Kleines Schild, große Wirkung

Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg lauern im Wald

+
Mit mehreren Schildern macht die Stadt darauf aufmerksam, im Gebiet die Wege nicht zu verlassen.

Obertshausen - Tief verborgen unter der Erde lauern auch in Obertshausen Überreste aus dem Zweiten Weltkrieg. Mit mehreren Hinweisschildern macht die Stadt auf die Explosionsgefahr aufmerksam. Von Patrick Eickhoff 

Der Heusenstammer Hans Marx, der regelmäßig im Waldstück gegenüber des Gewerbegebiets Herbäcker unterwegs ist, macht dennoch auf ein Problem aufmerksam. Sie schlummern tief in der Erde. Still, unbemerkt. Und brandgefährlich. Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg stellen auch heute noch eine Gefahr dar und sorgen in ganz Deutschland für Räumungen und Entschärfungen. Auch in Obertshausen ist diese Gefahr nach wie vor präsent. „Achtung: Verlassen der Wege verboten! Explosionsgefahr“ steht auf den Warnschildern, die die Stadt am Waldstück gegenüber des Gewerbegebiets Herbäcker angebracht hat.

„Verlassen der Wege verboten“, heißt es auf den Schildern am Rande des Waldstücks.

„Das reicht meines Erachtens nach nicht aus“, kritisiert der Heusenstammer Hans Marx. Er sei regelmäßig zum Brombeeren-Pflücken in diesem Gebiet unterwegs und kenne die Schilder. „Wer aber nicht aus der Gegend kommt, der lässt vielleicht seinen Hund mal laufen – und das ist gefährlich.“ Die Angst ist nicht unberechtigt. So entdeckte im Juli 2014 eine Spaziergängerin auf dem Gelände an der Landesstraße 3117 eine 15 Kilogramm schwere Flüssigkeitsbrandbombe. Einen Monat später wurde nur ein Stück weiter an der A3 zwischen Obertshausen und Offenbach eine Zehn-Zentner-Fliegerbombe gefunden (wir berichteten). Deren kontrollierte Sprengung durch Experten des Kampfmittelräumdienstes hinterließ einen etwa 20 Meter großen Krater in der Autobahn. Doch die Stadt hat reagiert. Seit November 2017 ist eine Darmstädter Fachfirma damit beauftragt, das Gebiet abzusuchen. Raketen, Munition und kleine Handgranaten seien bei vergangenen Sondierungsmaßnahmen schon gefunden worden, informierte die Stadt zu Beginn der Maßnahme.

Mehrere Schilder rund ums und im Gebiet weisen mittlerweile auf die Gefahr der potenziell lauernden Bomben hin. Doch trotz der Hinweise, auf den Wegen zu bleiben, spielten immer wieder auch Kinder und Jugendliche im Wald, nutzten teilweise die Gebiete mit Bombentrichtern als BMX-Bahn, wie die Fachleute bei ihren Einsätzen im vergangenen Jahr beobachteten. Davor warnt auch Hans Marx: „Es sollte mehr auf das Thema aufmerksam gemacht werden.“ Erster Stadtrat Michael Möser appelliert an die Vernunft von Spaziergängern und Waldbesuchern: „Solange die Sondierungsmaßnahmen noch nicht abgeschlossen sind, sollte man das Gebiet besser meiden.“ Außerdem sollten Eltern ihre Kinder über die Gefahren aufklären.

So begann der Zweite Weltkrieg

Wann das Areal wieder freigegeben wird, das steht noch nicht fest. Die Stadt informiert, dass die Maßnahme im Wald solange laufe, bis das Gebiet komplett gesichert ist. Dementsprechend werden auch keine Teilstücke geöffnet. „Das ist gut so, allerdings wäre in meinen Augen ein Zaun angebracht, um Tiere oder fremde Spaziergänger noch mehr zu sichern und auf die Gefahr hinzuweisen“, ist der 81-jährige Marx überzeugt. Er werde dennoch weiter Brombeeren pflücken. „Natürlich nur auf dem sicheren Weg“, sagt er und lacht.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare