Erkundung in Caravaca

Obertshausener besuchen Partnerstadt

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Eine Woche lang schien die ganze Stadt auf den Beinen zu sein - und die Gäste aus Obertshausen gleich mit.

Obertshausen/Caravaca - „So viele Kinderwagen hab’ ich lange nicht mehr auf der Straße gesehen!“ Die Besucher aus dem fernen Alemania haben nicht nur Augen für die prächtigen Kostüme der „Moros“ und „Cristianos“. Von Michael Prochnow

Die Kreationen und glitzernden Stoffe der Araber- und Christen-Gruppen in den Fiestas kosten freilich ein Vermögen. In den wenigen Läden, die in der Festwoche geöffnet haben, finden Topmoderne Kleidung – halb zu teuer wie daheim. Eine Woche lang genossen rund 30 Obertshausener die Charakterzüge der befreundeten Stadt in der Region Murcia.

Die offiziell von beiden Kommunen angestrebte Städtepartnerschaft solle sich erst in Begegnungen zwischen den Bürgern entwickeln, hieß es nach dem Antrag des Parlaments von Caravaca für eine Verschwisterung. Ein Freundeskreis wurde gegründet, der nun zusammen mit dem Volksbildungswerk die erste öffentlich angebotene Reise organisiert hatte. Die Teilnehmer gehören den reiferen Jahrgängen an und staunten an den sechs Tagen nicht schlecht über die Ausdauer südländischer Feiern.

Weinpferde werden gefeiert

In Caravaca werden einerseits die Weinpferde gefeiert, die der Legende nach mit Weinschläuchen in die Burg geschickt wurden, wo christliche Einwohner von den maurischen Besatzern gefangen gehalten wurden. Immer am 1. Mai werden die vierbeinigen Kandidaten von ihren „Penas“, ihren Stallgruppen, mit lautstarken Gesängen auf der Gran Via und auf einem Platz in der Altstadt vorgeführt. Am 2. Mai rennen dann vier Begleiter mit den Tieren den von Zuschauern dicht belagerten Weg zur Burgkirche hinauf. Abends bewegen sich Prozession mit dem heiligen, doppelarmigen Kreuz durch die Stadt. Sie verehren das goldene Zeichen, das einem Priester in der Gefangenschaft erschienen sein soll. An den Festtagen werden auch die Kämpfe zwischen Arabern und Christen nachgestellt, große Gruppen ziehen mit prächtigen Kostümen und lautstarken Musikkapellen durch die Straßen.

Empfang am stilvollen Rathaus

Bürgermeister Domingo Aranda Munoz empfing die Gäste im stilvollen Rathaus an der Plaza del Arco. Reiseleiter Luis Galvez, gegenüber an der Pfarrkirche San Salvador geboren, berichtete schon von den nächsten Besuchsplänen: Spanisch-Schüler der Hesse-Schule bereiten einen Austausch vor, Musiker planen Auftritte, im nächsten Jahr führt eine Wallfahrt in die heilige Stadt.

Die Gruppe, die im Kloster-Hotel mitten im Geschehen untergebracht war, besuchte eine Bodega im Weinort Jumilla, ließ sich Murcia zeigen und feierte ein Pontifikalamt mit, an dem auch Geistlicher Rat Pfarrer Hans-Jürgen König beteiligt war. Die Hessen beeindruckte, wie intensiv und aufwändig die Caravaquenos feiern. Eine Woche lang scheint die ganze Stadt auf den Beinen zu sein. Doch freie Plätze auf den Tribünen spiegeln auch: Vielen Spaniern geht’s nicht so gut, viele sind arbeitslos, Firmen geschlossen.

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