zu etwa gleichen Teilen alte Medien ausgetauscht und ersetzt. Ausgeweitet wurde der Bestand an Medien, die das Erlernen der deutschen Sprache fördern, darunter Sprachkurse, Bildwörterbücher, Texte in einfachem Deutsch und Wörterbücher, vor allem in Persisch und Arabisch. Zahlreiche Flüchtlinge kommen und nutzen die Büchereien als Lern- und Rückzugsort, auch Ausleihen ist beliebt. „Inzwischen sind beide Büchereien bis an ihre Kapazitätsgrenze gefüllt und erlauben keine Erweiterung des Bestandes“, bedauert Hellemann. Während in Hausen rund 24.000 Medien ausgeliehen werden können, sind es in Obertshausen 20.000. Drei Festangestellte, verteilt auf zweieinhalb Stellen, werden von fünf Aushilfen unterstützt. Bei den elektronischen Medien seien Spielfilme der Renner. „Der jüngste James Bond ist diese Woche frisch eingetroffen und kann ab sofort ausgeliehen werden“, freut sich Hellemann. Mit 110 Veranstaltungen, darunter Vorlese- und Bastelnachmittage, wurde die Rekordzahl aus dem Jahr 2013 eingestellt.

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Ein Ziel der Kommunalpolitik: Doppelstrukturen abschaffen. Zum Beispiel Rathaus, vielleicht Feuerwehr, sicher Bücherei. So steht’s zumindest im Haushaltsplan. Auf die drohende Kürzung angesprochen, verwies Winter auf eine Projektgruppe, zu der neben Fachbereichsleiter Jürgen Hofmann auch Hellemann und Ottenroth gehören. Sie soll ein Konzept erarbeiten, das möglichst viele Interessen berücksichtigt. „Ziel ist es, Medien anzubieten und trotzdem ein gut erreichbares Angebot für die Bevölkerung in beiden Stadtteilen zu ermöglichen“, gab Winter einen vielversprechenden Ausblick.

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