Erstes Picknick der Kulturen lockt viele Besucher in den Beethovenpark

Beim gemeinsamen Essen Kontakte knüpfen

Gespräche beim gemeinsamen Essen: Mit dem bunten Picknick der Kulturen wollen Obertshausens Flüchtlingshelfer Menschen in Kontakt bringen. Foto: m

Selbst die Frauen, die extreme Temperaturen aus ihrer Heimat gewohnt sind, folgen mit ihren Decken dem Schatten der Bäume im Freizeitpark Beethovenstraße. 

Obertshausen - Einige der sieben Gruppierungen, die sich um die Integration von Migranten bemühen, haben Pavillons oder Sonnenschirme aufgespannt. Und alle haben zum „bunten Picknick“ neben süßen und deftigen Leckereien Mineralwasser in allen Variationen gekühlt.

Bozica Bilobrk hat die Situation ihrer Kunden am eigenen Leib erfahren. Die Verwaltungsfachfrau aus der Servicestelle „Besser älter werden“ kam in den 90er-Jahren mit ihren Eltern als Flüchtling aus Bosnien-Herzegowina nach Frankfurt. Sie musste nach Livno zurückkehren, konnte aber später zur Ausbildung wieder nach Hessen kommen. Heute hilft sie Senioren, Arbeitslosen und Geflohenen bei der Beantragung von Kindergeld und Vorschuss zum Unterhalt. Sie und ihre Kollegen aus dem Rathaus Beethovenstraße unterstützen bettlägerige Hilfesuchende selbst zu Hause.

Kontakte für Hilfsbedürftige: Verschiedene Organisationen organisieren Picknick

Beim „Papierkrieg“ unterstützt auch das Büro des Diakonischen Werks Offenbach-Dreieich-Rodgau in der Erzbergerstraße 12. Aljoscha Bodek und seine beiden Kollegen helfen Zugewanderten bis zu zwei Jahre nach der Anerkennung bei den umfangreichen bürokratischen Prozessen. „Die Formulare sind oft undurchsichtig, ohne Kundigen wären viele Menschen hoffnungslos verloren“, weiß der Fachmann. Derzeit helfe das Trio bei Familiennachzug, Vermittlung in Schule, Ausbildung und Beruf.

Das ist auch der Schwerpunkt der katholischen Pfarrgemeinde Hausen. Thomas Picard und Mitglieder der Kolpingfamilie begleiten und betreuen Migranten, suchen Wohnungen, stellen den Kontakt zu Pro Arbeit her, vermitteln Praktika und Arbeitsstellen. Dem Unternehmer kommen da seine vielfältigen Kontakte zugute, doch selbst ihn erstaune die Formularflut, die von heiratswilligen Migranten bewältigt werden müsse.

Eine Eritreerin bereitet Kaffee, hat Popcorn und ein Gebäck aus Mehl, Salz und Wasser mitgebracht. Günter Seib, bei dem mehrere Geflohene leben, wollte ursprünglich Cevapcici grillen, was im Park verboten wurde. Also briet er die pikanten Röllchen bereits daheim und serviert sie beim Picknick. Plätzchen und Kekse gibt es am Stehtisch des Türkisch-islamischen Kulturvereins. Mehr als 40 Migranten kommen zum Freitagsgebet, teilt Mehmet Kaya, der Imam der Gemeinde in der Alexanderstraße, mit. Viele blieben auch zum Tee oder um Billard zu spielen, ergänzt Oguz Eroglu vom Jugendvorstand. „Das Problem sind die unterschiedlichen Sprachen“, bemerken die Männer.

Wunsch nach Hilfe durch Politik: Integration fängt jetzt erst an

Dem versucht Elena Pisapia mit Unterstützung von Ehrenamtlichen abzuhelfen. Die Integrationsbeauftragte der Malteser initiierte ein „Frauenzimmer“ mit Angeboten zum Nähen und Kochen sowie einen Ausflug zu den Märchen-Festspielen. „Wir wollen Frauen stärken, sie über ihre Rechte informieren“, sagt sie. Dazu lädt der Frankfurter Verein Berami, der bei der beruflichen Integration begleitet, zu einer Veranstaltung am 28. August ins Malteser-Haus ein. Vor allem aber sucht Koordinatorin Elena Pisapia weitere Familienpaten und neue Helfer für die Fahrradwerkstatt in der Gemeinschaftsunterkunft Herrnstraße. Das Radfahren ist bei den neuen Mitbürgern sehr beliebt, obwohl sie es aus ihren Heimatländern kaum kennen. Einige Flüchtlinge engagieren sich bereits ehrenamtlich, sie wollen „etwas zurückgeben“, sagt die Hauptamtliche. „Wir wünschen uns mehr Hilfe durch die Politik“, doch die Volksvertreter zögen sich zurück. „Dabei geht es jetzt erst richtig los, jetzt fängt die Integration an.“

Auch beim Ausländerbeirat: Er stellt ein weiteres Fußballturnier auf die Beine und bereitet die Wahl 2020 vor. Da könnten dann auch einige Geflüchtete kandidieren, sagt Vorsitzender Arif Ergüven.

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