Bücherei der Kita Robert-Stolz-Straße

Führerschein fürs Ausleihen

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Märchen, Ritter, Autos – in der neu eingerichteten Bücherei der Kita Robert-Stolz-Straße steht zu fast jedem Thema ein Buch im Regal. Mit dem Angebot will das Team die Sprachentwicklung der Kinder fördern – und Verantwortungsbewusstsein lehren. Erzieherin Eva-Maria Uschmann liest in der Kita-Bücherei viel Zeit für die Kinder.

Obertshausen - Viktor klettert auf das braune Sofa. In der Hand hält er ein Buch. Vorsichtig, als ob es kaputtgehen könnte, legt er es vor sich auf den Holztisch. Ein Blick zu Erzieherin Eva-Maria Uschmann, die sich neben ihn gesetzt hat, dann schlägt er das Bilderbuch auf. Von Lena Marie Jörger

Es dreht sich um die Polizei. Viktor hat es von zuhause mitgebracht. Nicht unüblich in derKindertagesstätte Robert-Stolz-Straße. Und das obwohl die städtische Einrichtung nun eine eigene Bücherei hat. „Aber viele Kinder bringen einfach ihre Lieblingsbücher mit“, erzählt Uschmann. Sie betreut die Bibliothek, die auf Wunsch des Erzieherinnen-Teams eingerichtet wurde. „Wir haben uns überlegt, dass wir gerne etwas für das ganze Haus hätten, ein gruppenübergreifendes Angebot“, erläutert Uschmann. Mit Mitteln der Stadt und aus dem Bundesprogramm „Frühe Chancen“ wurde der Wunsch realisiert.

Die Kita an der Robert-Stolz-Straße ist neben den Einrichtungen an der Rodaustraße und Im Trinkborn die dritte in Obertshausen, die sich an der Offensive „Frühe Chancen“, gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, beteiligt. Seit dem vergangenen Jahr sind alle drei Schwerpunkt-Kitas Sprache und Integration. Außerdem wurden sie im Qualifizierungsprogramm „verbal – Sprachliche Bildung im Alltag“ zertifiziert. Die neu eingerichtete Bücherei ist nun ein weiterer Baustein, mit dem die Kita Robert-Stolz-Straße die Sprachentwicklung der Kinder fördern will. Dazu musste Uschmann aber erst einmal eine Fortbildung machen. „Da ging es um die Frage, wie man überhaupt mit Bilderbüchern umgeht“, erläutert sie. Denn Vorlesen allein helfe den Kindern nicht bei der Entwicklung der Sprache. „Stattdessen muss ich warten, bis die Kinder selbst anfangen zu erzählen.“ Uschmann nimmt sich deshalb viel Zeit für die Kleinen. An drei Vormittagen in der Woche öffnet sie die Tür zu dem gemütlichen Raum im hinteren Teil des Gebäudes. Die Kinder können dann frei entscheiden, ob sie dort hingehen möchten.

Buchmesse 2014: Impressionen

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Die Bücherei hat einen positiven Nebeneffekt: „Die Kinder lernen, wie sie verantwortungsvoll mit den Büchern umgehen müssen und dass sie sie wieder an den Platz zurückbringen müssen“, betont Uschmann. Wer das alles kann, bekommt von ihr den „Bücherei-Führerschein“. Damit darf das Kind die Bücherei dann auch außerhalb ihrer Öffnungszeiten besuchen. „Die Kinder kennen das Prinzip, weil sie vorher oft in der Stadtbücherei waren“, sagt Uschmann. Nur die Jüngeren bräuchten anfangs Unterstützung von einer Erzieherin oder dem Geschwisterchen. „Allein ist es für sie eher schwierig, ihre Gruppe, die ihnen Sicherheit gibt, zu verlassen, um zu mir zu kommen.“ Wenn sie einmal im Monat zum Bilderbuchkino lädt, wird der Platz aber schon mal knapp. „Das kommt richtig gut an“, weiß die Erzieherin. Und wie das im Kino eben so ist, gibt es auch Popcorn dazu.

Wer gut erhaltene Bücher für Kinder von drei bis sechs Jahren spenden möchte, nimmt unter Tel.: 06104/79090 Kontakt auf.

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