Besonders lästig sind die Kippen

Obertshausener Umweltschützer sammeln Weggeworfenes wieder ein

„Einfach bücken“ nennen die Initiatoren ihre Aktion, achtlos Weggeworfenes einzusammeln.
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„Einfach bücken“ nennen die Initiatoren ihre Aktion, achtlos Weggeworfenes einzusammeln.

Geraucht wird immer noch. Schaut man sich die Ausbeute der ehrenamtlichen Müllsammler an Obertshausener „Hotspots“ an, gelangt man zu diesem Schluss: Die Teilnehmer an der Aktion „einfach bücken“ stellen eimerchenweise Kippen auf dem Meininger Platz ab. Am Samstag haben die emsigen Naturfreunde wieder mit Picker und Plastikbeutel ausgestattet öffentliche Flächen durchforstet, beiderseits des Bahnhofs sowie rund um Schulen, Waldkirche, Einkaufszentrum, Bad- und Heusenstammer Straße.

Obertshausen – Undine Zimmer hat die Initiative im Januar des vergangenen Jahres nach dem Vorbild einer Aktion im benachbarten Heusenstamm gegründet. Zusammen mit Tatjana Schuh pflegt sie den Internetauftritt und organisiert das zweistündige Sammeln: Wegen der Verordnungen zur Pandemie haben die Frauen fünf Treffpunkte rund um die S-Bahn-Station festgelegt. In der Regel ist eine Familie, ein Haushalt, mit einer weiteren Person losgezogen. Andere sind zum Fuß- und Radweg an der Brücke über die Autobahn gefahren.

Gegen 12 Uhr bringen die Gruppen ihre „Beute“ in blauen Säcken auf das Areal, das nach der Partnerstadt in Thüringen benannt ist. 42 Beutel stehen schließlich auf dem Pflaster bereit, ein aufgetackerter Hinweis unterstreicht: „Hier haben wir für Sie sauber gemacht.“ Der Abfall werde heute von einem Team des Bauhofs abgeholt, erläutert die Initiatorin. „Die Zusammenarbeit läuft hervorragend“, lobt sie. „Über den Mängelmelder klappt’s manchmal noch schneller“, sagt sie über die Kontaktaufnahme übers Handy.

Von der städtischen Einrichtung an der Leipziger Straße hat die Gruppe auch weitere Picker erhalten. Sie selbst verfügt bislang nämlich nur über 30 Greifer, und am Samstag sind mehr als 50 Leute dem Aufruf gefolgt. Die meisten gehören der „Kirche am Start“ an, die christliche Gemeinschaft eröffnet demnächst einen Kindergarten gegenüber dem Hausener Rathaus. „Wir wollen uns in die Stadt einbringen“, erklärt eine Frau aus dem christlichen Kreis in Offenbach.

Sogar ein Teppich wird gefunden

Ein Quartett kehrt mit einem modernen Bollerwagen auf einem Metallgestell zurück. „Den können wir gut gebrauchen“, kommentiert die Organisatorin. Auch ein Fahrradhelm zählt zu den Fundstücken. „Durch Corona ist es mehr geworden“, resümiert Undine Zimmer. Viele Obertshausener bestellen sich offenbar Pizza und andere Gerichte und „entsorgen“ die Verpackungen in Parks, am Straßenrand oder im Gebüsch. Ein anderes Team schleppt einen Teppich an, dazu landen Tüten mit Klamotten auf dem Platz an den Gleisen. Am lästigsten aber seien die Zigarettenkippen. Sie blieben in den Ritzen der Pflastersteine hängen und sind dann schwer zu greifen, erläutert eine Mutter, deren Kinder gern noch weiter gesammelt hätten.

„Einfach bücken“ hat sich um Fördergeld beworben, um weitere Ascher im Stadtgebiet installieren zu können. Außerdem sollen Plakate zur Müllvermeidung aufgehängt werden. Seit September bildet der „harte Kern“ der Umweltschützer eine Fachgruppe der Naturfreunde. Das verleihe ihnen Versicherungsschutz und die Möglichkeit, Spendenquittungen auszustellen, erläutert Tatjana Schuh. Die Aktionen finden mal samstags, mal sonntags statt. Der nächste Sammeltermin ist am 24. April. Dann ist die Stadt Obertshausen Veranstalterin. (Michael Prochnow)

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