Ellenbogengruß statt Umarmung

Corona: So gehen Bewohner und Betreuer im Behindertenwohnheim mit dem Virus um

Unter erschwerten Bedingungen leben auch die Bewohner im Wohnverbund der Behindertenhilfe Offenbach in der Corona-Zeit. 
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Unter erschwerten Bedingungen leben auch die Bewohner im Wohnverbund der Behindertenhilfe Offenbach in der Corona-Zeit. 

Mit einem Aufruf bittet die Behindertenhilfe Offenbach derzeit um Mundschutzspenden. Die Arbeit, die in den verschiedenen Wohnanlagen des Verbundes geleistet wird, ist besonders nah an den Menschen – wodurch das Infektionsrisiko erhöht ist. 

  • Bewohner und Betreuer der Wohnheime der Behindertenhilfe Offenbach trifft die Corona-Krise hart. 
  • Durch das Virus müssen sie sich auf einen neuen Alltag einstellen - viele Gespräche helfen. 
  • Besonders über Ostern fällt das strikte Besuchs- und Kontaktverbot schwer. 

Obertshausen – In der Stätte an der Obertshausener Adenauerstraße sind manche Bewohner auf eine Rundumpflege angewiesen. Die üblichen Begrüßungsformen haben sich geändert: Statt herzlicher Umarmung ist man nun auf einen Ellbogengruß umgestiegen. „Gerade Menschen mit Downsyndrom sind kuschelfreudig und mussten sich umgewöhnen“, erläutert Jella Müller, stellvertretende Leiterin des Wohnheimes.

In vielen geduldigen Gesprächen hat das Personal die Bewohner aufgeklärt. „Die einen begreifen es eher als die anderen, aber sie unterstützen sich auch gegenseitig“, berichtet Müller. Solidarität im kleinen Rahmen.

Positive Stimmung: Die Bewohner der Behindertenwohnanlage halten in der Corona-Krise zusammen

Insgesamt herrsche eine positive Stimmung an der Adenauerstraße. „Am Anfang war es natürlich auch befremdlich, dass die Betreuer plötzlich einen Mundschutz tragen“, berichtet Müller, „nach der Erklärung haben wir ihnen aber auch welche angeboten – und manche nutzen das auch“. Das schafft auf beiden Seiten ein Gefühl der Sicherheit. Richtige Angst wegen der Coronavirus-Pandemie habe aber zu keiner Zeit in der Wohnanlage geherrscht. „Wir haben reagiert und Ängste schnell eingedämmt“, sagt Müller. Mit viel reden und gelassen bleiben meistern Betreuer und Bewohner die Situation gemeinsam.

Mit Ritualen gegen das Coronavirus: Der Alltag im Behindertenwohnheim ändert sich

Das richtige Händewaschen wurde eifrig trainiert und die neuen Begrüßungsrituale einstudiert. „Unsere Ergebnisse haben wir zusammen mit den Bewohnern auf Plakaten gesammelt und in den Fluren aufgehängt“, erzählt die Leiterin. Insgesamt, so vermutet sie, kommen die Bewohner auch deswegen gut mit den Maßnahmen zurecht, weil klar ist, dass sie nicht für immer so bleiben. Und mit der Ungewissheit über die tatsächliche Dauer müsse schließlich jeder leben.

Auch für die Bewohner ist der Alltag nun ein anderer: Viele der jungen Erwachsenen gehen eigentlich einer Tätigkeit in den Hainbach-Werkstätten nach. Doch diese sind geschlossen. Auch die anstehenden Feiertage stehen unter keinem guten Stern: Das Wohnheim bleibt für Besucher zu.

Maßnahmen gegen Corona: Das Kontaktverbot über Ostern fällt schwer

„Das ist für beide Seiten doof“, sagt Stefanie Moritz-Hagen, Vorsitzende des Fördervereins des Heimes. Sie habe ihren Sohn in dieser Zeit zu sich nach Hause geholt. „In der Form kann sich das aber nicht jeder leisten“, weiß die Mutter.

Glücklicherweise hält sich die Sonne nicht daran, Abstand zu halten. Bei gutem Wetter ist es den Bewohnern zumindest möglich, sich im Hof der Wohnanlage aufzuhalten. Dort werden die Angebote rege genutzt, manche gehen mit ihren Betreuern spazieren. Die Zahl der Ausflüge hat sich jedoch nun auch reduziert. Da viele auf eine direkte Betreuung angewiesen sind, ist es schwierig umsetzbar, sich mit allen einmal die Beine zu vertreten. „Für acht Personen sind drei Betreuer zuständig, da kommt eben immer mal etwas zu kurz“, meint die Fördervereinsvorsitzende.

Die Wohnheime freuen sich zum Zeitvertreib in der Corona-Krise über Oster-Pakete

Mit Mundschutzmasken ist die Wohnanlage an der Adenauerstraße versorgt. Wie kann man trotzdem helfen? „Mit Überraschungskisten“, schlägt Moritz-Hagen vor. Darin könnte alles enthalten sein, das den Bewohnern die Zeit vertreibt: Puzzles, Hörspiele und -bücher. „Es ist schon eine Sonderherausforderung, über die Feiertage seine Familie nicht sehen zu können“, findet Moritz-Hagen, „da wäre es doch zumindest schön, den Bewohnern auf diesem Weg eine Freude zu machen.“ Wer ein solches Osterpaket packen möchte, kann sich unter 06102 - 34537 oder per Mail an stmoritzhagen@gmail.com bei Moritz-Hagen melden.

VON LISA SCHMEDEMANN

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