Erster Arbeitstag als Bürgermeister

Jetzt ist Winter

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Bisschen kahl noch, das Büro, aber Obertshausens neuer Bürgermeister Roger Winter wird den Gestaltungsspielraum wohl zu nutzen wissen.

Obertshausen - Der gestrige Morgen begann für Roger Winter nicht ungewöhnlich. 7.30 Uhr raus aus dem Bett, Brötchen holen bei Bäcker Barz, Zeitung lesen, alles wie immer. Vielleicht mal abgesehen davon, dass der Mann gestern seinen ersten Arbeitstag als Obertshausener Bürgermeister hatte. Von Lena Marie Jörger 

Kein kaltes Wasser zwar, aber zwangsläufig auch keine Badewanne. Der engste Mitarbeiterkreis hat sich um ihn geschart, der erste Termin sind gleich die Leute von der Zeitung. Winter weiß, wo er da die Grenze zu ziehen hat zwischen Arbeitsbesprechung und Augenzwinkern. Der Bildband „Bürgermeisterzimmer in Deutschland“, jetzt noch einer der wenigen Einrichtungsgegenstände außer Tisch und Stuhl und Schrankwand, ist Augenzwinkern. Muss es sein. Was in dem Buch zu sehen ist, hat mit Winters neuer Wirkungsstätte im ersten Stock des Hausener Rathauses wenig zu tun: Stuck, Grünpflanzen, eine Holzgiraffe auf den Fotos; altbackene Bescheidenheit in Winters Amtszimmer. Der Papierkorb ist noch leer, die Wände sind es auch. Auf dem Boden Unterlagen in einer grünen Plastikkiste, dahinter die Laptoptasche an der Wand. Viel Gestaltungsspielraum.

Nur das Bücherregal ist schon gut gefüllt. „Bücher schaffen für mich Wohlfühlfaktor“, erklärt Winter und stellt die Bürgermeisterzimmer zurück an ihren Platz. Nebenan stehen andere Bildbände und Fachliteratur. Keine Romane. Viel mehr persönliche Gegenstände brauche er nicht, sagt er. „Ein Arbeitszimmer ist schließlich kein Wohnzimmer.“ Und so oft wird der Rathauschef es wohl auch nicht zu Gesicht bekommen. Sein Terminkalender ist längst gut gefüllt. „Erst einmal überfällt einen das natürlich – aber im positiven Sinne“, formuliert er. Neben den ersten Dokumenten, die es zu unterschreiben gilt, stehen kurze Gespräche mit den Mitarbeitern der Stadtverwaltung an, „damit ich einen Einblick bekomme.“ Besonders wichtig sei es ihm, dass sich Arbeit und Spaß nicht ausschließen. Nicht mal ausschließen dürfen. „Wir haben eine riesige Palette an Aufgaben, aber wir können etwas bewegen.“

Roger Winter ist neuer Obertshausener Bürgermeister

Roger Winter ist neuer Obertshausener Bürgermeister

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„Motivator und Macher“

Mit seinem Vorgänger Bernd Roth, der nach zwei Amtsperioden nicht mehr angetreten war, und dem letztlich unterlegenen Gegenkandidaten, dem nun als Erster Stadtrat weitermachenden Hubert Gerhards, habe es mehrfach Gespräche gegeben. „Ich glaube, die Zusammenarbeit wird gut werden, das werden wir schon hinkriegen.“ Winter hat viel vor, aber nicht viel Geld. Demnächst will er den Internetauftritt der Stadt zeitgemäßer gestalten lassen. Eine Motivationsgeschichte, auch für die Verwaltung. Ebenfalls wichtig: das schwierige Thema Straßenbeiträge, mit dem sich zurzeit eine Arbeitsgruppe auseinandersetzt. „Die Beiträge sind nicht gerade meine Lieblingserfindung“, gibt Winter zu - massig Ärgerpotenzial. Aber auch das gehört eben zum neuen Job des 44-Jährigen. Er übernimmt, wie Vorgänger Roth, das Dezernat Finanzen und das Hauptamt. Die weitere Verteilung der Zuständigkeiten will er Anfang nächster Woche verkünden. Erst sollen die Mitarbeiter Bescheid wissen.

Für Sorgen und Anregungen wolle er immer ein offenes Ohr haben. „Meine Tür steht allen Bürgern und Mitarbeitern offen.“ So oft es gehe, wolle er auch bei Jubiläen und Festen vorbeischauen. Auch wenn es „erste Aufgabe eines Bürgermeisters ist, die Verwaltung zu führen.“ Viel zu tun also für den Neuen im Rathaus. „Das ist beruflich schon ein gewaltiger Sprung“, sagt er und ergänzt schmunzelnd: „Mittlerweile winken mir die Leute zu, wenn ich vorbei jogge.“ Besonders nervös am ersten Bürgermeistertag? „Im Vorfeld habe ich mir natürlich Gedanken gemacht.“ Jetzt ist davon nichts mehr zu spüren, Roger Winter startet innerlich entspannt in seine sechs Jahre. „Und vielleicht komme ich zwischendurch ja auch noch dazu, meine Sachen auszuräumen.“

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