Belastungen Thema bei Bürgerversammlung

Bebauung des Ymos-Geländes: Bis zu 35 Laster pro Tag

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Ausführlich erläutert der Verfahrensbevollmächtigte Dr. Heinz Dietrich den Bürgern die Bauplanung zum Ymos-Areal.

Obertshausen - Es ist eine Marathonaufgabe, die Stadt und Cura GmbH zusammen absolvieren. Am Ende soll das ehemalige Ymos-Gelände in neuem Glanz erstrahlen: Auf dem mit Lösungsmitteln kontaminierten Gelände sollen Wohnungen und Gewerbeflächen entstehen (wir berichteten). Von Burghard Wittekopf 

Eigentlich ist es eine Situation, bei der am Ende alle Beteiligten gewinnen. Denn die Bürger werden von einer einsturzgefährdeten, tickenden Zeitbombe und einem optischen „Schandfleck“ befreit, die Stadt schafft dringend benötigten Wohnraum und die Cura GmbH, die als Hauptaktionärin der insolventen Ymos AG Eignerin des Geländes ist, kann das defizitäre Grundstück bebauen und den neuen Wohnraum gewinnbringend vermieten. Doch es gibt nach wie vor Unwägbarkeiten und Anwohner befürchten eine starke Verkehrsbelastung während der Abriss- und Bauphase. Bei einer Bürgerversammlung mit anschließender Fragestunde, zu der Stadtverordnetenvorsteherin Julia Koerlin eingeladen hat, informieren sich viele Interessierte im großen Saal des Rathauses an der Schubertstraße über die Entwicklung rund um das Ymos-Firmenareal. Das Projekt stellt der Verfahrensbevollmächtigte Dr. Heinz Dietrich vor. Die Planung sei in sechs Abschnitte unterteilt, die nacheinander oder parallel ablaufen.

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Abschnitt 1 ist der „Abbruch/Rückbau“. Dietrich sieht die Vorarbeit dazu in einem sehr fortgeschrittenen Stadium. Die eigentliche Bodensanierung (Abschnitt 2) erfolge nach dem Abriss. Die Verkehrsanalyse und die Betrachtung von Lärmkonflikten (Abschnitt 3) führen zusammen in das Städtebauliche Konzept (Abschnitt 4) und dies wiederum in den finalen Bebauungsplan (Abschnitt 5). Der Neubau sei das zu erreichende Ziel. „Wir schätzen, dass wir mit dem Abbruch 2019 beginnen werden.“ Die Sanierung plant er für 2020 ein und der Neubau werde in 2021 realisiert. Größter Knackpunkt sei derzeit die Finanzierung. Der entscheidende Staatsvertrag mit dem Regierungspräsidium sei noch nicht unterschrieben. Dietrich berichtet von einem finalen Treffen Anfang Oktober in Darmstadt, bei dem die letzten Punkte besprochen und protokolliert wurden.

Er sei davon ausgegangen, dass alle offenen Punkte geklärt seien und der Vertrag bis Jahresende unterschrieben ist. Doch wenige Tage nach dem Treffen tauchten neue Fragen auf, die ihn irritiert haben. Da es sich darüber hinaus um eine Altlastensanierung handelt, müssen die finanziellen Mittel zur Bodendekontaminierung vom Land Hessen gestellt werden. „Das Investitionsbekenntnis der Cura GmbH ist da und liegt dem Umwelt- und dem Finanzministerium seit zwei Monaten vor, aber wir warten auf Antwort“, sagt der Verfahrensbevollmächtigte. Die Stadt hat bereits erklärt, dass sie keine Mittel zur Finanzierung beiträgt. Auskunft über die Abbruch- und Aushubphase und die Bodenbelastung liefert Sanierungsexperte und Geologe Dieter Bohlen. „Die Abbruchphase, bei der die Gebäude schrittweise zerlegt und abtransportiert werden, werden wir sehr gewissenhaft und möglichst geräuschlos durchführen“, beruhigt er.

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Die Aushubphase, bei der der kontaminierte Boden ausgebaggert, auf Lkw verladen und abtransportiert wird, werde spürbarer. Während der Aushubphase rechnet er mit einer durchschnittlichen täglichen Belastung von 30 bis 35 Lastern. Geeignet als Ausfallstraße sei nur die Bürgermeister-Mahr-Straße. Bedenken der Anwohner, Bauschäden könnten entstehen, beantwortet Bohlen: „Wir werden ein Beweisgutachten erstellen und Höhenbolzen in die Häuser einbauen“, erklärt er. Damit lasse sich eine eventuelle Beschädigung leicht feststellen. Die Bedenken zum Lärm können die Experten nicht zerstreuen. Bohlen: „Die Fahrer erhalten klare Ansagen, wo und wie schnell sie fahren dürfen.“

Viele Beiträge an diesem Abend drehen sich um die Lärmbelastung und den Verkehr. Die Frage, wie viel bezahlbarer Wohnraum entstehen soll, wird vage beantwortet: „Wir planen mit einer Quote von 30 Prozent bezahlbaren Wohnraums“, sagt Dietrich, wobei er nicht erläutern kann, was bezahlbarer Wohnraum sei: Es gibt keine belastbare Formal dafür. Viele Fragen werden auch nach dem Projekt selbst gestellt und ob es noch scheitern kann. „Ich gehe davon aus, dass das Projekt realisiert wird“, sagt Dietrich.

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